"Zu spät"Klimawandel: Arktis trotz Corona-Pause nicht mehr zu retten

Während sich die Natur dank der Corona-Pandemie vielerorts erholt, erreichen uns düstere Neuigkeiten aus der Arktis: Das Eis am Nordpol wird selbst bei maximalem Klimaschutz phasenweise immer wieder schmelzen. "Es ist zu spät", sagen Forscher der Universität Hamburg.

"Mir ist kein anderer Großschauplatz des Klimawandels bekannt, wo man sagen muss: Es ist zu spät, das kriegen wir nicht mehr in den Griff." 
Mit diesen überdeutlichen Worten zieht Dirk Notz im Interview mit dem "Spiegel" eine bittere Bilanz. Der Forscher von der Universität Hamburg leitete in den vergangenen Monaten akribische Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass die Eisschmelze am Nordpol unabhängig vom Klimaschutz nicht mehr aufzuhalten ist. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die Natur aufgrund der Corona-Pandemie vielerorts erholt. 

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40 Klimamodelle, ein düsteres Ergebnis 

Für die Übersichtsstudie, die am 17. April im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" veröffentlicht wurde, wertete das Team um Dirk Notz die Ergebnisse von 40 aktuellen Klimamodellen des Typs CMIP6 (Coupled Model Intercomparison Project Phase 6) aus. 
Das "Coupled Model Intercomparison Project" ist ein internationales Projekt, für das Klimaforscher weltweit Daten sammeln, auswerten und ihren Kollegen zur Verfügung stellen. So sollen "vergangene, gegenwärtige und zukünftige Klimaänderungen" besser verstanden werden, wie das Max-Planck-Institut betont. 

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Eisfreie Sommer am Nordpol

In den von Dirk Notz und seinem Team betrachteten Klimamodellen wurden unterschiedliche Szenarien durchgerechnet: Was geschieht mit dem Polareis, wenn der Ausstoß der Treibhausgase so bleibt wie bisher? Was passiert, wenn die Umweltverschmutzung weiter ansteigt? Und was bei maximalem Klimaschutz?

Das traurige Ergebnis: Selbst, wenn die Weltbevölkerung – aus welchen Gründen auch immer – ab sofort 100 Prozent in den Klimaschutz investiert, wird es immer wieder eisfreie Zeiten am Nordpol geben. 
Genauer gesagt errechneten die Simulationen einen wiederkehrenden eisfreien September. Zwar hat das Arktiseis in diesem Monat traditionell seine niedrigste Ausdehnung. Eisfreie Wochen gibt es bisher aber nicht. 

Bleiben die ausgestoßenen Treibhausgase auf dem Stand von heute, soll es in circa 25 Jahren schon einen eisfreien Sommer am Nordpol geben. "In 25 Jahren wäre der Normalzustand, dass die Arktis im Sommer ohne Eis ist", verdeutlichte Dirk Notz die Dramatik gegenüber dem "Spiegel". 

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