Unfaires UrteilMünchen Hauptbahnhof: Rentnerin ist vorbestraft - weil sie Pfandflaschen sammelte

Anna Leeb wollte nur ihre Rente aufbessern. Deshalb sammelte sie jeden Tag am Münchener Hauptbahnhof Pfandflaschen. Nun ist die Rentnerin vorbestraft wegen Hausfriedensbruch.

Am Münchener Hauptbahnhof ist Anna Leeb keine Unbekannte. Dort verkauft die rüstige Rentnerin, die 20 Jahre in einer Metzgerei und danach in einer Pension gearbeitet hat, mit dem Gehwagen seit Jahren an der Leopoldstraße das Stadtmagazin Charity München. Zusätzlich besserte die 76-Jährige ihre Rente mit dem Sammeln von Pfandflaschen auf.

Vor zwei Jahren wurde Leeb jedoch das Pfandsammeln von zwei Bahn-Mitarbeitern untersagt, sie erhielt Hausverbot. Denn am Münchener Hauptbahnhof gilt das Hausrecht des Unternehmens Deutsche Bahn. "Früher haben Schaffnerinnen sie sogar darum geben, Pfandflaschen in den Zügen einzusammeln. "So hätte ja jeder etwas davon", sagt Leeb. "Ich habe ja Zeit und vor die Tür gehe ich ja eh." 

München Hauptbahnhof: Rentnerin ist vorbestraft - weil sie Pfandflaschen sammelte
Anna Leeb sammelte jahrelang Pfandflaschen am Münchener Hauptbahnhof - nun ist die Rentnerin genau deshalb vorbestraft.
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Als Leeb nun kürzlich nach einem Krankenhausbesuch wegen ihrer Hüftprobleme eine Abkürzung durch den Hauptbahnhof nehmen wollte, fischte sie eine leere Bierflasche aus einem Mülleimer - und wurde von zwei Bahn-Mitarbeiterin erwischt: "Sie haben mich am Arm gepackt, mit dem Rollator aus dem Hauptbahnhof gezerrt, und die Bierflasche musste ich wieder reinwerfen“, erzählt die Rentnerin der TZ. "Die eigentlichen Verbrecher in München finden sie nicht, dann müssen sie jemanden wie mich rupfen."

 

Anna Leeb muss 2000 Euro Strafe zahlen - weil sie Pfand sammelte

Nun soll Leeb satte 2000 Euro Strafe zahlen und ist vorbestraft. Doch letzteres ist für die Rentnerin bei Weitem nicht so schlimm, wie die hohe Summe der Geldstrafe. "Die Vorstrafe macht mir nichts aus, ich bin ja schon alt", sagte Leeb zu SpiegelOnline. Aber das Geld fehle nun an anderer Stelle. "Ich muss beim Zahnarzt für neue Kronen mehrere hundert Euro bezahlen." Eine Spendenaktion ihres Chefs Felix Kreuzer, Vorstand der Straßenzeitung, soll Anna Leeb nun aus dem finanziellen Loch helfen. Eine Petition unter Change.org soll zudem bewirken, dass die Rentnerin von der Vorstrafe befreit wird.

 

Und was sagt die Deutsche Bahn zu dem Pfand-Fall?

Der TZ teilte ein Bahnsprecher mit: „Wenn in den Abfallbehältern rumgewühlt wird, dann fällt eine Menge daneben. Sauberkeit ist für unsere Kunden ein wichtiger Punkt. Es geht nicht, dass ein Mülleimer durcheinandergebracht wird." Laut SpiegelOnline zeige sich die Deutsche Bahn nun aber gesprächsbereit und bedaure, dass sich die Lage so zugespitzt habe.

Für Anna Leeb, dessen Mann mit 78 Jahren noch arbeitet, steht nun übrigens fest: "Das waren jetzt genug Scherereien, der Hauptbahnhof wird mich nie wieder sehen.

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