Wie bitte?!Im Gespräch: Deutsche sollen 1,5 Wochen Urlaub opfern, um die Wirtschaft zu retten

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat einen gelinde gesagt kontroversen Vorschlag: Statt Steuererhöhungen gegen die größer werdenden Haushaltslöcher sollen die Deutschen mehr arbeiten und weniger Urlaub machen. 

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Inhalt
  1. Mehr Arbeit, weniger Urlaub 
  2. Die Schweiz als Vorbild 
  3. Arbeitsmarkt muss wachsen
  4. "Mehr Arbeit, weniger Urlaub" stößt auf Kritik

Die Corona-Krise hat tiefe Löcher in die Kassen des Landes gerissen. Erste Experten sehen deswegen drastische Steuererhöhungen als unausweichlich, um die Wirtschaft in Deutschland wieder in Gang zu bringen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bringt dazu jetzt einen anderen Vorschlag aufs Tablett: Mehr Arbeit und weniger Urlaub könnten die Wirtschaftsleistung deutlich steigern. 

 

Mehr Arbeit, weniger Urlaub 

Konkrete Zahlen liefert das IW in seinem Bericht "Schlummernde Wachstumspotenziale im deutschen Arbeitsmarkt" gleich mit: Es geht um 2 Stunden mehr Arbeit pro Woche und 1,5 Wochen weniger Urlaub pro Jahr.

"Eine graduelle Erhöhung der Erwerbstätigenquote um 2,5 Prozentpunkte und der Jahresarbeitszeit um 11 Prozent könnte das preisbereinigte deutsche Bruttoinlandsprodukt nach zehn Jahren um bis zu 8 Prozent steigern, während die Schuldenstandsquote um mehr als 16 Prozentpunkte sinken könnte", schreiben die Experten des IW online.

 

Die Schweiz als Vorbild 

Die Wirtschaftsexperten haben für ihre Studie einen direkten Vergleich zur Schweiz gezogen. Die Arbeitsstunden pro Woche im Jahr 2019 betrugen in der Schweiz rund 36 Stunden, in Deutschland nur 34 Stunden. 

In seinem Bericht zeigt das IW auf, dass eine Übertragung der schweizerischen Wochenarbeitszeit und der Jahresarbeitswochen auf das deutsche Arbeitsmarktmodell ein Potenzial von 7,7 Milliarden Stunden ergeben würde. 

Neuer Schulden-Rekord für Deutschland!

 

Arbeitsmarkt muss wachsen

IW-Chef Michael Hüther rührt kräftig die Werbetrommel für den Vorschlag seiner Behörde, mit weniger Urlaub und mehr Arbeit die Wirtschaft anzukurbeln. Er sieht vor allem Chancen im Arbeitsmarkt.

Der "Bild"-Zeitung erklärt der Wirtschaftsforscher: "Die finanziellen Lasten aus der Pandemie können wir jahrzehntelang vor uns herschieben oder wir nutzen Potenziale, die bisher brachliegen. Viele Frauen beispielsweise arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kitaplätze fehlen. Allein für die Unter-Dreijährigen fehlen 340.000 Betreuungsplätze. Diese Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten kommen uns jetzt teuer zu stehen."

 

"Mehr Arbeit, weniger Urlaub" stößt auf Kritik

Während das IW von seinem Vorschlag überzeugt ist, mehren sich die Stimmen, die vehement gegen das Modell sind. 
FDP-Fraktionsvize Michael Theurer beispielsweise weist darauf hin, dass mehr Arbeit nicht automatisch eine höhere Produktivität bedeute. Damit hat er zweifelsfrei Recht. 

Auch SPD-Politikerin Katja Kipping lehnt den Vorschlag grundsätzlich ab. Sie betont auf Twitter, dass der Vorstoß des IW einmal mehr genau jene Menschen in Deutschland trifft, die sowieso hart arbeiten und wenig verdienen:

Eins ist sicher: Mit dem Vorschlag, mehr zu arbeiten bei weniger Urlaub hat das IW einen wunden Punkt in der Gesellschaft getroffen. 

Foto: iStock / nensuria

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