"Ich bin erschöpft"Jens Spahn: Erneuter Hilferuf einer Krankenschwester

Die Krankenschwester Johanna Uhlig schrieb einen offenen Brief an Jens Spahn, in dem sie ihn um Hilfe bittet - so antwortete der Gesundheitsminister. 

"Sehr geehrter Herr Spahn, gerade komme ich aus der Nachtschicht. Ich bin erschöpft, verärgert und enttäuscht", so beginnt der offene Brief von Krankenschwester Johanna Uhlig an Gesundheitsminister Jens Spahn. Sie postete ihn auf Facebook und er wurde über 12.000 Mal kommentiert und über 100.000 Mal geteilt. Die junge Frau macht darin sachlich, aber bestimmt ihrem Unmut über das Gesundheitssystem in Deutschland Luft. Uhlig arbeitet seit vier Jahren im Krankenhaus auf einer Intensivstation für Früh- und Neugeborene sowie für Kinder bis zu 18 Jahren.

 

"Pflegekräfte sollten keine Angst um ihren Berufsstand haben müssen" 

Johanna Uhlig sprach mehrere Themen in ihrem Brief an: "Was mich demotiviert ist die Tatsache, dass ich die meiste Zeit überhaupt nicht das praktizieren kann, was ich ursprünglich gelernt habe: patientenorientierte, kompetente und evidenzbasierte Pflege", schreibt sie. "Als Pflegekraft verstehe ich nur einen Bruchteil der Finanzierung im Gesundheitswesen. Aber ich weiß, dass einiges in die entgegengesetzte Richtung läuft und Gelder in die falschen Töpfe fließen." 

Hinzu käme der permanente Stress: Sie könne manchmal nicht mal zur Toilette gehen, etwas essen oder trinken, aus Angst, einen Patienten zu vernachlässigen, weil die Besetzung im Krankenhaus so schwach sei. Zwar sei der Personalschlüssel im Vergleich zur Kranken- oder Altenpflege in ihrem Bereich noch „ordentlich“ sei, jedoch spüre man dennoch den Mangel an Pflegepersonal. Weiter erzählt sie von einer Vielzahl Kündigungen ihrer Kollegen, weil diese den „immer schlechter werdenden Bedingungen und den drohenden Qualitätsverlust nicht mehr persönlich mittragen“ wollten.

"Wir verschieben Urlaub, wenn die Schichten sonst nicht besetzt werden können. Wir machen unseren Job gerne! Aber viel mehr können wir Pflegekräfte in Deutschland nicht mehr geben", schreibt die Krankenschwester. Sie appelliert an Jens Spahn, seinen Auftrag als Gesundheitsminister ernst zu nehmen und für ein Gesundheitssystem zu kämpfen, "in dem Menschen verantwortungsvoll und kompetent versorgt werden können. Pflegekräfte sollten keine Angst um ihren Berufsstand haben müssen." 

 

So hat Jens Spahn auf den Brief reagiert

Tatsächlich antwortete der Minister auf den Hilferuf der Krankenschwester: "Wir starten mit mehr Stellen, mehr Gehalt und Pflegepersonal (...). Es ist der erste Schritt und ich werde jeden Tag, jede Stunde dafür arbeiten, es besser zu machen." Er sei "berührt" aufgrund ihrer "ehrlichen Worte". 

Dass Krankenpfleger- und Schwestern sowie Ärzte Unmengen an Überstunden leisten, dafür teilweise zu wenig Lohn bekommen und unter großem Druck stehen, ist nicht verwunderlich, wenn man sich die Zahlen anguckt: Laut ver.di fehlen in Deutschland etwa 80.000 Pflegekräfte

Bereits im März 2018 hatte Krankenschwester Jana Langer einen öffentlichen Brandbrief an den Minister geschrieben.

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