LebensgeschichtePlötzlich war ich dauerheiser - und das als Sängerin

Krächzen, fiepzen, räuspern – Stimmprobleme sind für jeden unangenehm. Doch für Katharina wurde die andauernde Sprachlosigkeit zum Albtraum. Wie die Sängerin ihre Dauerheiserkeit bezwang und die Töne wiederfand.

Plötzlich war ich dauerheiser - und das als Sängerin
Foto: bella

Eine Reibeisenstimme mögen viele Menschen sexy finden. Katharina Fessel aber nicht. Als sie im vergangenen Jahr plötzlich heiser und kratzig klang, schrillten bei der 39-Jährigen sofort die Alarmglocken. „Hoffentlich ist das nur eine harmlose Erkältung“, dachte sich die Amateursängerin und Journalistin. Doch als nach zwei Wochen die Töne immer noch nicht zurückkehren wollten, machte sie sich ernsthafte Sorgen.

 

„Die Dauerheiserkeit warf mein Leben aus der Bahn“

Ausgerechnet ihre Stimme versagt den Dienst – und das kurz vor Beginn der geplanten Konzert-Tour mit ihrer Hardrock-Band „Shouting Bullets“. „Absagen? Irgendwie durchhalten? Ich bekam Panik“, erzählt die Hamburgerin. „Mit einer heiseren Stimme zu singen, ist in etwa so, als müsse man ohne Arme und Beine schwimmen.“ Und hinzu kam die Sorge um ihre Gesundheit. „Ein Problem an den Stimmbändern ist ja die schlimmste Krankheit, die sich ein Sänger nur ausmalen kann“, sagt Katharina. „Mein großer Traum von einem Leben auf der Bühne wäre dann von einem Moment auf den anderen zerplatzt.“

Aber wie kann es passieren, dass die Stimme plötzlich versagt oder sogar komplett weg ist? „Sie leiden unter einer sogenannten Berufsstimmstörung“, erklärt der HNO-Arzt, den Katharina nach 14 Tagen Dauerheiserkeit verzweifelt aufsucht. Das viele Proben und Üben für die anstehenden Konzerte wurden der Rocksängerin offenbar zum Verhängnis. Hinzu kommt, dass ihre Stimme auch in ihrem Beruf als Journalistin unermüdlich im Einsatz ist. „Laufend Telefonate, Konferenzen, Interviews – es vergeht kein Tag, an dem ich mal eine halbe Stunde schweige. Irgendwann kam ich mit meiner Stimme an einen Punkt, an dem einfach überhaupt nichts mehr ging.“

 

Gegen Überlastung hilft Entlastung

Bei Vielrednern – also etwa Sängern, Schauspielern, Lehrern, Verkäufern oder Callcenter-Mitarbeitern – muss die Stimme tagtäglich Höchstleistungen abrufen. Darum ist die Stimmstörung („Dysphonie“) in dieser Berufsgruppe ein relativ häufiges Phänomen. Experten vergleichen die Beschwerden mit einem Leistungssportler, der durch Überlastung einen Ermüdungsbruch erleidet. Die Beschwerden werden zudem durch Austrocknen und Reizung der Schleimhäute im Rachen begünstigt.

Vollblutmusikerin: Katharina begeistert ihr Publikum nicht nur mit ihrer Power-Stimme, sondern auch auf der Gitarre.
Foto: bella

In Katharinas Fall funktionierte der komplizierte Bewegungsablauf der Stimmbänder nicht mehr: Die Stimmlippen schlossen und schwangen nicht mehr richtig – die Stimme klang rau und kratzig. „Das Paradoxe an der Situation war, dass ich mich vollkommen fit gefühlt habe. Allein mein Organ, das die Töne produziert, hat den Streik ausgerufen. Ich fühlte mich wie eine 100-Meter-Sprinterin, die plötzlich ihre Beine nicht mehr bewegen kann und vorsichtig wieder laufen lernen muss.“

Der Arzt hat Katharina dringend dazu geraten, möglichst wenig zu sprechen, um die Stimme zu schonen. Außerdem sollte sie täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit (am besten Wasser) trinken und den Rachenraum gut befeuchten. „Ich habe alle zwei, drei Stunden Halstabletten auf Basis von Hyaluronsäue gelutscht. Sie legen sich wie ein Feuchtigkeitsfilm um die Schleimhäute. Das hat mir gut getan.“

Nach ein paar Tagen schon besserten sich das Engegefühl und die Trockenheit im Hals. Und nach einer Woche endlich kehrte Katharinas alte Stimmfarbe wieder zurück. Gerade noch rechtzeitig, um planmäßig die Konzert-Tour beginnen zu können. „Doch wird meine Stimme tatsächlich die kraftvollen Rockparts stemmen können?“, Katharina war bis kurz vor ihrem Auftritt von Selbstzweifeln geplagt – bis sie die Bühne betrat. „Und dann hat mein Gehirn plötzlich einen Schalter umgelegt. Ich konzentrierte mich von da an nur auf das Hier und Jetzt – und gab meiner Stimme das Ruder in die Hand. Bei den ersten Tönen schon sprang der Funke auf das Publikum über – ich spürte eine einzigartige Energie. Mehr brauche ich nicht für den perfekten Abend – und für ein Gefühl vollkommenen Glücks.“

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