UmweltschutzKlima gerettet dank Corona? Davor warnen Experten jetzt!

Weil die ganze Welt durch die Corona-Krise stillsteht, scheint sich unsere Umwelt zu erholen. Doch dieser Eindruck ist trügerisch, warnen Experten.

Steigende Infektionszahlen, immer mehr Todesfälle und der drohende Kollaps der Gesundheitssysteme. Das ist die eine Seite der Corona-Krise. Auf der anderen Seite werden durch den Stillstand der Gesellschaft weltweit „positive“ Effekte auf das Klima sichtbar.

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Rückgang der Emissionen durch Coronakrise

Denn: Seit dem Ausbruch der Pandemie ist der Flugverkehr drastisch gesunken. Auch die Autobahnen sind leer und die Fabriken geschlossen. Das alles hat Auswirkungen auf die Umwelt. Satellitenmessungen der NASA zeigen einen deutlichen Rückgang der Emission in China, wo das Virus Ende vergangenen Jahres seinen Anfang nahm. In Venedig wird das Wasser durch die Corona-Quarantäne der Stadt klarer.

Satellitenbilder der Europäischen Weltraumorganisation zeigen zudem einen Rückgang der Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) in Europa, zum Beispiel in Mailand und Barcelona. Die Luftschadstoffe sind hauptsächlich in Autoabgasen enthalten, entstehen aber auch durch die Produktion der Industrie. Es scheint also, als könne das Coronavirus trotz seiner schrecklichen Auswirkungen zumindest für den Klimawandel von Vorteil sein. Oder etwa doch nicht?

 

Corona-Krise könnte Gefahr für Klimaschutz darstellen

Experten warnen, dass das Coronavirus als Klimaretter nicht taugen wird. Der Grund: Weltweite Krisen, wie zum Beispiel die Finanzkrise 2007, haben gezeigt, dass nach der Krise wieder ein deutlicher Anstieg der Emission zu verzeichnen ist. Die vorherigen Effekte werden damit also nichtig gemacht. "Wenn man sich die Wirtschaftskrisen ansieht, dann kam es nach den Einbrüchen mit niedrigen Emissionen danach zu einem noch stärkeren Anziehen der Konjunktur und höheren Emissionen“, so der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner im Interview mit „Spiegel Online“. Konkret heißt das: Sobald die Wirtschaft wieder an Schwung gewinnt, wird am Anfang mehr produziert als vorher, um den Rückgang aufzuholen. Das hat allerdings zur Folge, dass auch mehr Treibhausgase ausgestoßen werden.

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Nach Einschätzung der Denkfabrik Agora Energiewende wird Deutschland durch die Coronakrise aber sein Klimaschutzziel 2020 erreichen. Statt den angestrebten 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 könnte das Land sogar auf 45 Prozent kommen.

Auf langfristige Sicht befürchten Experten allerdings, dass das Virus negative Folgen für das Klima haben könnte. Angesichts der Krise und deren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft könnte das Thema Klimaschutz in der Politik unter den Tisch fallen. Vor der Ausbreitung des Coronavirus stand der Klimawandel dagegen ganz oben auf der Agenda der Politiker.

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