ForschungMacht die Hitze uns aggressiv?

Draußen ist es heiß, man schwitzt, deswegen kommt vielleicht sogar schlechte Laune auf. Der Super-Sommer hat seine Vor- und Nachteile. Wem aber die schlechtgelaunten Passanten oder die drängelnden Kunden in Supermärkten auffallen, der wird sich sicher fragen: Macht die Hitze uns aggressiv?

Schlechte Laune hat man immer mal. Aber wenn es draußen auch noch heiß ist, die Luft schwer wird und die Kleidung, die man gerade frisch angezogen hat, direkt wieder nassgeschwitzt ist, dann ist der Spaß einfach vorbei. Hitze ist anstrengend. Der Körper muss den eigenen Temperaturhaushalt regeln und leitet die Wärme über die Haut ab. Wir werden müde und die Konzentration lässt nach. Laut einer Studie des ADAC macht sich das häufig im Straßenverkehr bemerkbar. Die Studie von 2005 zeigt, dass von 12.000 Unfällen im Jahr jeder siebte schwere Unfall an Tagen mit Temperaturen über 25 Grad Celsius geschahen. Um weitere 22 Prozent stieg die Unfallquote, wenn die Temperaturen über 30 Grad Celsius kletterten. Und nicht nur im Straßenverkehr äußert sich die Hitze im aggressiven oder unaufmerksamen Verhalten.

 

Schwankungen rufen gewaltbereites Verhalten hervor

Ähnlich verhält es sich mit Polizisten, die laut Psychologe Craig Anderson von der Iowa State University bei hohen Temperaturen schneller schießen als bei niedrigen. Er nennt dieses Phänomen „heat hypothesis“. Bereits in den 1960er Jahren etablierte sich der Begriff „Long hot Summer Effect“, als mehr Meldungen als normalerweise über vermehrt gewaltbereites Handeln in den Zeitungen erschienen. Gleiches tritt auch in der Politik auf. Laut der Meta-Analyse aus 60 Studien von Edward Miguel von der University of California in Berkeley, ist die Wahrscheinlichkeit für globale Konflikte bei steigenden Temperaturen um 14 Prozent höher.

Weniger relevant scheinen die Temperaturen für die Länder um den Äquator zu haben. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie aus den Niederlanden und den USA, in der untersucht werden sollte, warum die Verbrecherquoten in der Nähe des Äquators so hoch sind, schien die Temperatur weniger Relevanz zu haben. Mehr waren die starken Klimaschwankungen dafür verantwortlich: „Das Klima formt das Leben der Menschen, es beeinflusst die Kultur auf eine Weise, wie wir es uns in unserem täglichen Leben nicht vorstellen können“, erklärt Brad Bushman, KO-Autor der Studie, schreibt Praxis Vita.  

Macht der Super-Sommer aggressiv?
So heiß war es schon lange nicht mehr. Aber schlägt die Hitze des Super-Sommers auf das Gemüt?
Foto: iStock
 

Wenn es noch heißer wird, nimmt die Gewaltbereitschaft wieder ab

In aufsehenerregenden Versuchen von den amerikanischen Forschern Robert Baron und Paul Bell, in welchem Versuchsteilnehmer Menschen einer anderen Gruppen Elektroschocks als Strafe verpassen konnten, stellte sich heraus, dass die Gewaltbereitschaft jedoch nicht immer zunimmt. Ab 30 Grad Celsius nimmt die Bereitschaft nämlich wieder ab. Dann scheinen die Menschen darüber nachzudenken, erklärt Andreas Zick der Apotheken Umschau, Professor vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld.

Wichtig bleibt es jedoch einen kühlen Kopf zu bewahren. Viel Trinken ist ebenso wichtig, wie die Ruhe zu wahren. Beizeiten kann es auch helfen, die Stirn zu kühlen, sagt Zick der Apotheken Umschau. Ansonsten helfe, laut Praxis Vita, auch einfach alles langsamer als bei normalen Temperaturen angehen zu lassen und die Klimaanlage, sollte es eine geben, vor Feierabend etwas weniger kühl zu stellen, damit der Temperaturunterschied, wenn man das Büro verlässt, nicht allzu hoch ist. Das könnte nämlich wieder anstrengend werden.

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