SchwangerschaftMütter von Söhnen behalten männliche DNA im Gehirn

Die DNA eines männlichen Fötus kann die Blut-Hirn-Schranke der Mutter durchbrechen. Die erworbenen Y-Chromosome schützen Mütter vor schweren Krankheiten.

Schwangerschaft: Mütter von Söhnen behalten männliche DNA im Gehirn
In der Schwangerschaft können Zellen des Fötus in das Gehirn der Mutter vordringen
Foto: iStock

Vor allem jene Mütter, die einen Jungen unter ihrem Herzen tragen, behalten ein Stückchen von ihm auch nach der Geburt: Die männliche DNA. Die Y-Chromosomen des Babys werden bis ins Gehirn der Mutter geleitet, wie amerikanische Forscher der University of Alberta nun nachgewiesen haben. Dieses Überleben körperfremder Zellen wird Mikrochimärismus genannt.

 

Baby-Chromosome im mütterlichen Gehirn nachgewiesen

"Nicht alle Frauen, die mit einem Jungen schwanger waren, haben männliche DNA im Körper. Warum das so ist, wissen wir zurzeit noch nicht. Wir konnten aber zeigen, dass eine Frau, die bereits fetale Zellen in sich trägt, durch weitere Schwangerschaften nicht noch mehr fremdes Genmaterial aufnimmt. Ihr Körper kann offenbar nur eine begrenzte Menge beherbergen", erklärt William Chan, der die Gehirne von 59 verstorbenen Frauen zwischen 34 und 94 Jahren im Hinblick auf Y-Chromosome untersucht hat. Bei 63 Prozent der Frauen fand Chan männliche DNA im Gehirn.

Eigentlich soll ein derartiger DNA-Austausch durch die Blut-Hirn-Schranke verhindert werden. Umso erstaunlicher ist der Fund der Forscher, die bislang zwar wussten, dass die DNA durch den Blutaustausch mit dem Fötus vonstatten geht. Nicht aber, dass sie bis ins Mutter-Gehirn gelangen kann.

 

Wie profitiert die Mutter von der neu erworbenen männlichen Baby-DNA im Gehirn?

Anscheinend sollen die Chromosomen Krankheiten wie Alzheimer sowie Gehirn- und Brusttumore vorbeugen. "Unsere Studie legt nahe, dass die fetalen Zellen einen positiven Effekt haben, indem sie der Alzheimer-Krankheit entgegenwirken. Aber unsere Studie war relativ klein. Ich glaube zwar, dass der Zusammenhang, den wir gefunden haben, nicht zufällig ist, aber es bedarf wirklich weiterer Forschung, um die Beziehung zwischen Alzheimer und Mikrochimärismus zu ergründen", beschreibt Chan.

Allerdings kann der Zellaustausch zwischen Fötus und Mutter auch negative Folgen haben. So können sich die Zellen auch am Herzen, der Leber oder Lunge der Mutter absetzen und dort Krankheiten fördern, wie z.B. Autoimmunerkrankungen (etwa Arthritis).

Die körperfremde DNA kann - wie Forscher vermuten - auch von weiblichen Föten in das Gehirn der Mutter gelangen. Allerdings fällt den Forschern hier der Nachweis schwerer, da Mädchen zwei X-Chromosome haben - wie die Mutter auch.

 

(ww7)

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