Neues GesetzOrganspende: Werden bald alle Deutschen zu Organspendern erklärt?

Frankreich hat zum 1. Januar 2017 alle Bürger Frankreichs zu Organspendern erklärt.

Oft ist ein Spenderorgan die einzige verbleibende Möglichkeit, das Leben eines kranken Menschen zu retten.
Oft ist ein Spenderorgan die einzige verbleibende Möglichkeit, das Leben eines kranken Menschen zu retten.
Foto: iStock
Inhalt
  1. Neues Gesetz erklärt alle Franzosen automatisch zu Organspendern
  2. Ist nun damit zu rechnen, dass auch die Deutschen zwangsweise zu Organspendern erklärt werden?
  3. Organspende – ja oder nein?

Wer seine Organe nicht spenden will, muss dem Registereintrag widersprechen. Die möglichen Folgen für Deutschland.

 

Neues Gesetz erklärt alle Franzosen automatisch zu Organspendern

Seit dem 1. Januar 2017 gilt in Frankreich ein neues Gesetz, das automatisch jeden Bürger des Landes zum Organspender erklärt. Wer nicht will, dass seine Organe nach seinem Tod gespendet werden, muss dem Eintrag in das Organspende-Register widersprechen. Dieses Register soll künftig vom medizinischen Personal geprüft werden, bevor Organe aus einem potentiellen Spender entnommen werden.

Wer nicht dazu in der Lage ist, dem Eintrag in das Organspende-Register zu widersprechen, soll nach einem Bericht des britischen Independent auch durch einen schriftlichen Widerspruch die Organspende untersagen können, den er bei einem Verwandten oder in seinem Testament hinterlegt. Auch der mündliche Widerspruch, der im Todesfall durch einen Verwandten an das medizinische Team übermittelt wird, soll als Widerspruch ausreichend sein.

Wie die Organspende in Deutschland geregelt ist

Frankreich reagiert mit dieser gesetzlichen Regelung auf den ständigen Mangel an Organspendern, wie er auch in Deutschland bekannt ist. „Alle acht Sekunden stirbt ein Mensch, weil kein passendes Organ gefunden werden kann“, erklärte Gesundheitsminister Hermann Gröhe anlässlich des Tages der Organspende 2016. Mehr als 10.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan.

In Deutschland muss und darf jeder Bürger frei entscheiden, ob er sich zum Organspender erklären möchte. Dies kann er durch das Ausfüllen eines Organspendeausweises tun, den er dann bei sich tragen muss. In dem Organspendeausweis kann er der Organspende auch widersprechen oder bestimmte Organe von der Organspende ausschließen. Liegt ein Organspendeausweis nicht vor, müssen gegebenenfalls die Verwandten über eine Organ- und Gewebespende entscheiden.

Mit dem Organspendeausweis können wir eindeutig dokumentieren, ob wir unsere Organe spenden wollen.
Mit dem Organspendeausweis können wir eindeutig dokumentieren, ob wir unsere Organe spenden wollen.
Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Eine weitere Möglichkeit, unsere Entscheidung zur Organspende zu dokumentieren, ist eine Patientenverfügung. Organspende kann man auch darin thematisieren, das heißt die eigene Entscheidung für oder gegen eine Spende festlegen. Es ist ebenfalls möglich, die Erklärung auf einem Bogen Papier formlos festzuhalten. Nutzlos als Ersatz für einen Organspendeausweis ist allerdings eine testamentarische Erklärung, da ein Testament zu einem Zeitpunkt eröffnet wird, an dem es für eine Entnahme der Spenderorgane zu spät ist.

Über viele Jahre waren in Deutschland die Zahlen an Organspendern stark rückläufig. Das lag unter anderem an einer tiefgreifenden Verunsicherung der Bürger durch verschiedene Organspende-Skandale. In einigen Transplantationszentren wurden die Wartelistendaten manipuliert.

 

Ist nun damit zu rechnen, dass auch die Deutschen zwangsweise zu Organspendern erklärt werden?

In Deutschland ist die Entscheidung für die Organspende schon immer freiwillig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) setzt statt auf Zwang auf nachhaltige Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung und den Ablauf von Organspenden in Deutschland, um die Bürger zur Organspende zu motivieren. Allerdings gibt es vereinzelt Stimmen, die das Vorgehen Frankreichs gut heißen und eine ähnliche Regelung für Deutschland befürworten.

Seit 1963 wurden in Deutschland 124.269 Organe transplantiert, darunter 12.218 Herzen, 5.243 Lungen und 80.294 Nieren, 22.850 Lebern und 3.664 Pankreata. (Quelle: Eurotransplant per 31.12.2015). Allein im Jahr 2015 wurden in Deutschland 877 Organspenden durchgeführt. Durchschnittlich werden pro Spender 3,3 Organe entnommen und transplantiert. Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig die Organspenden sind.

Viele kranken Menschen konnten durch diese Organspenden gerettet werden. In den meisten Fällen war und ist ein Spenderorgan die einzig verbleibende Therapiemöglichkeit, um das Leben eines Menschen noch zu retten, oder aber seine Lebensqualität wieder deutlich zu verbessern.

Gesetzlich werden Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Gewebe durch das Transplantationsgesetz (TPG) geregelt. Dabei sind die Bereiche Organspende, Organvermittlung und Organübertragung nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „streng organisatorisch und personell voneinander getrennt“.

 

Organspende – ja oder nein?

„Egal wie Sie ihn tragen, Hauptsache, Sie haben ihn. Den Organspendeausweis. Informieren, entscheiden, ausfüllen.“

Wichtig ist in jedem Fall, zu Lebzeiten selbst eine Entscheidung zur Organspende zu treffen – schon um seinen Verwandten diese schwere Entscheidung abzunehmen.

Der Organspendeausweis kann hier ganz einfach heruntergeladen werden: https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen.

Auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich zusätzlich umfassende Informationsmaterialien zum Thema Organspende.

 

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