Sie besucht ihn regelmäßig im GefängnisMutter vergibt Sohn den Mord an seiner Halbschwester

Unfassbar! Ein 13-jähriger Junge ersticht seine 4-jährige Halbschwester und trotzdem schafft es die Mutter, ihm zu vergeben. 

Es ist die wohl schlimmste Nachricht, die eine Mutter bekommen kann. "Ihre Tochter ist tot", sagt ein Polizist am Abend des 4. Februar 2007 zu Charity Lee, als er sie bei der Arbeit über das schreckliche Ereignis aufklärt. Sofort erkundigt sie sich nach ihrem Sohn, der zur Tatzeit bei seiner Halbschwester war. "Ich will sofort zu meinem Sohn", schreit sie. "Dass geht leider nicht. Ihr Sohn wurde festgenommen. Er hat den Mord an ihrer Tochter gestanden." Für Charity Lee bricht eine Welt zusammen. In einer Nacht verliert sie ihre beiden Kinder. 

 

Schwierige Jungend und Drogenprobleme

Charity Lee hat eine schwierige Kindheit und Jugend. Während ihres Studiums hat sie mit Drogenproblemen zu kämpfen. Erst als sie mit ihrem Sohn Paris schwanger ist, kriegt sie die Kurve. "Plötzlich hatte ich etwas, wofür es sich zu leben lohnte", erzählt sie. Die Beziehung zum Vater zerbricht kurz nach der Geburt, auch weil er schwere psychische Probleme hat. "Bei ihm wurde eine schwere paranoide Schizophrenie diagnostiziert", verrät Lee weiter. "Um mein Kind zu schützen, brach ich den Kontakt zu ihm ab." Die junge Mutter kämpft sich alleine durch, macht ihren Studienabschluss. "Ich war jung, gerade clean, hatte ein Baby, musste studieren und arbeiten - es war keine einfach Zeit", sagt sie heute. 

Nachdem sie im Berufsleben Fuß gefasst hat, lernt sie den Vater ihrer Tochter Ella kennen. "Als ich sie das erste Mal im Arm hielt, hatte ich dieses überwältigende Gefühl, sie vor allem in der Welt beschützen zu müssen", erinnert sich Charity an den Tag der Geburt ihrer Tochter. Und mit diesem Tag begannen auch die Probleme mit Paris.

 

Plötzlich wurde der Junge gewalttätig

"Paris war ein unglaublich schlaues Kind. Er war kreativ und begabt und nie gewaltätig", so die Mutter weiter. Bis zu einem Tag im Jahr 2005. "Ella und meine Schwester spielten zusammen mit einem Stock im Garten. Plötzlich stürmte Paris auf sie zu und machte Kleinholz aus dem Stock. Ich schimpfte mit ihm und schickte ihn auf sein Zimmer. Kurze Zeit später, rannte er mit einem Küchenmesser bewaffnet aus dem Haus. Ich bin ihm sofort nachgelaufen, konnte ihn schließlich stoppen und ihm das Messer abnehmen. Sofort begann er, zu heftig zu weinen."

Charity Lee brachte ihren Sohn sofort zu einem Psychologen, der den Jungen für eine Woche stationär in eine Klinik aufnahm. "Ich hatte mehr Angst davor, dass er sich selbst etwas antun würde. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, dass er anderen etwas antun könnte. Ein fataler Trugschluss! Am Abend des 4. Februar tötet Paris seine Halbschwester Ella mit 17 Messerstichen, nachdem er sie zuvor geschlagen und gewürgt hat. Er selbst tätigt den Notruf bei der Polizei und gesteht den Mord an der 4-Jährigen. 

Zwei Wochen nach der Tat darf Charity Lee ihren Sohn zum ersten Mal besuchen. Die Worte, die er sagt, sind so unfassbar, dass es einem eiskalt den Rücken runterläuft. "Er sah mir in die Augen und sagte: Du hast immer gesagt, du würdest nie einen Menschen töten, es sei denn, er würde deinen Kindern etwas antun. Ich wette, du hättest nie gedacht, dass es mal so kommen würde." 

 

"Was bringt es mir, ihn zu hassen?"

Nachdem sich Paris für schuldig bekannt hatte, wurde er zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe verbüßt er in einem staatlichen Gefängnis in Texas. Kurz nach dem Mord, wurde bei Paris eine schwere Verhaltensstörung diagnostiziert. Das Unfassbare: Seine Mutter besucht ihn alle paar Monate. "Ich habe gelernt, Paris zu vergeben. Was bringt es mir, ihn zu hassen? Natürlich hätte er in dieser schrecklichen Nacht eine andere Entscheidung treffen können, aber hat das hat er nicht. Ich werde nie verstehen, warum er diese unfassbare Tat begannen hat, aber ich habe gelernt damit zu leben", sagt Charity Lee. 

Im Juni 2013 kam ihr Sohn Phoenix zur Welt. "Der Name steht für einen Neuanfang", sagt sie. Im Gedenken an ihre Tochter hat Charity Lee die ELLA Foundation gegründet, eine Organisation für Opfer von häuslicher Gewalt. Die studierte Humanökologin bereist mittlerweile die ganze Welt und hält Vorträge darüber, wie sie es geschafft hat, ihrem Sohn zu vergeben. 

(ww2)

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