NahrungsmittelMindesthaltbarkeitsdatum: Lebensmittel sollen doppelt gekennzeichnet werden

Mindesthaltbarkeitsdatum: doppelte Kennzeichnung auf Lebensmitteln
Ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum eins zu wenig? Verbände plädieren für eine doppelte Kennzeichnung
Foto: wunderweib / privat

Weltweit agierende Lebensmittelproduzenten befürworten eine doppelte Kennzeichnung auf Milchprodukten. Statt einem Mindesthaltbarkeitsdatum sollen zwei Daten her.

Die Lebensmittelbranche will Kunden dazu verleiten, weniger Nahrung wegzuwerfen - pure Lebensmittelverschwendung. Deswegen sprechen sie sich für eine Neuregelung des Mindesthaltbarkeitsdatums aus: Das alte soll abgeschafft und stattdessen zwei neue Verfallsdaten eingeführt werden - zunächst für Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Käse und Milch.

 

Statt einem Mindesthaltbarkeitsdatum: 2 Verfallsdaten

Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann ein Produkt mindestens haltbar ist. Doch viele Konsumenten setzen dieses Mindesthaltbarkeitsdatum mit einem Verfallsdatum gleich - und schmeißen "abgelaufene" Lebensmittel in die Mülltonne. Pro Jahr summiert sich der Lebensmittelmüll (laut der Verbraucherzentrale) auf gewaltige 11 Millionen Tonnen im Wert von 25 Milliarden Euro.

Damit soll nun Schluss sein: Das Mindesthaltbarkeitsdatum soll abgeschafft werden. Stattdessen sollen Milchprodukte demnächst gleich mit zwei Daten gekennzeichnet sein:

  • Das erste Datum richtet sich an die Verkäufer und gibt an, wie lange das Produkt im Geschäft stehen soll.
  • Das zweite Datum richtet sich in erster Linie an die Verbraucher und kennzeichnet, wie lange das Produkt tatsächlich konsumierbar ist ("Verbrauchsverfallsdatum").

Wer nun glaubt, das zweite Datum entspräche am ehesten unserem guten alten Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), der irrt. Das MHD gibt bloß an, bis wann das Lebensmittel bei "sachgerechter Aufbewahrung" zu konsumieren ist. Es entspricht nicht dem "Verfallsdatum."

Beispielsweise kann - was kaum einer weiß - Joghurt bis zu 2 Monate nach Ablauf des MHDs noch verzehrt werden, wenn die Verpackung noch intakt ist und er sachgerecht aufbewahrt wird.

 

Warum setzen sich gerade Lebensmittelproduzenten für die MHD-Änderung ein?

Zu viel Lebensmittel-Müll schadet dabei nicht nur der Umwelt, sondern auch den Marken. Lebensmittelproduzenten fürchten zum einen, dass Menschen, die ein Produkt wegwerfen, beim nächsten Kauf ein länger haltbares wählen. Zum anderen schielen viele Verbraucher schon beim Einkauf auf das MHD - und wählen jenes Produkt, dessen MHD am längsten währt. Die restlichen Produkte werden so zu Ladenhütern.

Länder wie Großbritannien und Japan haben den Wechsel zum doppelten Verfallsdatum schon hinter sich. In diesen Ländern findet man schon längst eine zweifache Kennzeichnung - für Verkäufer und Verbraucher.

Der Verband The Consumer Good Forum (CGF) setzt sich immer engagierter für den Wechsel ein - am besten weltweit. Im CGF sind 400 Unternehmen vertreten, u.a. Lebensmittel-Riesen wie Bahlsen, Dr. Oetker, Henkel, Lambertz, Metro und Rewe.

Deutschlands Agrarminister Christian Schmidt (CSU) befürwortet die Novellierung des MHD. Die Verhandlungen laufen. Doch bis eine deutschlandweite oder gar EU-weite Regelung gesetzlich beschlossen ist, wird es wohl noch ein Weilchen dauern.

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(ww7)

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