GesundheitsgefahrMultiresistenter Keim: Wenn keine Antibiotika mehr helfen

Mediziner sorgen sich, da sich immer mehr multiresistente Keime entwickeln, gegen die keine Antibiotika mehr helfen. In den USA starb wieder eine Frau daran.

Inhalt
  1. Deshalb sind multiresistente Keime so gefährlich
  2. Wieso entwickeln sich multiresistente Keime?
  3. Was können wir gegen multiresistente Keime tun?

Anlass zur Sorge unter Medizinern: Eine Rentnerin in Nevada starb in einer Klinik, nachdem sie sich bei einer OP in Indien mit dem Klebsiella-Pneumoniae-Keim infiziert hatte. Durch den Keim werden Infektionen unheilbar. Im Fall der Rentnerin sei diese letztlich an einer Blutvergiftung gestorben, teilte das US-Seuchenabwehrzentrum CDC mit. Sie habe sich oft in Indien aufgehalten und sei dort wegen eines Oberschenkelhalsbruchs behandelt worden. Dort hatte sie sich vermultich mit dem multiresistenten Keim infiziert.

In den USA wurde die Frau mit den zugelassenen 26 Antibiotika behandelt. Gewirkt hat kein Medikament mehr bei der Frau. Die Sterblichkeitsrate beim Klebsiella-Pneumoniae-Keim ist sehr hoch. 40 bis 50 Prozent aller Infizierten versterben durch die Infektion. Die Weltgesundheitsorganisation warnt seit Längerem vor dem Keim und sieht darin eine "dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen".

 

Deshalb sind multiresistente Keime so gefährlich

Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich rund 400.000 bis 600.000 Menschen an multiresistenten Keimen. Vor allem in Krankenhäusern sind sie ein wachsendes Problem. Rund 10.000 bis 15.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Keimen. Bis 2050 könnten bis zu 10 Millionen Todesfälle in Deutschland auf Antibiotikaresistenzen zurück zu führen sein. Die Gefahr an Super-Erregern ist, dass sie auf keine Therapie ansprechen und so nicht behandelbar sind. Bereist im Mai 2016 berichteten Medien über einen Keim in den USA, der selbst auf das sogenannte "Reserve-Antibiotikum" Colistin, das meist bei multiresistenten Keimen noch wirkt, nicht ansprach. Besonders bedenklich: Dieser Erreger hatte einen eigenen Erbgutring, der dazu führt, dass sich die Multiresistenz noch rascher verbreitet.

 

Wieso entwickeln sich multiresistente Keime?

Ein großes Problem ist der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft. Antibiotika sind das wichtigste Mittel zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten bei Tieren. Diese dürfen nur eingesetzt werden, wenn das therapeutisch notwendig ist. Aber gerade in der Massentierhaltung ist das oft der Fall, weil Bakterien in engen Ställen und bei überzüchteten Tieren an der Tagesordnung sind. Wir nehmen diese Antibiotika in unserer Nahrung Tag für Tag zu uns. Und das nicht nur in Form von Fleisch, sondern auch Milch kann mit Antibiotika belastet sein. Selbst in Bio-Milch sind Antibiotika enthalten, denn auch hier ist der Einsatz erlaubt.

Aber auch in der Medizin ist der Gebrauch von Antibiotika allgegenwärtig. Oft greifen Mediziner schnell zu Antibiotika, ohne die wirkliche Ursache für eine Erkrankung zu erkennen. Das bringt meistens keinen Erfolg und ein weiteres Antibiotikum wird ausprobiert. Wer sich häufig mit Antibiotika behandeln lässt, läuft ebenfalls Gefahr eine Multiresistenz zu entwickeln.

 

Was können wir gegen multiresistente Keime tun?

Leider nicht sehr viel. Eine fleischarme Ernährung kann dazu beitragen, dass wir nicht so viele Antibiotika zu uns nehmen. Außerdem kann man bewusst auf die häufige Einnahme von Antibiotika verzichten. Allerdings sind die so in unserer Nahrungskette verankert, dass ein vollständiger Verzicht schwerfällt. Mediziner warnen bereits jetzt vor "Vor-Antibiotika-Zeiten", in denen normale Infektionen schon tödlich sein könnten, weil Medikamente nicht mehr wirken. Forscher raten außerdem dazu, den Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft massiv einzuschränken.

 
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