F*ck CancerMyriam von M.: Ein Interview mit Deutschlands bekanntester Anti-Krebs-Aktivistin

Seit über 15 Jahren kämpft Myriam vom M. selbst gegen den Krebs. Wunderweib.de führte ein Interview mit der bekanntesten Anti-Krebs-Aktivistin Deutschlands. 

Myriam von M.: Ein Interview mit Deutschlands bekanntester Anti-Krebs-Aktivistin
Foto: Piya Henrici Fotografie

Mit 25 erhielt Myriam von M. zuerst die Diagnose Vulvakrebs. Drei Jahre später folgte die nächste schlimme Botschaft: Myriam erkrankte an Gebärmutterhalskrebs. Noch heute hat sie mit den Folgen der Behandlungen stark zu kämpfen.

Mit ihrer Kampagne "Fuck Cancer" setzt sie sich seit Anfang 2014 aktiv für die Aufklärung und die Vorsorge rund um die Krankheit ein. Ihr 2016 veröffentlichtest Buch "Fuck Cancer: Denn meine Wut macht mich stark gegen den Krebs", in dem sie ihre eigene Geschichte ganz offen und ehrlich schildert, wurde schnell zu einem Bestseller.

Aktuell erfüllt die 41-Jährige in der RTL 2-Serie "Voller Leben - Meine letzte Liste" die letzten Wünsche todkranker Menschen Für Wunderweib.de hat sie einige Fragen zu ihrer Arbeit und ihrem Leben beantwortet.

Was bedeutet es dir, anderen Menschen dabei zu helfen, sich ihre letzten Wünsche zu erfüllen?

Für mich ist diese Arbeit der Mittelpunkt meines Lebens geworden. Es geht ja nicht immer nur um das Erfüllen der Wünsche. Ich betreue diese Menschen ja teilweise über Jahre, und das in ALLEN Belangen. Es entstehen wundervolle Freundschaften. Ich liebe es, meine Schützlinge glücklich zu sehen. Es gibt nichts Wundervolleres auf der Welt, als das so wertvolle Lächeln eines Todkranken, der für eine Sekunde mal seinen Schmerz und sein Leid vergessen kann. Dieser Moment ist für mich das kostbarste Geschenk dieser Arbeit, das mit KEINEM Geld der Welt zu bezahlen ist. Ich könnte mir ein Leben ohne diese Arbeit nicht mehr vorstellen. Sie ist quasi meine „Überlebensaufgabe“.


Gab es für dich bei den Dreharbeiten eine Situation, die dich ganz besonders berührt hat?

Es gab nicht nur eine Situation. JEDE Situation ist was Besonderes. Für mich steht immer der Schützling im Fokus und sein Wohlbefinden. Ich wollte ihnen unbedingt alle Wünsche erfüllen, hatte aber auch gleichzeitig so Angst, dass wir gewisse Dinge nicht mehr schaffen, weil uns die Zeit ja immer davon läuft und sich der Zustand meiner Schützlinge von einem Tag auf den anderen spontan ändern kann. Umso schöner ist es, wenn wir es dann doch schaffen. Sebastiens Tod war für mich fast unerträglich. Ich habe mittlerweile über 95 Menschen beim Sterbeprozess begleitet, Sie waren ALLE Freunde für mich, die mich sogar teilweise in ihre Familie aufgenommen haben. Sebastien war einer meiner Langzeitschützlinge, den ich seit drei Jahren begleitet habe. Er war immer so mega-positiv und für mich irgendwie „unkaputtbar“. Wenn ich ehrlich bin, war ICH diesmal noch nicht bereit dafür, dass er geht. Es hat mich eiskalt erwischt und ich bin still und leise innerlich zusammengebrochen. Es ist NIE einfach, ich liebe diese Menschen einfach.

Welchen Rat möchtest du Menschen mit auf den Weg geben, die selbst von der Krankheit betroffen sind?

Ich möchte, dass sie sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Sie sollen LEBEN. Sie sollen VOLLER LEBEN sein, NICHTS aufschieben! Sie müssen nicht immer stark sein, dürfen auch schwach sein, wenn sie das gerade in dem Moment brauchen. Dann heißt es aber wieder aufstehen. Auch wenn es schwer ist, sollten sie versuchen, in dem einen oder anderen Moment Rücksicht auf Angehörige zu nehmen. Denn wenn der Krebs da ist, leiden ALLE. Zusammenhalt ist sooo wichtig.

Wenn der Krebs eine Person wäre, was würdest du ihr sagen?

Ich glaube, so eine Frage kann nur wer stellen, der nicht selber an Krebs erkrankt ist. Wir als Erkrankte identifizieren unseren Krebs immer, geben ihm teilweise sogar Namen. Was würdest du denn einem Menschen sagen der dich töten möchte?? Ich glaube die Frage beantwortet sich von selbst…  :-)

 


Wie geht es dir heute?

Es geht mir mal besser mal schlechter. Ich leide schon arg an den Nachwehen der Erkrankung. Fast 18 Jahre mit dieser Krankheit prägen nicht nur körperlich. Mein letzter Rückfall war 2015, und ich habe natürlich immer brutale Angst, dass er wiederkommt. Ich leide an starken Lymphödemen und Lipödemen der Beine, nehme am Tag acht verschiedene Tabletten, und einmal die Woche spritze ich MTX. Ich habe vor acht Jahren noch eine Autoimmunkrankheit bekommen, die mich täglich quält und mein Leben teilweise echt schwer macht. Es gibt keinen Tag ohne Schmerzen, aber all das nehme ich gerne in Kauf, HAUPTSACHE ich DARF leben!!!

Welche Ziele hast du noch für deine Arbeit? Was wünschst du dir für die Zukunft? Für dein Privatleben?

Ich möchte, dass das Format „Voller Leben“ ein fester Bestandteil von RTL II wird. Es hat einfach gezeigt, dass es SOOO wertvoll ist. Ansonsten wünsche ich mir, dass meine Organisation „F*ck Cancer“ gGmbH so groß wird, dass wir noch sehr vielen Menschen helfen können. Mein allergrößtes Ziel ist es, mein Buch: "Fuck Cancer“ auf der Kinoleinwand zu sehen. Ich glaube fest daran, dass es sehr vielen Menschen Halt geben könnte und wird. Mein Leben war ein wirklich beschissener Weg. Es gab sehr viel Leid, Hass, Schmerz, Verlorenheit, Angst. Aber aus all dem Negativen haben ich all das Positive hier kreiert. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Weg gehen musste! Für mein Privatleben wünsche ich mir natürlich mehr Zeit, vor allem Lebenszeit!

Gibt es etwas, vor dem du Angst hast?

Erstaunlicherweise, macht der Tod mir sehr viel Angst. Nicht das Sterben selbst, sondern der Gedanke, dass ich all das hier auf dieser Welt aufgeben muss. Meine Liebsten hinterlassen muss. Das macht mir sehr viel Angst. Ich liebe das Leben einfach zu sehr.

Was hat dir in schweren Zeiten Halt gegeben? Gibt es einen bestimmten Gedanken, ein Mantra oder Ritual?

Ich habe keine Rituale oder ähnliches. Ich bin ein „Macher“. Wenn es mir schlecht geht, versuche ich mir was Gutes zu tun. Ansonsten hat mir damals eigentlich niemand wirklich Halt gegeben. Ich habe meinen Kampf alleine gekämpft. Ich hatte da ganz oft meinen Sohn Dorian im Fokus. Ich wollte ihn so unbedingt aufwachsen sehen. Dann kam das kleine Wunderkind Gabriel und ich hatte noch einen Grund mehr, zu kämpfen und nicht aufzugeben. Meine Jungs sind mittlerweile groß, Dorian fast 18 und Gabriel ist 8. Sie sind meine Engel auf Erden. Ansonsten gibt mir heute natürlich mein Partner – und meine Schützlinge geben mir Kraft. Der Starke gibt dem Schwachen die Kraft, stark zu werden. Der Schwache gibt dem Starken die Kraft, stark zu bleiben.

Glaubst du an Gott oder eine andere überirdische Kraft?

Ich bin auf der ewigen Suche nach dem Glauben. Ich wünsche mir so sehr, dass es so ist. Ich bin sehr christlich erzogen worden in Amerika. Da gab es JEDEN Sonntag Kirche und sogar Sonntagsschule. Es hat mir sehr viel Halt als Kind gegeben. Irgendwann war aber der Schmerz meines Lebens so groß, dass ich anfing zu zweifeln. Seitdem suche ich. Und ich wünsche mir so sehr, diesen Glauben wieder zu finden.

Tipp: Heute Abend läuft um 20:15 auf RTL 2 die letzte Folge der Serie "Voller Leben - Meine letzte Liste".
 

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