Wenn Kinder die Wahrheit verdrehenMein Kind lügt: Was kann ich dagegen tun?

Der kleine Bruder hat die Schokolade aufgegessen, das Milchglas hat der Wind umgestoßen - irgendwann fangen die meisten Kinder an, die Wahrheit zu verdrehen. Doch was tun, wenn das eigene Kind lügt? 

Inhalt
  1. Fantasie und Wirklichkeit vermischen miteinander
  2. Warum lügen Kinder?
  3. Vorwürfe und Bestrafung sind fehl am Platz
  4. Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen

Gerade jüngere Kinder sind für ihre schonungslose Ehrlichkeit bekannt, doch früher oder später fangen sie an ihren Eltern kleine Schwindeleien aufzutischen, verdrehen die Wahrheit und erzählen Geschichten, die gar nicht angehen können. Nicht selten reagieren Eltern verunsichert, manchmal sogar verärgert oder verletzt. Doch das ist nicht unbedingt gleich Grund zur Sorge, sondern das Spiel mit der Wahrheit ist Teil der kindlichen Entwicklung. 

 

Fantasie und Wirklichkeit vermischen miteinander

Bei den meisten Kindern vermischen sich Wirklichkeit und Fantasie im Alter von zwei bis drei Jahren. Sie erzählen Dinge, die gar nicht sein können, erfinden Geschichten. In diesem Alter ist den Kindern jedoch gar nicht bewusst, dass sie lügen. Erst mit etwa vier bis fünf Jahren können Kinder zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden - auch bei den Dingen, die ihre Eltern ihnen erzählen. Jetzt wird deutlich häufiger nachgefragt.

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Und lügen oder flunkern setzt strategisches Denken voraus, ist also auch ein Zeichen von Intelligenz. Außerdem muss das Gewissen soweit ausgebildet sein, dass das Kind situationsabhängig entscheiden kann, was richtig und falsch ist. 

 

Warum lügen Kinder?

Gerade jüngere Kinder wollen und müssen ihre Grenzen austesten. Schließlich macht es ja auch Spaß, sich Gesichten auszudenken und herauszufinden, ob Mama und Papa die für bare Münze nehmen. Und solche Flunkereien sind laut Erziehungsexperten auch harmlos. 

Lügen dagegen ist weitaus komplexer. Oft steckt hinter der Lüge eines Kindes aber meist die Angst, ausgeschimpft oder gar bestraft zu werden. Geht zum Beispiel ein Spielzeug zu Bruch, ist oft ein anderes Kind schuld. Auch Erfolgsdruck und Überforderung führen zu Lügen. Hat das Kind Angst, den Erwartungen der Eltern nicht gerecht zu werden, fängt es möglicherweise an, Erfolge zu erfinden oder Leistungen zu verbessern. 

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Loyalität ist für viele Kinder ebenfalls ein Grund zu lügen. Schließlich würden sie nie den besten Freund verraten, der gerade versehentlich beim Spielen die Lieblingsvase von Mama kaputtgemacht hat. Auch den eigenen Eltern gegenüber sind die meisten Kinder bedingslos loyal. Hat Papa zum Beispiel aufs Sofa gekleckert, wird das Mama natürlich nicht sofort verraten.

Scham kann auch ein Motivator zum Lügen sein. Schämt sich das Kind etwa für die Armut der Eltern, prahlt es zum Beispiel mit Spielsachen, die sich die Familie eigentlich gar nicht leisten kann. 

 

Vorwürfe und Bestrafung sind fehl am Platz

Bestrafung und Vorwürfe sollten niemals die Antwort aufs Lügen sein, das bewirkt nur, dass das Kind beim nächsten Mal wieder die Wahrheit verdreht oder gar ganz schweigt. Viel wichtiger ist es, den Grund für die Lüge herauszufinden und das gelingt am besten mit einem einfühlsamen Gespräch. Lautet die Antwort auf die Frage: "Warum hast du nicht gleich die Wahrheit gesagt?", dass sich das Kind nicht getraut hat, sollten Eltern ihre Herangehensweise hinterfragen und dem Kind Mut machen und versichern, dass es immer alles erzählen kann. 

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Auch sollten Eltern den Grund für die Lüge hinterfragen: "Was hast du davon gehabt, dass du diese Gesichte erzählt hast?" Denn so gehen sie nicht nur dem Kern der Lüge auf den Grund, sondern das Kind kann so besser zwischen Realität und Fantasie unterscheiden und versteht gleichzeitig, welche Auswirkung Lügen haben kann. 

 

Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen

Natürlich wünschen wir Eltern uns, dass unsere Kinder immer offen und ehrlich zu uns sind, aber das müssen wir selbst auch vorleben. Nur wenn wir authentisch und aufrichtig sind, gucken sich unsere Kinder das ab. Neigen wir selbst ständig zu Übertreibung und verdrehen die Wahrheit zu unseren Gunsten, schaut sich das Kind das ab. 

Lügt ein Kind jedoch ständig und lässt sich auch durch Gespräche mit den Eltern nicht belehren, kann professionelle Hilfe ratsam sein. Psychologen oder Familienberatungsstellen können an dieser Stelle weiterhelfen und unterstützen, um aus dem Teufelskreis auszubrechen, bevor es zu ernsthaften Problemen kommt. 

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