KindergesundheitKinderärzte warnen vor Versorgungsengpass in Deutschland

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor einem Versorgungsengpass in Deutschland. Grund dafür ist der Babyboom in Großstädten.

Kinderärzte warnen vor Versorgungsengpass in Deutschland
Deutschland ist mit dem Babyboom überfordert. Es mangelnd an Kinderärzten
Foto: iStock

"Deutschland erlebt seit nunmehr fünf Jahren einen fast historischen Babyboom", meldet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2016 in Deutschland 776.883 Babys geboren - das sind knapp 19 Prozent mehr als noch vor 5 Jahren!

Grund dafür sind Fördermittel, wie etwa das Elterngeld oder die verbesserten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.

 

Deutsches Gesundheitssystem mit Babyboom überfordert

Auf die große Freude über den Anstieg an Geburten folgt nun der Schock: Das Gesundheitssystem ist mit dem Babyboom überfordert. Konkret sieht das im Alltag so aus:

  • Für die ersten Vorsorgeuntersuchungen der Kinder müssen Eltern in Arztpraxen lange Wartezeiten einkalkulieren - die Praxen sind überfüllt.
  • Kinderärzte können an vielen Orten keine neuen Patienten mehr annehmen.
  • Eine ganze Generation an Kinderärzten geht in den Ruhestand - es rücken zu wenige neue Kinderärzte nach.
  • Jüngere Kinderärzte arbeiten nur selten in Vollzeit. Verständlicherweise, wenn man bedenkt, dass Ärzte in Vollzeit früher eine 50 bis 60 Stundenwoche hatten.
  • Eine Vielzahl der Kinderärzte ist inzwischen auf einen bestimmten Bereich spezialisiert, z.B. Allergologie, Kardiologie, Rheumatologie. Dadurch haben sie weniger Zeit für die Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen.
 

Mangel an Kinderärzten, lange Wartezeiten

Wie kann man dieses Dilemma lösen? BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach fordert:

  • Eine Neuausrichtung der Bedarfsplanung: Der Bedarf an Kinderärzten soll regional ermittelt und angepasst werden.
  • Mehr junge Mediziner für den Bereich der Pädiatrie begeistern. Unter anderem durch zusätzliche Vergütung von "Mehrarbeit", die etwa bei neuen Vorsorgen und Impfungen zustande kommt.
  • Finanzielle Förderung der Weiterbildung zum Kinderarzt.

Diese Forderungen können allerdings nur langfristig erfüllt werden. Bis dahin heißt es für Eltern: Sich mit langen Wartezeiten beim Kinderarzt anfreunden und Termine für Voruntersuchungen und Impfungen lange im Voraus vereinbaren.

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(ww7)

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