Bildung„LDS“-Methode verbieten? Kinder können keine Rechtschreibung mehr

Es ist ein wahrer Kampf um die „LDS“-Methode. Besonders nach der Studie, in welcher die Fibel-Methode besser abgeschnitten hat als die „Lesen durch Schreiben“-Methode, entbrennt ein regelrechter Kampf über die optimalen Unterrichtsmethoden für den Schriftspracherwerb von Grundschülern.

Inhalt
  1. Bundesweites Verbot stößt auf Kritik
  2. Kultusministerinnen und -minister sind unterschiedlicher Meinungen
  3. "LDS" in Reinform oder Mischform?

Sie ist Auslöser einer langjährigen Debatte: eine Studie zur Überprüfung der Fibel- und der „LDS“-Methode. Hierbei schnitt die Fibel-Methode deutlich besser ab. Bei der Fibel-Methode erlernen die Schüler Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben. Bei der „LDS“-Methode handelt es sich jedoch um das freie Schreiben. Deswegen wird die Methode auch als „Schreiben nach Gehör“ bezeichnet. So schreiben die Schüler, wie sie hören, beispielsweis „Kint“ statt „Kind“ und „Fata“ statt „Vater“. Doch wo wird die „LDS“-Methode eigentlich unterrichtet?

 

Bundesweites Verbot stößt auf Kritik

Germanisten Professor Wolfgang Steinigs Untersuchung ergab, das lediglich an drei Prozent der Grundschulen in Deutschland die „LDS“-Methode unterrichtet wird. Trotzdem fordert der Präsident des Deutschen Lehrverbandes, Heinz-Peter Meidinger, angesichts der Untersuchungen ein bundesweites Verbot der Methode. Kritik wird laut.

„Indem Herr Meidinger die Ergebnisse der Studie der Universität Bonn unreflektiert zum Anlass nimmt, die Schreiblermethode ‚Lesen durch Schreiben‘ grundsätzlich zu verdammen, diskreditiert er die Arbeit vieler Grundschullehrkräfte“, erklärt Udo Beckmann laut dem Portal „news4teachers.de“. Er ist der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung. Er hält die Übertragung der Ergebnisse auf die praktische Arbeit der Grundschulen als unseriös.

Schreiben nach Gehör: Mutter kritisiert Lehrmethoden an Grundschulen

 

Kultusministerinnen und -minister sind unterschiedlicher Meinungen

Auch die Kultusministerinnen und -minister der einzelnen Bundesländer scheinen mit der Studie und dem Verbotsvorschlag von Heinz-Peter Meininger nicht einverstanden zu sein – zumindest nicht alle. „Wir schreiben unseren Lehrerinnen und Lehrern nicht vor, nach welchen Methoden sie zu unterrichten haben“, sagt Birgit Hesse (SPD) der „Bild“. Sie ist Kultusministerin in Mecklenburg-Vorpommern. Hier kommt die Methode in nur zwei Prozent der Grundschulen zum Einsatz. In Sachsen-Anhalt wird „LDS“ an vier Prozent der Grundschulen in Reinform unterrichtet, in Rheinland-Pfalz nur an einem Prozent der Schulen. In Nordrhein-Westfalen hingegen wird die Methode nur in der 1. Klasse genutzt.

 

"LDS" in Reinform oder Mischform?

Meist wird die „LDS“-Methode nicht in Reinform unterrichtet, sondern als Ergänzung zu anderen Methoden. In Sachsen, Berlin, Niedersachsen und im Saarland wird die „LDS“-Methode beispielsweise nur in Mischform mit anderen Methoden unterrichtet. Konsequenter geht man hingegen Baden-Württemberg gegen die Methode vor. Hier ist sie seit 2016 verboten, in Hamburg seit 2014. Schleswig-Holstein zieht seit diesem Schuljahr nach, genauso wie Brandenburg. Hier wird die Methode ab dem kommenden Schuljahr (2019/2020) verboten. Über Verbote denkt man in Bayern, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorkommern und Thüringen nicht nach. Hier ist die „LDS“-Methode entweder erlaubt, wird aber kaum angewendet, oder sie wird überhaupt nicht gelehrt. In den Bundesländern, wo sie angewendet wird, will man erstmal abwarten, ob sich die Ergebnisse der Studie bestätigen. Erst dann wollen die Kultusministerinnen und -minister handeln.

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