Mutter-Tochter-BeziehungMamma Mia – Das Buch über Mütter und Töchter von Karin Dietl-Wichmann

„Mamma Mia – Das Buch über Mütter und Töchter“ heißt das neue Buch von Karin Dietl-Wichmann. Hier schreibt sie über persönliche Erfahrungen als Tochter und als Mutter, räumt mit Vorurteilen über Mutter-Tochter-Beziehungen auf und gibt Tipps für andere Mütter und Töchter. Im Interview mit Wunderweib verrät sie, warum sie das Buch geschrieben hat und was sie sich von ihren Leserinnen wünscht.

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist fast immer ein sehr besonderes – und gleichzeitig selten ein ganz einfaches. Ähnlichkeiten und Unterschiede, hohe Erwartungen und tiefe Gefühle prallen hier aufeinander. Karin Dietl-Wichmann, die als Journalistin immer Beruf und Muttersein miteinander vereinbaren musste, hatte selbst eine komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter und ein nicht immer einfaches Verhältnis zu ihrer Tochter. Sie schreibt jedoch nicht nur von Konflikten, sondern vor allem davon, wie wichtig es ist, Konflikte offen auszutragen.

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Karin Dietl-Wichmann im Interview

Warum haben Sie dieses Buch geschrieben? Gab es ein Erlebnis, das Sie motiviert hat?

Nein, es gab kein Erlebnis, sondern ich bin Mutter, ich hatte eine Mutter und ich habe Freundinnen, die Schwierigkeiten mit ihren Töchtern haben. So kam ich auf die Mutter-Tochter-Geschichte.

Sie stellen schon im Vorwort die Frage „Können es Mütter denn nie recht machen?“ – was glauben Sie, warum wollen gerade Mütter es immer allen recht machen?

Die Mütter, die ich aus meinem Freundeskreis kenne, die möchten den Kindern nicht alles recht machen. Ich glaube, wenn jemand es allen recht machen will, dann mag er keine Konfrontationen. Und die sind nun einmal angebracht und darauf haben Kinder auch ein Recht.

Hatten Sie das Gefühl, als Mutter auch etwas aufgeben zu müssen?

Nein, nie! Ich wollte dieses Kind bekommen. Gleichzeitig musste ich Geld verdienen und als Mutter da sein. Ich hatte nie das Gefühl etwas aufzugeben. Ich denke nicht, dass man etwas aufgibt, wenn man ein Kind bekommt. Ich habe mich auf mein Kind gefreut, das war wunderbar. Ich war Alleinverdienerin, der Vater des Kindes stand am Anfang seiner Karriere, aber ich empfand es nicht als schwierig, ich habe halt einen Zahn zugelegt. Das war für mich nicht belastend. Da konnte ich mich ja neun Monate drauf vorbereiten.

Gleichzeitig Mutter und Alleinverdienerin zu sein klingt aber schon schwer…

Ich empfand es nicht als so schwer. Als freiberufliche Journalistin, die ich damals ja war, war vieles mühselig. Das kommt auf die eigene Einstellung an: Was ist schwer? Und wenn man ein Kind bekommt, weiß man, dass da ein neues Lebewesen ist, um das man sich kümmern muss.

Lohnt sich ein Kind? Eine Abwägung

Inwieweit unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Erwartungen an Mütter und an Väter?

Ich kann nur aus meinem persönlichen Umfeld und aus dem, was ich recherchiert habe, sagen: Die sind immer gleich. Kinder erwarten, dass Mütter wie Väter sich um sie kümmern und sie mögen nicht gegängelt werden – früher wie heute nicht. Kinder gehen heutzutage vielleicht früher aus dem Haus, weil die Kommunikationsmöglichkeiten im Vergleich zu früher heute stärker sind. Kinder können ihre Meinung durch die Medien, über Facebook usw., früher bilden und mehr in Kontakt mit anderen Kindern treten.

Denken Sie, dass Eltern durch die mediale Überflutung, der Kinder heutzutage ausgesetzt sind, an Einfluss verloren haben?

Ja, sicher, weil früher sind die Kinder vielleicht zur Großmutter gegangen, wenn sie mit ihren Müttern oder Vätern nicht zurechtkamen oder sie sind zu Freunden gegangen, aber heute können sie sich ja ganz woanders Rat holen. Aber das muss nicht immer schlecht sein.

Mamma Mia - Das Buch über Mütter und Töchter von Karin Dietl-Wichmann.
Foto: teNeues

Haben Sie einen Tipp für Eltern, die bemerken, dass sich ihre Kinder mehr durch Medien beeinflussen lassen als durch sie selbst?

Ja, die Mütter und Väter sollten immer versuchen, im Gespräch mit ihren Kindern zu bleiben – trotz der Medien. Sie sollten nicht alles verbieten, sondern den Kontakt aufrecht halten. Das finde ich enorm wichtig.

Sie plädieren für mehr Kommunikation zwischen Müttern und Töchtern: Wie kann das ihrer Meinung nach gelingen?

Indem man offen und ehrlich ist!

In „Mamma Mia“ sprechen Sie auch davon, dass man als Mutter eine zweite Wahrheit neben der eigenen annehmen können muss…

Ja, auch wenn man eigentlich sagt, nein, so ist es nicht! Man sollte als Elternteil erstmal erfragen und drüber nachdenken, warum sagt mein Kind das? Warum und was ist der Ausgangspunkt davon? Man muss nachfragen, nicht einfach sagen, nein, so ist es nicht! Erst dann kann man versuchen, eine adäquate Antwort zu finden.

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Sie sehen die Symbiose aus Mutter und bester Freundin kritisch: Warum sollten Mütter nicht versuchen, die Rolle einer besten Freundin auszufüllen?

Ich denke das ist unmöglich. Ich kann nicht als Mutter die beste Freundin sein, weil ich als Mutter andere Interessen hab als die beste Freundin. Und ich erzähle meiner Mutter ja auch nicht, was ich meiner besten Freundin erzähle. Der besten Freundin erzählt man alles über Hoffnungen und Wünsche und beispielsweise den Kontakt mit Jungs – und das würde ich doch nicht mit meiner Mutter besprechen. Da stoßen ja völlig unterschiedliche Interessen aufeinander. Zu der Aussage „Meine Mutter ist meine beste Freundin“ gibt es auch Untersuchungen, die belegen, dass das so nicht wahr ist.

In ihrem Buch haben Sie viele Geschichten verschiedener Menschen niedergeschrieben. Sind das alles Geschichten, die Ihnen einfach begegnet sind oder haben sie gezielt recherchiert und gesammelt?

Letzteres. Die haben sich mir nicht aufgedrängt, die habe ich gesucht. Das waren lange Bemühungen, auch, weil man das nicht findet, wenn man in die Nachbarschaft geht – die Leute wollen über so etwas eigentlich gar nicht sprechen.

Ist es den Müttern, mit denen Sie gesprochen haben, leicht gefallen darüber zu sprechen, dass sie Probleme mit ihren Töchtern haben?

Nein, das ist den Müttern nicht leichtgefallen. Als Journalistin musste ich einen Vertrauens-Bonus erreichen, damit mir diese Dinge erzählt werden. Mir ist nie jemand auf das Tablett gesprungen, um etwas zu erzählen.

Was wünschen Sie sich: Was sollen Mütter und Töchter, die ihr Buch lesen, aus der Lektüre mitnehmen?

Miteinander zu reden! Bei Problemen oder Unstimmigkeiten nicht zu verstummen, sondern immer miteinander zu reden.

 

"Mamma Mia - Das Buch über Mütter und Töchter"* von Karin Dietl-Wichmann erschien am 12. September 2018 bei teNeues und kostet 19,99 Euro.

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