Schock in NeuköllnPhilip Morris stellt Zigarettenproduktion in Berlin ein: 950 Mitarbeiter entlassen

Philip Morris will keine Zigaretten mehr in Berlin produzieren lassen. Das kostet 950 Mitarbeiter ihren Job. 
 

Inhalt
  1. Hiobsbotschaften en masse
  2. Deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten
  3. Massive Kritik an Philip Morris
  4. Kampf um Arbeitsplätze beginnt

Während in der Politik aktuell über eine Erhöhung der Tabaksteuer diskutiert wird, verlieren in Berlin 950 Menschen ihren Arbeitsplatz: Philip Morris (PMI) stellt die Zigarettenproduktion zum Ende des Jahres ein und entlässt den Großteil der Belegschaft im Werk Neukölln

 

Hiobsbotschaften en masse

Auf der Belegschaftsversammlung des Zigarettenherstellers wurde die schlechte Neuigkeit am Dienstag [28. Mai] öffentlich gemacht. Für viele ist die geplante Massenentlassung nur eine Hiobsbotschaft mehr. Am 4. April war bekannt geworden, dass Real verkauft werden soll und damit 36.000 Mitarbeiter um ihre Jobs bangen. Der insolvente Schokoladenhersteller Leysieffer hatte nur einen Tag zuvor mit der Streichung von 350 Arbeitsplätzen für Negativschlagzeilen gesorgt.
In Berlin-Neukölln geht indes das Ringen um Erklärungen los. 

 

Deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten

Das Philip-Morris-Werk in Berlin-Neukölln hat eine lange Tradition, es besteht seit 1972. 
Mark Johnson-Hill, Vice President EU Manufacturing, PMI, versucht, den dramatischen Stellenabbau zu erklären: "Die Veränderung des Konsumentenverhaltens erfordert eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten."
Von insgesamt 1050 Mitarbeitern werden also 950 entlassen. Rund 75 Arbeitsplätze sollen laut eines Berichts der 'B.Z.' erhalten bleiben, etwa 25 Arbeitsplätze werden nach Dresden und Gräfelfing ausgelagert. 

 

Massive Kritik an Philip Morris

Ja, der Verkauf von Zigaretten geht hierzulande seit Jahren kontinuierlich zurück. Im ersten Quartal 2018 wurden Tabakwaren im Wert von 5,9 Milliarden Euro versteuert – 2017 waren es noch 4,7 Prozent mehr gewesen. Doch obwohl man oft das Gefühl vermittelt bekommt, dass Deutschland ein vorbildliches Nichtraucherland sei, greifen doch fast jeder dritte Mann (32 Prozent) und jede vierte Frau (25 Prozent) regelmäßig zum Glimmstängel – das gab das Deutsche Ärzteblatt im vergangenen Jahr bekannt. Philip Morris ist seit 1987 Marktführer auf dem deutschen Zigarettenmarkt.
Von einer drohende Pleite kann bei PMI Neukölln, wo die Marken Marlboro, Chesterfield und L&M produziert werden, also kaum ausgegangen werden. Das kritisiert auch Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), laut 'B.Z.': 
"Das Werk Berlin von Philip Morris arbeitet hochprofitabel, schreibt seit Jahren schwarze Zahlen. Philip Morris handelt sozial unverantwortlich, wenn gute, tariflich abgesicherte Arbeitsplätze von 950 Menschen bis zum Jahresende vernichtet werden sollen."

 

Kampf um Arbeitsplätze beginnt

So endgültig, wie Philip Morris die Schließung des Standorts Neukölln publik gemacht hat, soll die Entscheidung nicht sein, wenn es nach den Kritikern geht. Nicht nur die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will sich gegen die Entscheidung stellen, auch der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, macht sich dagegen stark. 
"Ich habe heute persönlich mit dem Berliner Verantwortlichen des Konzerns gesprochen und dringend darum gebeten, die Schließungspläne noch einmal zu überdenken, zumindest aber in dieser Form abzufedern", betont der Politiker. 

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