Neue Bertelsmann-StudieKinderarmut: Arbeitslose Mütter erhöhen das Armutsrisiko für ihre Kinder

Wenn ihre Mutter nicht arbeitet, wachsen Kinder in Armut auf. So einfach bringt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung die aktuelle finanzielle Lage für Familien und Alleinerziehende auf den Punkt.

Kinder leben in ärmeren Verhältnissen, wenn ihre Mutter nicht arbeitet. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Erschreckend dabei ist, dass dieses Ergebnis sich nicht nur auf alleinerziehende Mütter bezieht. Auch Paare, bei denen nur ein Elternteil arbeitet, können ihre Familie nicht finanziell absichern. Ein Gehalt allein reicht oft nicht mehr aus. Ist das Ein-Verdiener-Modell also überholt?

"Kinderarmut hängt maßgeblich an der Erwerbstätigkeit von Frauen", erklärte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Arbeitet eine alleinerziehende Mutter nicht, so wachsen ihre Kinder laut der Studie zu 96 Prozent in anhaltender Armut auf. Wenn die Mutter einer regelmäßigen Teilzeitbeschäftigung nachgeht, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 20 Prozent.

Doch auch Kinder aus intakten Familien erleben zu 32 Prozent dauerhaft oder wiederkehrend Armut, wenn die Mutter nicht arbeitet, und 30 Prozent der Kinder erleben zumindest kurzzeitige finanzielle Einschränkungen. Bertelsmann-Vorstand Dräger fordert daher: "Müttern muss es erleichtert werden, arbeiten zu gehen.“

Laut der Definition der Studie gelten Kinder als arm, wenn sie aus Familien stammen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens auskommen müssen oder von Hartz IV leben. Um diese Kinderarmut außerdem zu verringern, setzt sich die Bertelsmann-Stiftung für ein einkommensabhängiges „Teilhabegeld“ ein. Bertelsmann-Vorstand Dränger meint: „Kinder müssen unabhängig von ihren Familien so unterstützt werden, dass sie nicht vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt sind. Wer aus finanziellen Gründen seine Freunde nicht nach Hause einladen kann oder kein Geld für gemeinsame Hobbys hat, dem fällt es schwerer, dabei zu sein und Freundschaften zu knüpfen."

Als Datengrundlage für die Studie diente die repräsentative Längsschnittstudie "Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung" (PASS), in der seit 2006 ca. 15.000 Personen ab 15 Jahren im Jahr befragt werden.

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