Behörden zahlen nichtKind hat Diabetes Typ 1- und bekommt in der Kita keine Pflege-Betreuung

Der zweijährige Paul aus Oberhausen hat Diabetes Typ 1. In seiner Kita braucht er deshalb eine permanente Betreuung - doch die wird bisher von den Behörden abgelehnt. 

Wenn das eigene Kind krank ist, ist das schon Belastung genug. Doch wenn eine intensive Betreuung notwendig, aber durch Behörden nicht gegeben ist, "platzt einem schon mal die Hutschnur", schreibt Daniel Hecht in einem Facebook-Post (siehe unten). Der Familienvater lebt mit seiner Frau Nina und Tochter Emma sowie Sohn Paul in Oberhausen.

Der Zweijährige hat Diabetes Typ 1 (Diabetes Typ 1: Symptome der Zuckerkrankheit). Die Auto-Immun-Erkrankung wurde vor einem Jahr festgestellt. Sein Alltag - der mit einem täglichen Kita-Besuch so normal wie möglich sein soll - ist geprägt von der Krankheit, denn der Junge trägt eine Insulin-Pumpe an seinem Bein, die das Spritzen des Insulins ersetzt. Die Pumpe ist programmiert. Über einen Katheter wird das lebenswichtige Hormon in Pauls Körper geleitet. „Trotzdem muss sein Insulin-Wert auch manuell regelmäßig gemessen werden“, erzählt Nina Hecht Rp Online. „Nach der Messung stellt man ein, wie viel Insulin abgegeben werden muss."

 

MDK lehnte intensive Betreuung des Kindes ab

Daher muss Nina Hecht während der gesamten Kita-Zeit in einem Nebenzimmer sitzen und die Werte ihres Sohnes regelmäßig überprüfen. Denn sobald Paul sich bewegt oder etwas gegessen hat, muss die benötigte Insulin-Menge angepasst werden. Ansonsten kann der Junge ins Koma fallen. Der Familie wurde nämlich nur ein Pflegedienst, der "als punktuelle Einzelleistungen“ drei Mal täglich erscheint genehmigt, weil laut eines Gutachtens des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) „keine medizinischen Voraussetzungen für die ‚spezielle Krankenbeobachtung‘ vorlagen“. 

Auf Dauer ist das kein tragbarer Zustand für die Familie. „So ist kein normales Leben möglich - weder für Paul, noch für uns als Familie“, sagt Nina Hecht. „Daher benötigen wir eigentlich eine Pflege, die Paul während der Zeit in der Kita betreut und seine Werte im Blick hat.“ Das habe der Kinderarzt sogar empfohlen.

 

"Wir sind erschöpft"

Doch statt Hilfe, erfahren die Hechts von den Behörden nur Ablehnung - und wie so oft fühlt sich niemand zuständig. "Seit Juli 2018 kämpfen wir um eine Möglichkeit, Paul in derselben integrativen Kita unterzubringen", schreibt Vater Daniel Hecht. "Seit August versuchen wir eine Pflegeperson für Paul und seinen Kita-Alltag zu bekommen. Bürokratie ist in der Szene sehr angesagt - und hat uns nicht wirklich überrascht. Mittlerweile hat meine Frau Nina unzählige Anrufe getätigt, der Aktenordner wächst und wächst - und die aufgezwungenen Besuche bei diversen Ämtern erschöpfen uns."

Die Krankenkasse sieht die Stadt in der Verpflichtung für die Zahlung einer Voll-Pflegeperson - die Stadt gibt den Ball zurück an die Krankenkasse: „Der Vorwurf der Familie ist unberechtigt. Das Recht auf Teilhabe wird durch Leistungsverweigerung der Krankenkasse blockiert, nicht vom Sozialhilfeträger“, heißt es in einem Schreiben, das RP Online vorliegt.

Die Hechts wissen nicht mehr weiter. „Eltern, die ohnehin durch die Erkrankung eines Kindes Sorgen haben, sollten solche Dinge einfacher gemacht werden“, sagt Nina Hecht. „Unser Kind hat ein Recht auf Teilhabe, warum wird ihm das verwehrt?“

Mit Hilfe einer Rechtsanwältin wollen Daniel und Nina Hecht nun für ihr Recht kämpfen. Die Familie hat eine neue Verordnung des Kinderarztes an die Krankenkasse verschickt, die derzeit geprüft wird. Sollte der MDK zustimmen, wird Paul eine Voll-Pflegeperson in der Kita bezahlt. 

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