Armut3,2 Millionen Deutsche benötigen mehrere Jobs zum Überleben

Laut einem neuen Bericht der Bundesagentur für Arbeit, müssen über 3 Millionen Deutsche mehreren Jobs nachgehen, um zu Überleben.

Inhalt
  1. 10 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben mehrere Jobs
  2. Armut trotz Arbeit in Deutschland
  3. Eine einzige Arbeitsstelle reicht nicht zum Überleben

Eine Erhebung der Bundesagentur für Arbeit (BA) bringt eine schreckliche Wahrheit zum Vorschein: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Anzahl jener Deutschen massiv an, die mehreren Jobs nachgehen, um ihre Lebensunterhaltskosten zu decken.

 

10 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben mehrere Jobs

Seit 2007 stieg die Zahl der Mehrfacherwerbstätigen um etwa eine Million an - auf jetzt 3,2 Millionen Menschen (März 2017) - das sind rund 10 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland (32 Millionen Deutsche haben eine sozialversicherungspflichtige Anstellung). Rund 2,7 Millionen davon gehen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach und haben zusätzlich einen Mini-Job (z.B. auf 450-Euro-Basis).

Weitere Fakten:

  • Über 310.000  sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben mindestens zwei geringfügige Nebenjobs.
  • 260.000 Menschen gehen ausschließlich mehreren (mindestens zwei) geringfügigen Beschäftigungen nach.
  • 7,5 Millionen Deutsche arbeiten auf 450-Euro-Basis.
 

Armut trotz Arbeit in Deutschland

Die Anzahl derjenigen, die auf mehrere Jobs angewiesen sind, steigt zudem kontinuierlich an. Zum Vergleich: Im März 2016 waren "nur" 3,1 Millionen Menschen von der Not betroffen.

Angefragt wurden die Informationen bei der BA von Sabine Zimmermann, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke. "Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig", schließt Zimmermann aus den neuen Daten.

 

Eine einzige Arbeitsstelle reicht nicht zum Überleben

Zimmermann kritisiert die diesbezügliche Politik der letzten Jahre. Die Einführung des Mindestlohns reicht nicht aus, um Arbeit "existenzsichernd" zu machen. Zimmermann plädiert für eine weitere Erhöhung des Mindestlohns und Abschaffung von "Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit."

Der eingeführte Mindestlohn wird ohnehin nicht von allen Arbeitgebern eingehalten (s. HIER).

Zwar ist die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief gesunken ("nur" 2,5 Millionen Menschen in Deutschland waren im September 2017 arbeitslos). Kritiker wenden allerdings ein, dass die meisten Neubeschäftigten in schlecht bezahlten Jobs tätig sind (s. HIER).

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(ww7)

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