Ifo-InstitutLockdown-Studie: So wenig lernen Kinder während der Pandemie

Kinder lernen laut einer Ifo-Studie auch im zweiten Lockdown mit durchschnittlich drei Stunden am Tag zu wenig.  

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Inhalt
  1. Kinder gucken mehr TV als in die Schulbücher
  2. Unterschiede zwischen den Bildungsschichten
  3. Kritik an der Politik

Schülerinnen und Schüler lernen auch im zweiten Lockdown zu wenig. Aus einer Befragung des Ifo-Instituts mit 2122 Eltern geht hervor, dass ihre Kinder im Schnitt nur 4,3  Stunden pro Tag mit Schulinhalten verbracht haben. Unterschiede gibt es in den sozialen Schichten.

 

Kinder gucken mehr TV als in die Schulbücher

Zwar lernten Kinder im ersten Lockdown 45 Minuten weniger als im zweiten. Doch wie das Münchner Forschungsinstitut berichtet, lag die Lernzeit vor Corona bei 7,4 Stunden pro Tag. Und: Über 4,5 Stunden verbringen die Schülerinnen und Schüler dafür jeden Tag mit Fernsehen, Computerspielen und dem Handy - also mehr Zeit, als mit Lerninhalten. Wie die Ifo berichtet, konnten die Bildungslücken während des Homeschooling und dem reduzierten Präsenzunterricht trotz politischer Maßnahmen nicht ausgeglichen werden. 

"Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben", erklärte der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. "Die Coronakrise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder."

Lockdown-Studie: So wenig lernen Kinder während der Pandemie
Kinder lernen auch im zweiten Lockdown zu wenig.
Foto: iStock/Halfpoint
 

Unterschiede zwischen den Bildungsschichten

Unterschiede machten die Forscher zwischen den Bildungsschichten aus: Kinder von Nicht-Akademikereltern hätten demnach seltener Online-Unterricht und weniger individuellen Kontakt zu ihren Lehrern. Die Effektivität des Lernens zu Hause wird für leistungsschwächere Kinder und Nicht-Akademikerkinder zudem als deutlich geringer eingeschätzt. Einzig bei den Lernzeiten unterscheiden sich beide Gruppen nicht wesentlich voneinander.

 

Kritik an der Politik

Die Ifo-Untersuchung wertet die bildungspolitischen Maßnahmen als schlecht: "Den zuständigen Akteuren ist es also auch mit langer Vorlaufzeit und nach eindringlichen Appellen von Eltern und Wissenschaft nicht gelungen, Distanzunterrichtskonzepte zu etablieren, die eine angemessene Beschulung aller Kinder und Jugendlichen sicherstellen." Die Wissenschaftler fordern daher spezifische Konzepte (auch für lernschwache Schülerinnen und Schüler), die nicht den Lehrern oder Schulen überlassen werden sollte.

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