Wahre GeschichteMietvater: Mutter bezahlt Schauspieler um Vater ihrer Tochter zu spielen

"Ich habe einen Schauspieler engagiert, der meiner Tochter vorspielt, ihr Vater zu sein", gesteht eine Mutter aus Japan. Die Geschichte einer lebenslangen Lüge. 

Inhalt
  1. Einsamkeit und soziale Ausgrenzung sind nicht nur in Japan ein Problem
  2. Wenn aus bezahlter Zuneigung Liebe wird
  3. Leihväter gibt es auch in Deutschland

Es ist eine Geschichte, die auf den ersten Blick sprachlos macht. Eine Mutter aus Japan engagiert jahrelang einen Schauspieler, der ihrer Tochter vorspielt, ihr leiblicher Vater zu sein. Auch heute noch, wo das kleine Mädchen von damals längst zu einer jungen Frau herangewachsen ist, hält sie den Mann, den ihre Mutter bezahlt, um ihren Vater zu spielen, für ihren leiblichen Vater. Die erste Frage, die einem durch den Kopf schießt: Wie kann eine Mutter so etwas tun? Doch die Antwort ist nicht so einfach. 

Wie egoistisch muss eine Mutter sein, denkt man sofort. Doch sollte man die Umstände nicht außer Acht lassen, unter denen sich diese Geschichte ereignet hat. Die BBC hat im Jahr 2018 die Geschichte der Japanerin Asako (Name von der Redaktion geändert) zum ersten Mal veröffentlich. Sie und der Kindsvater haben sich kurz nach der Geburt ihrer Tochter Megumi getrennt. Eine Single-Mutter passt anscheinend nicht ins japanische Wertesystem. Das kleine Mädchen wurde in der Schule so schwer gemobbt und ausgegrenzt, dass ihre Mutter schließlich einen Schauspieler namens Yamada engagierte, um Megumis Vater zu spielen. Ihrer Tochter und dem Rest der Familie erzählte sie, die beiden hätten sich nach Jahren wieder versöhnt. 

 

Einsamkeit und soziale Ausgrenzung sind nicht nur in Japan ein Problem

Doch was treibt eine Mutter zu so einer Maßnahme? "Sie ist mein einziges Kind. Ihre Verzweiflung und Traurigkeit hat mir das Herz gebrochen", sagte die Mutter damals gegenüber der BBC. "Ich stellte mir die Frage: was passiert, wenn ich einen netten und einfühlsamen Mann treffe? Einen guten Vater? Würde sie sich dann besser fühlen?"

Zuerst suchte Asako im eigenen Umfeld nach einer Art Vaterfigur, fand jedoch niemanden, der ihr und ihrer Tochter helfen konnte. Eine Freundin schlug ihr vor, sich doch an eine Agentur zu wenden. In Japan ist es durchaus üblich sich als Single für eine Hochzeit oder Firmenfeier einen Freund zu "mieten". Also wendete sie sich mit ihrer Anfrage an die Agentur einer Bekannten. Fünf potenzielle Kandidaten wurden ihr als "Mietvater" vorgestellt. Ihrem Instinkt folgend traf sich Asako mit einem Kandidaten namens Yamada. "Er war mir sofort sympathisch", erzählt sie. "Er war süß und warmherzig, genau das, was ich mir vorgestellt hatte."

Yamada bekam den Job, für umgerechnet 80 Euro pro Treffen, wurde er plötzlich der Vater der kleinen Megumi. Das erste Treffen mit dem kleinen Mädchen diente der Vergangenheitsbewältigung. Yamada sollte sich bei seiner "Tochter" entschuldigen, dass er sie verlassen hatte. Es dauerte nicht lange und das kleine Mädchen hatte vergeben und vergessen. Es blühte auf, überglücklich endlich wieder ihren Vater in ihrem Leben zu haben.

 

Wenn aus bezahlter Zuneigung Liebe wird

Irgendwann verliebte sich Asako in Yamada. "Er ist schon so lange ein Teil unserer Familie und es fühlte sich einfach echt an. Ich gestand ihm meine Gefühle, sagte ihm, dass ich möchte, dass wir eine richtige Familie werden." Doch Yamada erwiderte die Gefühle nicht. Er machte deutlich, dass er weiterhin seine Dienste als "Leihvater" anbieten würde, aber eben nicht mehr. Und Asako akzeptiert das. 

Heute ist Megumi eine junge Erwachsene. Und Asako und Yamada schmieden schon fleißig Zukunftspläne. "Ich wünsche mir, dass Yamada auch weiterhin ein fester Bestandteil von Megumis Leben bleibt. Dass er eines Tages der "Großvater" ihrer Kinder wird", gesteht Asako. Gegen Bezahlung versteht sich. 

Dass ihre Lüge eines Tages auffliegen könnte, davor haben Yamada und Asako keine Angst. "Im besten Fall wird Megumi mir verzeihen und mir vielleicht sogar dankbar sein. Im schlimmsten Fall wird sie mir schwere Vorwürfe machen, wie ich sie so lange belügen könnte", sagt der Mietvater nüchtern. Auch Asako verteidigt ihre Entscheidung, ihre Tochter mit einer Lüge großgezogen zu haben: "Ich weiß, dass viele Menschen meine Entscheidung nicht nachvollziehen können. Aber ich habe es aus Liebe getan. Ich war verzweifelt, ich wollte mein Kind nur schützen." 

 

Leihväter gibt es auch in Deutschland

Manch einer mag jetzt sagen, die Geschichte ist so weit weg von der Realität. Ist sie nicht. Auch in Deutschland gibt es sogenannte Mietväter. Ricardo Strauch ist eigentlich gelernte Maler und Lackierer. Mittlerweile verdient er als "Leihvater" gutes Geld. Seine Kundinnen sind alleinerziehende Mütter, die sich eine männliche Bezugsperson im Leben ihrer Kinder wünschen, verrät er im Interview mit der "Kölnischen Rundschau". Strauch hat eine Weiterbildung zum Kita-Helfer gemacht, wurde in dem Job aber nicht glücklich. Schließlich machte er sich mit seinem "Service" selbstständig. 

Manche Kinder nennen ihn mittlerweile "Papa". Für Ricardo Strauch kein Problem. Zumal er für einen seiner Schützlinge wirklich zum Papa geworden ist. Die Mutter des kleinen Jungen und er verliebten sich, sind ein Paar und planen nun eigenen Nachwuchs. Seinen Job will er trotzdem nicht aufgeben. Denn: "Leihvater ist der schönste Job, den ich je hatte."

Und am Ende dieser Geschichte bleibt die Frage: Kann eine Liebe, die im Schatten einer Lüge wächst, wirklich keine Liebe sein? Kann Yamada über so viele Jahre die Gefühle für seine "Tochter" Megumi nur vortäuschen oder wird irgendwann nicht zwangsläufig Zuneigung daraus? Am Ende wollen wir doch alle daran glauben, dass ein bisschen was doch echt ist, an dieser Liebe. Sonst wäre die Geschichte einfach zu grausam. Obwohl eine Lüge, trotzdem immer eine Lüge bleibt. 

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