Wichtige Infos zur Wahl Kinderarmut! Bundestagswahl - welche Partei was dagegen tun will

Kinderarmut in Deutschland - welche Partei will sich nach der Bundestagswahl 2017 am meisten gegen Kinderarmut einsetzen? Wunderweib.de hat nachgefragt!

 

Kinderarmut - wie die Parteien armen Kindern helfen wollen

Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Kein Geld für gutes Essen, kein Geld für Kleider - das Konto ist einfach immer leer. Rund zwei Millionen Kinder und ihre Familien In Deutschland sind arm. Sie sind angewiesen auf Hartz IV.

Besonders oft trifft es Kinder von alleinerziehenden Eltern. „Von allen Heranwachsenden in staatlicher Grundsicherung lebt die Hälfte bei einem alleinerziehenden Elternteil und 36 Prozent werden in Familien mit drei oder mehr Kindern groß“ berichtet die Bertelsmann Stiftung.

Hartz IV und kein Weg raus: Für die meisten Kinder, die Hartz IV-Geld zum Leben brauchen, gibt es keine Chance, da rauszukommen. Sie leben über viele Jahre von der staatlichen Unterstützung.

Millionen Kinder in Deutschland sind arm - ohne Chance auf Besserung.
Millionen Kinder in Deutschland sind arm - ohne Chance auf Besserung.
Foto: iStock

Verarmte Kinder und Eltern ohne jede Perspektive und Chance auf soziale Teilhabe – das muss sich endlich ändern. Geld ist genug da in Deutschland – es muss allerdings effektiver verteilt werden!

Deshalb ist es sehr wichtig, dass Mieter in Deutschland zur Bundestagswahl 2017 genau wissen, welche Partei künftig was gegen die Armut von Kindern tun will. 

Die Redaktion von Wunderweib.de hat darum die sechs Parteien mit den besten Chancen auf einen Einzug in den Bundestag CDU / SPD / Linke / Grüne / FDP und AfD gefragt:

„Was planen Sie zur Reduzierung der Kinderarmut in Deutschland?

Dies sind die Antworten der Parteien. Sie werden aufgeführt in der Reihenfolge, in der die Parteien uns geantwortet haben.

DIE LINKE: "Wir wollen eine Grundsicherung von 573 Euro jedes Kind"
 

  • Für alle in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen fordert Die Linke gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine eigenständige, individuelle Grundsicherung in Höhe von zu versteuernden 573 Euro. Die Kindergrundsicherung wird entsprechend der Entwicklung des Existenzminimums von Kindern angepasst. Sie soll Kinder und Jugendliche aus der verdeckten Armut und dem Stigma von Hartz IV-Leistungen herausholen. Sie setzt sich zusammen aus einem monetären Grundbetrag und einem Betrag, der die Mängel der Infrastruktur für Kinder ausgleichen soll. 
     
  • Wir streiten für eine Gesellschaft, in der sämtliche Leistungen für Bildung, Kinderbetreuung und Erziehung sowie öffentliche Güter wie Mobilität, Kultur und Freizeitangebote nicht nur, aber zuallererst für Kinder kostenfrei zur Verfügung stehen. Wenn diese soziale Infrastruktur für Kinder und Jugendliche geschaffen ist, kann die Kindergrundsicherung um den entsprechenden Betrag reduziert werden.

BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN: "Kindergeld-Bonus für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen"
 

  • Mit dem grünen Familien-Budget in Höhe von 12 Mrd. pro Jahr entlasten wir alle Familien, vor allem aber Familien mit geringem und mittlerem Einkommen. Für uns ist die Bekämpfung von Kinderarmut ein prioritäres Ziel. 
     
  • Unser Familien-Budget besteht aus drei Teilen: Einer Anpassung der Kinderregelsätze, der Einführung eines Kindergeld-Bonus für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen und für Alleinerziehende und einer Kindergrundsicherung. Damit beenden wir die ungleiche Unterstützung von Kindern entlang dem Einkommen ihrer Eltern. 
 

FDP: "Alle Leistungen für Familien zum Kindergeld 2.0. zusammenfassen"
 

  • Wir Freie Demokraten wollen Kinderarmut bekämpfen und deshalb Kinder in den Mittelpunkt der familienpolitischen Förderung rücken. Dazu wollen wir die bisher den Eltern zustehenden, kindesbezogenen Leistungen zu einem „Kindergeld 2.0“ zusammenfassen und damit einen eigenständigen Anspruch des Kindes schaffen. Denn Chancengerechtigkeit und Bildungszugang sind die Grundlage für das persönliche Vorankommen und ein selbstbestimmtes Leben. 
     
  • Heute haben Kinder in Deutschland aber noch ungleiche Startchancen im Leben. Ein Grund dafür ist, dass die familienbezogenen Leistungen wegen der zahlreichen Bedingungen, Berechtigungen, Anrechenbarkeiten zu kompliziert geregelt sind und Kinderarmut nicht ausreichend entgegenwirken. So werden zum Beispiel familienbezogene Leistungen wie Kindergeld, Betreuungsgeld oder Unterhaltsvorschuss auf Leistungen nach dem SGB II angerechnet. 
     
  • Das wollen wir ändern: Der Strauß der kindesbezogenen Leistungen wird zu einem Leistungspaket gebündelt und von einer zentralen Stelle ausbezahlt. Dieses „Kindergeld 2.0“ besteht aus folgenden Komponenten: Dem einkommensunabhängigen Grundbetrag, dem einkommensabhängigen Kinder-Bürgergeld (Flexibetrag), das die wirtschaftliche Situation der Eltern berücksichtigt, und den Gutscheinen für Leistungen für Bildung und Teilhabe. Darüber soll zum Beispiel die Mitgliedschaft im Sportverein oder das Erlernen eines Musikinstrumentes in einer Musikschule unbürokratisch möglich sein. 
     
  • Diese Neuregelung des Kindergeldes soll sicherstellen, dass die Leistungen auch bei den Kindern ankommen. Falls Erziehungsberechtigte hier Geld zweckentfremden, ermöglicht der eigenständige Anspruch des Kindes, das Geld anderweitig verwalten zu lassen, zum Beispiel von Verwandten oder dem Jugendamt. Zudem fallen durch die Bündelung der Leistungen unnötige bürokratische Hemmnisse weg.

 
Anmerkung der Redaktion:

Leider erhielten wir sowohl von der CDU als auch von der SPD keine Antworten auf unsere Fragen, sondern lediglich einen Verweis auf das Parteiprogramm. Um die beiden größten Parteien Deutschlands in diesem Artikel nicht unerwähnt zu lassen, haben wir die Wahlprogramme nach Informationen zum Thema durchforstet und zitieren folgend aus diesen. 

SPD:

Die SPD schreibt zum Thema Kinderarmut im Wahlprogramm: „Wir werden die Benachteiligung von Kindern armer Eltern beseitigen und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen. Dabei werden wir vor allem auch die besondere Lebenssituation von Kindern berücksichtigen, die mit einem Elternteil aufwachsen. Wir wollen die Arbeitsmarktbeteiligung und die finanzielle Situation der Eltern ebenso verbessern wie die Teilhabechancen von Kindern – unabhängig von der sozialen Lage ihrer Eltern. Gute und bedarfsgerechte Kitas und Ganztagsschulen sind dafür die entscheidende Voraussetzung. Gleichzeitig wollen wir ein nach Einkommen und Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld einführen, das Kindergeld und Kinderzuschlag zusammenführt.

Mit Blick auf die politisch gewünschten Ziele (Vermeidung von Kinderarmut, Zugang zu Bildung für alle Kinder und gleiche Förderung aller Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern) werden wir das Konzept der Existenzsicherung für Kinder mit den unterschiedlich zusammenwirkenden Instrumenten regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Jedes Kind ist uns gleich viel wert und niemand soll wegen seiner Kinder arm werden. 

Die Rechte von Kindern und Familien werden wir auch in Bezug auf Teilhabechancen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) weiter stärken.“

CDU:

Die CDU schreibt zum Thema Kinderarmut in ihrem Wahlprogramm: „Wir finden uns nicht mit Kinderarmut ab. Wir wollen, das alle unsere Kinder die bestmögliche Erziehung, Bildung und Betreuung  erhalten, unabhängig von Herkunft und Lebenssituation der Eltern … Wir werden die finanzielle Situation junger Familien spürbar verbessern, indem wir den Kinderfreibetrag in zwei Schritten auf das Niveau des Erwachsenenfreibetrags anheben und das Kindergeld entsprechend erhöhen. In einem ersten Schritt werden wir das Kindergeld um 25 Euro je Kind erhöhen. 300 Euro mehr pro Kind und Jahr sind ein starkes Signal. Gleichzeitig wird der Kinderfreibetrag entsprechend erhöht. Den zweiten Schritt werden wir abhängig von der wirtschaftlichen Lage verwirklichen, aber spätestens in der darauffolgenden Legislaturperiode.“ 

Außerdem verspricht die CDU mehr Steuer-Freibeträge für Kinder sowie ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro je Kind und pro Jahr, das über einen Zeitraum von zehn Jahren gezahlt werden soll.

Anmerkung der Redaktion: 

Die Alternative für Deutschland (AfD) reagierte nicht auf unsere Anfrage, folgend Zitate aus dem Wahlprogramm:

AfD:

Die fordert die steuerliche Entlastung von Familien durch Einführung eines Familiensplittings ein, welches das Familieneinkommen vor Versteuerung auf die Familienmitglieder rechnerisch verteilt: „In diesem Zuge sind auch die steuerlichen Benachteiligungen von Kindern und Eltern aus Trennungs- und Scheidungsfamilien zu beseitigen. Der Erwerb von Wohneigentum durch Familien sollte z.B. durch zinslose Darlehen, Zuschüsse und Erlass der Grunderwerbsteuer erleichtert werden.“

Mehr zum Thema:

Welche Partei am meisten gegen Armut von Müttern tun will

Welche Partei am meisten gegen steigende Mieten tun will

Willst du aktuelle News von Wunderweib auf dein Handy bekommen? Dann trag dich schnell in unserem WhatsApp-Newsletter ein!

Kategorien: