"Dramatische" SituationHebammen-Mangel: Kreißsäle sind oft unterbesetzt

Der Hebammen-Mangel führt zu einer "dramatischen Situation": In Deutschland fehlt es an Geburtshilfen. Vor allem in Kreißsälen ist die Lage schockierend.

In Deutschland gibt es einen Hebammen-Mangel. So ist es tatsächlich keine Seltenheit, wenn Schwangeren geraten wird, sich quasi mit dem positiven Test direkt auf die Suche nach einer Geburtshilfe zu begeben. Vor allem in den Kreißsälen sei die Situation "dramatisch", wie der Hebammenverband Schleswig-Holstein nun bekannt gab. 

 

Hebammen-Mangel: Eine Hebamme, fünf Schwangere

Nicht nur für werdende Mütter ist es oft schwierig, eine Hebamme zu ergattern. Für die Geburtshilfen selber stellt der Mangel in ihrem Berufsfeld eine erhebliche Belastung dar - und die zeigt sich vor allem im Krankenhaus. "Die Situation in den Kreißsälen ist manchmal derart schockierend, dass viele junge Kolleginnen da gar nicht mehr reinwollen", berichtet Maike Pagel-Feldmann dem NDR. Die Beleghebamme arbeitet in Eckernförde. Aber auch die Schichtarbeit sei mit durchschnittlich 3000 Euro brutto schlecht bezahlt und ein Grund für den Hebammenmangel. 

Viele Krankenhäuser in Schleswig-Holstein suchen nach Informationen des Hebammenverbandes dringend nach Personal. "Die Versorgung bricht zusammen, weil viele Hebammen ihren Beruf nicht mehr attraktiv finden", sagt die Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein, Anke Bertram. "Hebammen müssen sich in den Kliniken manchmal um fünf Schwangere gleichzeitig kümmern."

 

Hebammen-Mangel in Deutschland: Studium statt Ausbildung

Hierzulande fanden 2016 knapp 800.000 Geburten in Krankenhäusern statt - doch insgesamt arbeiten bundesweit nur 24.000 Hebammen (sowohl freiberuflich als auch angestellt). Laut einer Studie haben 25 Prozent der freiberuflich tätigen Hebammen zwischen 2008 bis 2010 die Geburtshilfe aufgegeben. Viele freiberufliche Hebammen bieten keine Geburtenhilfe an, da die zusätzliche Haftpflichtversicherung so hoch ist. Es können Kosten in Höhe von bis zu 10.000 Euro pro Jahr entstehen. Zwar ist die Zahl in Schleswig-Holstein gestiegen, doch die meisten Hebammen arbeiten nur in Teilzeit, weshalb es für Gebärende schwierig ist, eine Geburtshilfe zu bekommen.

Damit der Job attraktiver wird und der Hebammen-Mangel weniger, forderte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Oktober 2018, dass jeder, der Hebamme werden möchte, künftig studieren soll. Der Hebammenverband befürwortet den Vorschlag.

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