Enthüllung

Ina Müller: Die ganze Wahrheit über die beliebte Entertainerin

Ina Müller, 56, steht für Trinkfestigkeit, lauten Witz und schonungslose Ehrlichkeit. In der Liebe besteht sie auf getrennte Wohnungen. Was nicht heißt, dass sie nicht heiraten würde. Was versteckt die beliebte Entertainerin noch? 

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Ina Müller hat Glamour. Selbst dann, wenn sie laut kreischend ihre Beine über den Tisch im Hamburger „Schellfischposten“ schwingt. Psychologen nennen diesen Da-muss-ich-hingucken-Zauber den Pippi-Langstrumpf-Effekt. Sie ist diese Göre, die sich nichts sagen lässt, auf Konventionen pfeift und unbeirrbar durchs Leben springt und laut dabei singt. Ihr hoher Pferdeschwanz hüpft wie Pippis Zöpfe, Tigerhosen sind ihre Ringelstrümpfe, und ihre langen Wimpern verzaubern uns wie einst Pippis Sommersprossen. Schauen wir ihre Late-Night-Show „Inas Nacht“ im Ersten, denken wir: Die hat doch einen Lachsack gefrühstückt. Wir biegen uns prustend auf der Couch, um Sekunden später beim Fremdschämen in den Kissen zu versinken. Sie ist Pippi, wir ihre neugierige Freundin Annika.

Saufen, Singen, Sabbeln - Inas Königsdisziplin

Wenn diese Frau loslegt, funkeln ihre Augen wie bei einem Mädchen, das den Zicken in der Schulhofecke gerade das Gummitwist klaut. Und ehe sich ihr Gegenüber ordnen kann, um adäquat zu reagieren, rennt Ina feixend weg. Beziehungsweise sie hebt ihr Glas – hoch die Tassen und weiter geht’s! „Was das Saufen, Singen und Sabbeln angeht, da macht mir so schnell keiner was vor“, lacht sie. Eine Masche, so clever wie charmant zugleich: Ina kann machen, was sie will, und keiner ist ihr böse. Denn eigentlich will die Ina nur spielen. Und wir mit ihr. Oder, um im Heute zu bleiben: Wer wünscht sich nicht, mit ihr zu versacken?

Traurige Beichte: „Ich habe sicher viel mehr Ängste, als man glaubt“

Woher rührt ihre Chuzpe? Auf dem elterlichen Bauernhof im 1000-Einwohner-Nest Köhlen bei Bremen lernt sie früh, sich zu behaupten. „Wir mussten richtig malochen. Nach der Schule war Arbeit“, erzählt sie. Mit vier Schwestern kämpft sie um die Unterhosen auf der Wäscheleine, den Kuchen auf dem Kaffeetisch, Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Sie begreift: Resolut sein bringt einen weiter. Wer in den Mist fällt, sollte schnell aufstehen, das Zöpfchen richten und weiterrennen. Ihre Schwestern werden Friseurin, Familienmama, Zahnarzthelferin, Klein Ina lernt pharmazeutisch-technische Assistentin und jobbt sich quer durch Apotheken in Bremen, München und auf Sylt. Auf Tour schon damals, nur im Kittel und geschützt hinter der Theke.

„Ich habe sicher viel mehr Ängste, als man glaubt“, erzählt sie und macht auch aus ihrer Dünnhäutigkeit kein Geheimnis. „Neulich stand irgendwo ,Schnodderschnauze‘. Muss man sich als Frau mit über 50 Jahren immer noch so betiteln lassen? Ich spiele so schöne Konzerte und habe eine professionelle Band. Ich brülle ja nicht die ganze Zeit auf der Bühne herum.“ Nein, das tut sie nicht. Ihre Balladen erzählen einiges. „Für mich war es wild. Ich habe vieles mitgemacht und alles überlebt …“, singt sie auf ihrer neuen Platte „55“, selbst reflektierend und persönlich wie nie zuvor. Würde die Ex-PTA ihr heutiges Selbstbewusstsein in Flaschen abfüllen und verkaufen, würde sie reich.

Ina Müller: Zauberhafte News mit 55 - Nach nur 10 Wochen

"Ich bin die, die schnell mal auf die Nerven geht"

1994 gründet sie mit Kollegin Edda Schnittgard das Musik-Duo Queen Bee und rockt deutsche Kleinkunstbühnen. Blut lecken und Aufarbeitung in einem: Als Queen Bee bezeichnen Psychologen Frauen, die wie eine Bienenkönigin keine andere neben sich dulden – und sie eliminieren. Ganz so schlimm ist es bei Ina nicht, eher selbstironisch, aber mit Freund*innen ist sie als Schwesterkind bis heute vorsichtig. Ina mag es unkompliziert und eroberte sich schon im Schulbus als einziges Mädchen einen Platz auf der Jungenbank.

Die große Ina ist heute vor allem eines: grundehrlich! So viel Offenheit mag mitunter auf die Nerven gehen, aber Selbstkritik ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. „Früher wollte ich schneller sein, höher, weiter, besser. Heute ist mein Ziel nur noch: fast so hoch wie gestern … Ich kämpf’ nur noch gegen den Verschleiß …“, sagt sie und folgert: „Früher haben wir durchgemacht, heute machen wir Pilates.“

Ina Müller: Schlechtes Vorbild?

Man möchte schreien, so recht hat sie. Die Ina Müller traut sich das, da braucht die kein neumodisches Waldbaden dazu, das macht die im Fernsehen – und macht das kindliche Ich-Sein 50+ salonfähig. Endlich mal eine, die uns nicht vollschwärmt, wie toll es ist, fünf Liter linksgedrehtes Wasser pro Tag zu trinken und im Urlaub zum Heilfasten zu fahren. Plumperquatsch! „Als Vorbild habe ich noch nie getaugt“, lacht sie. „Wir wachen morgens alle nur wieder auf, wenn der liebe Gott es so will …“

Ina Müller und Johannes Oerding: Keine Kinder, aber potentielle Hochzeit

Bla, blaa, blaaa – nicht mit Ina! Ihr gelingt das Kunststück, weise zu sein und dabei immer kindlich verspielt zu blieben. Wobei Kinder nie ihr Thema waren. „Bei mir geht das so weit, dass ich nicht in der Lage war, Kinder zu kriegen, weil die Vorstellung, dass man schwanger wird …“ Sie führt den Satz in ihrer Show nicht zu Ende und verzieht das Gesicht. Wow, da schluckt man erst mal. Nicht nur als Mutter, selbst junge Frauen trauen sich das heute noch immer nicht, offen zu sagen. Nicht so Ina Müller – die klappert Tabus zielgerichtet ab wie Töpfe beim Topfschlagen. Nichts ist ihr peinlich, kaum etwas zu intim, und wir applaudieren begeistert. Klar, warum sonst haben wir Jahrzehnte um Gleichberechtigung gekämpft?

Emanzipiert ist Frau Müller auch in Beziehungsfragen. Ihre große Liebe, der Liedermacher Johannes Oerding, ist 16 stürmische Herbste jünger als sie. 2011 begleitet er Ina als Vorgrüppchen auf ihrer Tournee und rockt sich bis in ihr Schlafzimmer.

Nur seine Socken wäscht er auch im zehnten Liebesjahr selbst. Da hat Frau Müller keine Lust zu. „Getrennte Wohnungen halte ich für den größten Verlängerungsfaktor des Verliebtseins.“ Na, die hat’s gut, oder? Heiraten kann sie sich trotzdem vorstellen. Johannes darf ihr aber nur einen Antrag machen, wenn sie auch Ja sagt. Okay, das lassen wir die beiden mal unter sich ausknobeln.

Ina Müller & Freund Johannes Oerding: Heiraten ja, Kinder nein

Starke Frau: "Ich bin an vielen Punkten bei mir angekommen"

„Heute habe ich keine Angst mehr“, sagt sie mit 55 nach einem Weg voller Wirrungen und Wendungen. „Zwischen Mitte 30 und Mitte 40 waren meine fettesten Jahre. Im Sinne von am kraftvollsten, am neugierigsten. Es sind die meisten Dinge passiert. Heute weiß ich, dass ich in einer Wohnung in der Stadt bleibe. Ich bin an vielen Punkten bei mir angekommen.“

Auch bei ihrem markanten Signature-Style. In den 90ern passen ihre romantisch dunklen Löckchen zum Image „freches Küken“. Heute sehen wir eine kraftvolle Frau voller wichtiger Erfahrungen. Auch der, dass Platinblond ihre Farbe ist und sie nicht ohne ihr Markenzeichen kann, den wippenden Hochzopf, der stets signalisiert: Komm, ist doch alles Spaß!

Ina Müller jung: So anders sah die Blondine früher aus

Ebenso wie ihre grandiose Art, sich selbstironisch zu inszenieren. So macht Ina keinen Hehl daraus, leidenschaftlich in die Wohnungen anderer Leute reinzugucken. Gerade hat sie sogar einen Song darüber geschrieben. Und es gibt eine herrliche Schmonzette dazu: Auf dem Balkon ihrer Hamburger Wohnung im wilden St. Georg stand lange eine lebensgroße InaPappfigur mit Winkehand. Wenn dann der Doppeldeckerbus mit den Touristen durchs Viertel rollte, freute sie sich diebisch hinter ihrem Fenster über ihren Streich. „Manchmal winken die zurück, und keiner kommt auf den Gedanken, dass hier wirklich die Müller wohnt.“

PS: Eine fette Portion Ina hautnah gefällig? Ab Januar 2022 geht sie auf große Tour: 55 Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Na, dann Prost!

Artikelbild und Social Media: IMAGO / Christian Schroedter

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