Wegen PersonalmangelKriminalpolizisten in Hamburg: Über 5000 Straftaten können nicht verfolgt werden

Wegen Personalmangel steht die Hamburger Polizei erstmals vor tausenden unbearbeiteten Straftaten. Gewerkschaftschef Jan Reinecke warnt davor, dass die Bürger den Mangel spüren werden.

Die Hamburger Polizei ist schon länger mit einer Liste von Herausforderungen konfrontiert: Einbrüche, die Folgen des G20-Gipfels, Auto-Poser und Terrorgefahr. Doch jetzt ist die Lage ernst, es fehlt an Beamten: "Wir sind am Ende ", sagt Jan Reinecke, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). "Die Situation lässt nicht mehr zu, die Kriminalität richtig zu bekämpfen. Das betrifft die Organisierte Kriminalität inzwischen ebenso wie Kapitalverbrechen. Der Zustand ist nicht tragbar." 

 

5000 Kriminalfälle bleiben liegen

Die Situation ist laut Reinecke vor allem im Betrugsdezernat sehr schwierig. "Jede Woche sind es 150 Fälle, die auf die Fensterbank wandern, statt sofort bearbeitet zu werden. Bis ein Beamter dazu kommt, die Fährte wieder aufzunehmen, hatten die Täter etwa beim Online-Betrug schon genügend Zeit, ihre Spuren zu verwischen", sagt Reinecke. Zudem habe es früher Wartelisten für Anwärter auf eine Mordkommsionsstelle oder in der Abteilung für Sexualstraftaten gegeben. "Heute will da keiner mehr hin", so Landeschef Jan Reinecke. 

Kriminalpolizisten in Hamburg: Über 5000 Straftaten können nicht verfolgt werden
In Hamburg mangelt es an Polizisten. Aber auch deutschlandweit fehlt es an Beamten.
Foto: iStock

Laut Polizeipräsident Ralf Martin Meyer besteht allerdings die niedrigste Gesamtkriminalität in Hamburg seit 18 Jahren. Doch Reinecke entgegnet dem: "Wie viele Straftaten registriert werden, hängt auch davon ab, wie stark die Polizei das Dunkelfeld ausleuchtet". Und genau da fehle an Personal. "Das bedeutet, dass die Bürger den Mangel absehbar noch deutlicher spüren werden". Daher fordert Gewerkschaftschef Jan Reinecke mehr Polizisten und eine klare Ansage der Prioritäten: "Wir müssen wissen, welche Bereiche wir vernachlässigen sollen, wenn es immer neue Prioritäten gibt."

 

Deutschlandweit fehlt es an Staatsanwälten, Richtern und Polizisten

Bereits im August 2017 warnte der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes (DRB), Jens Gnisa, vor akutem Polizei- und Justizmangel in den nächsten Jahren. „Die schon heute sehr angespannte Situation wird sich in den kommenden zehn bis 15 Jahren noch verschärfen, denn auf die deutsche Justiz rollt eine gewaltige Pensionierungswelle zu.“ Zudem gebe es immer weniger Nachwuchsjuristen. 

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