GesundheitImpfen in Deutschland: Bekommen wir nach Frankreich auch die Impfpflicht?

In Italien und Frankreich gibt es nun eine Grippepflicht. Da in Deutschland die Zahlen der Impfungen abnehmen, diskutieren Experten gerade, ob und in welchem Rahmen ein Gesetz zur Grippeimpfung bei uns Sinn macht.

Elf Impfungen müssen Kleinkinder unter zwei Jahren ab 2018 in Frankreich bekommen, ansonsten werden sie in keine öffentliche Einrichtung, wie etwa einen Kindergarten, aufgenommen. Italien droht mit Bußgeldern, wenn Eltern ihre Kinder im ersten Lebensjahr nicht gegen 12 Krankheiten im Jahr impfen lassen.

Bei uns sieht das anders aus: In Deutschland ist das Impfen gegen diverse Krankheiten, wie Influenza, Masern oder Pocken keine Pflicht. Eine Impfung wird lediglich empfohlen. Experten schätzen, dass die Zahlen gesunken sind, weil immer mehr Menschen darauf vertrauen, einfach nicht krank zu werden, da es einige Impferfolge gab. Außerdem ist die Skepsis gegenüber Impfungen groß. Das Robert-Koch-Institut hat auf seiner Website einen Katalog mit den 20 häufigsten Einwenden von Impfgegnern veröffentlicht und versucht mit Vorurteilen aufzuräumen. Angefangen von "Man kann trotz impfen krank werden", bis hin zu "Die Pharmaindustrie will Geschäfte machen."

 

Eine Impfpflicht könnte schwer durchsetzbar sein

Weitere Impf-Befürworter, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugend­ärzte, würden ein Gesetz zur Impfpflicht begrüßen: "Krankheiten wie Masern und Röteln lassen sich nur mit einer Impfpflicht ausrotten", sagt Präsident Dr. Thomas Fischbach. Der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Ulrich Montgomery ist ebenfalls dafür. Er fürchtet nur: "Sie dürfte gesellschaftspolitisch nur schwer durchsetzbar sein.

Rechtlich ist ein Gesetz zur Impfpflicht umsetzbar, allerdings gibt es ein anderes Problem: Das Bundesverfassungsgericht könnte einen entsprechenden Entwurf ablehnen, da eine Impfpflicht möglicherweise als Eingriff in das sogenannte "Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit" gesehen wird. 

Nach Frankreich und Italien: Kommt auch in Deutschland die Impfpflicht?iStock

 

Impflücken gibt es vor allem bei Jugendlichen

Nun könnte Deutschland dem Beispiel von Frankreich (und weiteren 12 EU-Staaten) folgen und eine Impfpflicht für Kleinkinder, die öffentliche Einrichtungen besuchen, einführen. Zwar gibt es bei uns ein Präventionsgesetz, das besagt, dass Eltern eine Impfberatung nachweisen müssen, wenn das Kind in die Kita kommt - verpflichtend ist das aber auch nicht. Es droht jedoch ein Bußgeld von 2500 Euro, wenn Eltern sich hartnäckig weigern. 
Der Vorsitzende der "Ständigen Impfkommission", Professor Thomas Mertens, hält ein Gesetz zur Impfpflicht dennoch für wenig sinnvoll: "Die bedrohlichen Impflücken finden sich nicht bei Kindern, sondern bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit einer Impfpflicht nicht mehr erreicht werden." 

Experten vermuten außerdem, dass eine Impfpflicht zu noch weniger Bereitschaft führen könnte. Thomas Mertens rät: "Wir brauchen noch mehr öffentliche Kampagnen, etwa von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und wir brauchen die ­Unterstützung der niedergelassenen Ärzte: Wenn sie systematisch bei jedem ihrer Patienten den Impfschutz abklären, beraten und impfen, lassen sich die Lücken schließen." 

Es bleibt also abzuwarten, ob die Impfpflicht zu uns kommt. 

 

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