DebatteLindy West fordert: Müssen offen über Abtreibungen sprechen

Abtreibungen sind ein Tabu. Doch immer mehr Frauen wollen nicht mehr verschweigen, warum sie abgetrieben haben. Eine Betroffene erklärt, warum.

Abtreibungen sind ein heftig umstrittenes Thema. Doch immer mehr Frauen wollen ihre Erfahrungen mit Abtreibungen nicht mehr verschweigen.
Abtreibungen sind ein heftig umstrittenes Thema. Doch immer mehr Frauen wollen ihre Erfahrungen mit Abtreibungen nicht mehr verschweigen.
Foto: iStock

 

Schriftstellerin Lindy West: „Meine Abtreibung war einfach und schmerzlos“

Eine Abtreibung ist nie schön. Eine Abtreibung bedeutet das Ende eines Lebens, bevor es überhaupt richtig beginnen konnte. Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Frauen sich für eine Abtreibung entscheiden. Doch welcher Grund auch immer eine Frau dazu bringt, sich gegen ihr Baby zu entscheiden, die allermeisten der betroffenen Frauen leiden jahrelang, wenn nicht ein ganzes Leben unter den Folgen ihrer Entscheidung.

Quälende Selbstzweifel und Stigmatisierung durch die Gesellschaft, die per se Abtreibungen eher verurteilt, sind nach dem Schwangerschaftsabbruch die üblichen Konsequenzen. Das muss aufhören, findet die australische Schriftstellerin Lindy West.

Darum hat Lindy West beschlossen, ganz offen über ihre eigene Abtreibung zu sprechen. Gegenüber dem australischen Magazin Mamamia erklärte sie: „Ich habe nie viel über Abtreibungen geschrieben. Ich bin mir nicht sicher, warum. Doch eines Tages kam ich mit einer lieben Freundin von mir auf das Thema zu sprechen und wir stellten fest, dass wir beide Abtreibungen gehabt hatten, aber nie darüber gesprochen hatten.

Die beiden Frauen kamen zu dem Schluss, dass sie sich dem stillen Anti-Abtreibungs-Stigma gebeugt hatten, das in den meisten Gesellschaften gilt.

 

Wir wollen das Anti-Abtreibungs-Stigma brechen!

Wir schwiegen, als wären wir davon überzeugt, dass Abtreibungen verpönt sein sollten. Doch das sind wir nicht. Wir wollten das Wort nicht mehr allein den Abtreibungs-Gegnern überlassen, die das Stigma immerzu verstärken. Also beschlossen wir, über unsere Abtreibungen und unsere Gründe dafür zu sprechen.“

Es war der Beginn einer starken Bewegung im Netz. Immer mehr Frauen berichten unter dem Hashtag #ShoutYourAbortion von ihren Erfahrungen mit einem Schwangerschaftsabbruch.

Lindy West selbst erzählt: „Ich war 25, als ich eine Abtreibung hatte. Ich war zu jung, nicht bereit, eine Mutter zu werden, und mit jemandem zusammen, den ich nicht für immer in meinem Leben haben wollte.“

„Also ging ich und ließ eine Abtreibung vornehmen. Es war sehr einfach und überhaupt nicht schmerzhaft. Ich war nicht traumatisiert, stattdessen fühlte ich mich nachher erlöst. Diese Abtreibungsgeschichten hört man selten.“

Video: So schwer kann die Entscheidung über eine Abtreibung sein

 

Lindy West ist davon überzeugt, dass Abtreibungsgegner ihre Augen vor einer Realität verschließen, in der sehr viele Frauen sich für Abtreibungen entscheiden, allerdings nie darüber sprechen.

„Die Wahrheit ist, dass Abtreibungen normal geworden sind, ein gewöhnlicher, notwendiger medizinischer Eingriff. Statistisch gesehen kennt jeder Abtreibungs-Gegner mindestens eine Frau, die eine Abtreibung gehabt hat. Sie glauben, sie leben in einer Gesellschaft, in der niemand abtreiben lässt, weil es böse ist, doch in Wirklichkeit kennt jeder von den Kritikern jemanden, der es getan hat und eines Tages werden vielleicht auch sie selbst diese Möglichkeit brauchen, ihr Leben so zu definieren, wie sie es wollen.“

Für Deutschland berichtet das Statistische Bundesamt: "Im Jahr 2016 wurden rund 98.700 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nahm 2016 gegenüber dem Vorjahr um 0,5 % ab. 96 % der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren in 4 % der Fälle die Begründung für den Abbruch."

Lindy West wünscht sich eine Welt, in der Abtreibungen nicht mehr verurteilt werden und stattdessen jede Frau den Zugang zu legal möglichen Abtreibungen erhält und damit die Macht, selbst zu entscheiden, wie ihr Leben und ihre Zukunft aussehen sollen. „Und die einzige Möglichkeit, wie wir das erreichen können, ist offen über unsere Erfahrungen mit Abtreibungen zu sprechen.“

Eine Ansicht, die sicherlich weltweit kontrovers diskutiert werden wird.

Wie denkst du darüber? Stimme ab und lass uns wissen, ob auch du findest, dass Frauen offener über ihre Erfahrungen mit Abtreibungen sprechen sollten:

 

Mehr zum Thema:

Keine Abtreibungen mehr! Chefarzt verweigert Schwangerschaftsabbrüche

Schwangerschaft verhindern: So wirkt die Pille danach

Die Mutterglücklüge: "Warum ich es bereue, ein Kind bekommen zu haben"

Willst du aktuelle News von Wunderweib auf dein Handy bekommen? Dann trag' dich schnell in unserem WhatsApp-Newsletter ein!

Kategorien: