Erinnerungsprojekt Holocaust auf Instagram: „Eva Stories“ hält die Erinnerung wach

Erinnerungskultur über Instagram, geht das? Das Erinnerungsprojekt „Eva Stories“ versucht junge Menschen an die Leiden der Juden im Zweiten Weltkrieg heranzuführen.

Erinnerungskultur auf Instagram, geht das?
Das Projekt „Eva Stories“ gedenkt auf Instagram dem Holocaust.
Foto: iStock
Inhalt
  1. „Eva Stories“: Holocaust auf Instagram
  2. Das Leben der echten Eva Heyman
  3. „Die Erinnerung an den Holocaust verblasst"

Was, wenn es während des Holocaust Social Media gegeben hätte? Was hätten wir zu sehen bekommen?

Ihr Instagram-Profil ist anders als all die anderen: In den Stories von Eva wird der Holocaust aus den Augen der damals lebenden Juden erzählt. Das Erinnerungsprojekt „Eva Stories“ versucht junge Menschen an die Leiden im Zweiten Weltkrieg heranzuführen und das Gedenken aufrecht zu erhalten. Mit Videos direkt aus dem Juden-Ghetto soll ein besserer Bezug zu diesem schrecklichen Kapitel der Geschichte hergestellt werden. Ein Tagebuch des Grauens in Form von Instagram Stories. Eine neue Form der Erinnerungskultur.

 

„Eva Stories“: Holocaust auf Instagram

Aus der Sicht des 13-jährigen Mädchens Eva Heyman, dargestellt von einer Schauspielerin, erhalten die Zuschauer auf Instagram Einblicke in das Leben im Jahr 1944 und in die Leiden im Holocaust. Das erste Video wird am 13. Februar 1944 hochgeladen. Die Zuschauer sind ganz nah mit dabei, egal ob Eva gerade ihren Geburtstag feiert, sich zum ersten (und einzigen) Mal verliebt, oder ins Ghetto und später ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wird.

Während die ersten Stories noch mit jeder Menge Hashtags, bunten Gifs und Umfragen versehen sind und Eva sich so zeigt, wie es viele Jugendliche heute tun, reduzieren sich ihre Beiträge mit der Zeit auf das Mindeste und die Farben verblassen. Schließlich bricht ihr digitales Tagebuch am 30. Mai ab. Ihre Story endet mit ihrer Deportation im Zug ins Konzentrationslager Auschwitz. Dort stirbt sie am 17. Oktober 1944.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Eva.Stories Official Trailer

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Das Leben der echten Eva Heyman

Die auf Instagram erzählte Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Als Grundlage für das Projekt dienten die Tagebuchaufzeichnungen der echten Eva Heyman. Sie war eine ungarische Jüdin, die bei ihren Großeltern lebte und zusammen mit ihnen ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde, wo sie nur wenige Monate vor Kriegsende starb. Ihre Mutter Ágnes Zsolt überlebte als einziges Familienmitglied die Shoah und veröffentlichte das Tagebuch ihrer Tochter. Die Geschichte der 13-jährigen Eva Heyman, die als ungarische Anne Frank gilt, wurde allerdings erst 2012 ins Deutsche übersetzt.

 

„Die Erinnerung an den Holocaust verblasst"

Das Erinnerungsprojekt „Eva Stories“ wurde vom israelischen Geschäftsmann Mati Kochavi ins Leben gerufen und aus eigener Hand finanziert. Zusammen mit seiner Tochter Maya Kochavi und etwa 400 weiteren Menschen setzte er seine Idee in die Tat um. „Die Erinnerung an den Holocaust außerhalb Israels verblasst. Wir fanden dieses Tagebuch und sagten: 'Nehmen wir an, dass Eva anstatt eines Kugelschreibers und Papier ein Smartphone hatte. Lasst uns dokumentieren, was mit ihr passierte.' Deswegen haben wir das Smartphone in das Jahr 1944 zurückversetzt", erklärt Kochavi.

Gedreht wurde hauptsächlich in der Ukraine. Das Projekt wurde bereits im Mai dieses Jahrs zum israelischen Yom Hashoah, dem Tag des Gedenkens an den Holocaust, veröffentlicht. Seitdem ist Evas Geschichte auf Instagram zu sehen und sorgt für weltweites Interesse. Es wurden bereits über 1,6 Millionen Abonnenten erreicht. Erzählt wird Evas Geschichte in Englisch mit hebräischen Untertiteln. Alle Videos zusammen kommen auf eine Länge von 45 Minuten.

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