SchicksalMelissa Ohden: Frau überlebte ihre eigene Abtreibung - und lernte ihre Mutter nach 38 Jahren kennen

Inhalt
  1. Melissa überlebte die Salzabtreibung 
  2. Melissa wusste erst mit 14 Jahren von ihrer Abtreibung
  3. Nach 38 Jahren lernte Melissa ihre Mutter kennen

Die Amerikanerin Melissa Ohden sollte abgetrieben werden. Doch nach dem Schwangerschaftsabbruch im achten Monat rettete ihr eine Krankenschwester das Leben. 

Melissa wurde im August 1977 im US-Bundesstaat Iowa geboren. Doch eigentlich sollte die heute 40-Jährige gar nicht leben. Ihre Mutter ließ ihre Tochter kurz vor der Geburt im achten Monat abtreiben. Die damals 19-Jährige studierte und war verlobt. Sie bemerkte ihre Schwangerschaft, bedingt durch Sport und einer unregelmäßigen Periode, erst nach über 20 Wochen und wollte das Kind bekommen. Doch ihre Mutter, Melissas Oma, war mit der Beziehung zu ihrem Verlobten nicht einverstanden und drang sie dazu, das Kind abtreiben zu lassen. Da sie als Krankenschwester arbeitete, organisierte sie selbst eine Salzabtreibung ihrer eigenen Enkelin. 

Melissa Ohden: Frau überlebte ihre eigene Abtreibung - und lernte ihre Mutter nach 36 Jahren kenneniStock

 

Melissa überlebte die Salzabtreibung 

Eine Salzabtreibung, die früher bei späteren Schwangerschaften durchgeführt wurde, ist äußerst brutal: Das Fruchtwasser wird punktiert und abgelassen. Eine hochkonzentrierte Salzlösung wird stattdessen gespritzt. Das Baby schluckt die Flüssigkeit und verbrennt quasi von Innen, es verätzt regelrecht innerhalb von 24 Stunden

Melissa Mutter gebar schließlich das totgeglaubte Baby und verließ das Krankenhaus. Doch eine Krankenschwester sah, dass Melissa sich noch bewegte und die Abtreibung fehlgeschlagen ist. Sie brachte das Baby auf die neonatologische Station. „Ich habe die Frau, die mich auf die Neonatologie gebracht hat, nie getroffen, aber sie ist ein Engel. Ich verdanke ihr mein Leben“, sagt Melissa. "Sie erkannte, dass ich es wert war, zu leben." 

Nach drei Monaten Behandlung kam Melissa zu Pflegeeltern. Die Ärzte sagten Linda und Ron Cross, dass ihre Adoptivtochter vermutlich Entwicklungs-, Seh-, und Gehörstörungen durch die Abtreibung haben würde - doch Melissa war schließlich mit fünf Jahren kerngesund. 

 

Melissa wusste erst mit 14 Jahren von ihrer Abtreibung

Erst im Alter von 14 Jahren erfuhr Melissa, dass ihre Mutter sie einst abtreiben ließ. "Ich war wütend, schämte mich, fühlte mich sogar schuldig", erzählt sie. Als Teenager versuchte sie ihr Trauma in Alkohol zu ertränken und erkrankte an Bulimie. Dann fing sie sich wieder, studierte und begann ihre eigene Geschichte zu recherchieren. Melissa machte ihren biologischen Vater ausfindig, schrieb ihm einen Brief. Doch er konnte nicht mehr antworten, er war bereits verstorben. 

 

Nach 38 Jahren lernte Melissa ihre Mutter kennen

Der Cousin von Melissas leiblicher Mutter suchte Kontakt zu ihr, erklärte ihr die damaligen Umstände und brachte Mutter und Tochter im Mai 2016 schließlich zusammen. Mit 36 Jahren traf Melissa, die mittlerweile verheiratet ist und zwei Kinder hat, auf ihre Mama. "Wir umarmten uns und weinten", sagt Melissa. "Ich habe meiner Mutter, meinem Vater und meiner Großmutter vergeben. Das macht das, was geschehen ist, nicht richtig, aber es befreit mich vom Schmerz. Wir sind alle Menschen und machen Fehler."

Melissa hat ihre Geschichte in einem Buch veröffentlicht und hat die gemeinnützige Organisation The Abortion Survivors Network gegründet, die Menschen mit dem gleichen Schicksal unterstützt. 

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