MeinungsstückKita-Streik: Was das für mich als Zwillings-Mama bedeutet

In deutschen Kitas wird gestreikt. Diese Woche gehen wieder zahlreiche Erzieherinnen und Erzieher auf die Straße und fordern mehr Geld. Für viele Eltern sind die Forderungen zwar gerechtfertigt, doch der Betreuungsausfall bringt viele an ihre Grenzen - auch mich als Zwillings-Mama. 

Inhalt
  1. Ein Streik bedeutet auch immer Stress für die Eltern
  2. Auch die Unternehmen sollten in die Verantwortung gezogen werden
  3. Welche Rechte haben Arbeitnehmer während eines Streiks?

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Kita in der meine beiden Kinder betreut werden, streikt. Die Erzieher versuchen die Eltern so früh wie möglich zu informieren, oft entschuldigen sie sich fast dafür. Bei der Forderung nach mehr Gehalt stehe ich voll hinter den Erzieherinnen und Erziehern. Für mich machen sie schließlich den wichtigsten Jobs der Welt - sie kümmern sich täglich um meine Kinder und das sollte auch vernünftig vergütet werden

 

Ein Streik bedeutet auch immer Stress für die Eltern

Doch als berufstätige Eltern ist man auf das Betreuungsangebot der Kitas angewiesen. Wie viele Eltern in Deutschland stehen auch mein Mann und ich dieser Tage vor der Frage: wohin mit den Jungs, wenn die Kita streikt? Wir sind beide berufstätig. Laut Rechtsanspruch muss uns unser Arbeitgeber nicht freistellen, uns bleibt also nichts anderes übrig als Urlaub einzureichen.

In unserer Kita gibt es zwar einen Notfalldienst, allerdings stehen nur 100 Plätze zur Verfügung, bei 180 Kindern. Am Ende wird per Losverfahren entschieden, welche Kinder betreut werden und die Entscheidung fällt erst am Nachmittag vor dem Streiktag. 

Zum Glück wohnen meine Eltern nicht weit von uns. Sie sind Rentner und nehmen sich immer Zeit für ihre Enkel. Wenn ich also mal wieder meine Eltern anrufen muss, weil einer der Jungs krank ist oder die Kita streikt, nimmt meine Mutter mir immer mit nur einem Satz, die Panik: "Mach dir keine Sorgen, wir kümmern uns um Tom und Ben - nichts tun wir lieber!" Und schon hat sich mein Puls normalisiert, ich kann wieder planen, meinem Job nachgehen und alles läuft wieder in geregelten Bahnen.

Doch was machen Eltern, die nicht eine so flexible Notfallbetreuung haben wie ich? Die alleinerziehend sind oder selbstständig? 

 

Auch die Unternehmen sollten in die Verantwortung gezogen werden

Viele Hamburger Unternehmen gehen während des Kita-Streiks mit gutem Beispiel voran: Google hat seinen Mitarbeitern Homeoffice angeboten, Airbus unterstützt ebenfalls mit dem Homeoffice-Angebot und Gleitzeitregelungen. Am Hamburger Flughafen werden die Kinder der Mitarbeiter täglich kostenlos im "Terminal Tango", dem früheren Urlaubsflug-Terminal betreut.

Das Media-Netzwerk Xing nimmt den Notmütterdienst aus Wandsbek in Anspruch, der kurzfristig und flexibel für eine Kinderbetreuung sorgt. Das Unternehmen übernimmt die Kosten von 17,50 Euro pro Stunde. Die Kinder werden im Eventraum der Firma betreut. Laut dem Bund der Steuerzahler sind diese Kosten für Unternehmen sogar absetzbar: Der Arbeitgeber kann  Kosten bis zu 600 Euro je Arbeitnehmer und Jahr steuer- und sozialabgabenfrei übernehmen. 

 

Welche Rechte haben Arbeitnehmer während eines Streiks?

Grundsätzlich müssen Unternehmen den Ausfall eines Arbeitnehmers wegen eines Kita-Streiks weder hinnehmen noch finanzieren. Wer also nicht zur Arbeit kommen kann, weil er wegen des Kita-Streiks seine Kinder betreuen muss, ist verpflichtet Urlaub zu nehmen oder muss für die Dauer des Streiks und die Tage, die er nicht arbeitet, auf seinen Lohn verzichten. Kann aus dringenden betrieblichen Gründen der Urlaub nicht genehmigt werden, sind berufstätige Eltern verpflichtet, eine Kinderbetreuung selbst zu organisieren. 

Wenn jedoch alle Stränge reißen und der Arbeitnehmer keine Möglichkeit findet, sein Kind betreuen zu lassen, muss der Arbeitgeber die Freistellung genehmigen. Eine Abmahnung oder gar Kündigung riskiert der Arbeitnehmer nur, wenn er den Arbeitgeber nicht rechtzeitig über sein Fernbleiben informiert. Im Falle eines Streiks sollten Eltern also so schnell wie möglich das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. 

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