GesundheitPsychisch krank aber die Therapie muss warten - das könnt ihr tun!

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Wer psychisch krank ist, dem wird von einem Psychologen oder Therapeuten geholfen. Wenn diese denn Zeit haben. Meistens müssen psychisch Erkrankte Monate lang warten.

Eine Freundin von mir leidet am Borderline-Syndrom. Manchmal geht es ihr Monate lang richtig gut: sie geht regelmäßig zur Arbeit, sie schafft es zu feiern, ohne Drogen zu nehmen oder sich mit Alkohol abzuschießen, sie geht zum Sport und schafft es, ihr Leben zu "wuppen". Sie hält sich dann für geheilt - bis plötzlich, ganz unvorhergesehen und nicht planbar, der nächste Anfall kommt. Während einer solchen Tiefphase ist meine Freundin nicht wiederzuerkennen: sie geht nicht mehr aus dem Haus, schafft es nicht, sich zur Arbeit zu schleppen, schläft nicht, ist traurig, wütend, antriebslos. 

Menschen mit einer pyschischen Krankheit wie meine Freundin brauchen Hilfe und das möglichst schnell, denn allein kommen sie nur schwer aus ihrem Tief heraus. Professionelle Hilfe bekommen psychisch Erkrankte - theoretisch - beim Psychotherapeuten, doch oft stellt ein Anruf bei diesem schon die erste, unüberwindbare Hürde dar. Wer gerade eine schwere depressive Phase durchmacht, schafft es nicht sein Leben zu organisieren und zum Hörer zu greifen. Hier ist die Hilfe von Angehörigen gefragt: Erkundigt euch, ob die psychisch erkrankte Person sich um einen Therapeuten kümmert und übernehmt im Zweifelsfall den Anruf!

Ist der Anruf erst mal getätigt, folgt leider oftmals direkt die Ernüchterung, denn die Großzahl der Praxen von Psychotherapeuten sind hoffnungslos überlaufen. Rund 27.000 Praxen sind kassenärztlich zugelassen, rund drei bis vier Millionen depressive Menschen leben in Deutschland. So  kann es vorkommen, dass man bis zu sechs Monate auf einen Termin warten muss. Manche Therapeuten führen auch gar keine Warteliste, weil ihnen der Gedanke unethisch erscheint. So verstreicht immer mehr Zeit, in der psychisch Erkrankte nicht behandelt werden und ganz ihren negativen Gedanken ausgesetzt sind, ihrem Alltag nicht nachgehen können und möglicherweise sogar von Selbstmordgedanken heimgesucht werden. Auf die Schnelle ist kein Therapieplatz zu bekommen

 

Psychisch krank und auf der Suche nach einer Therapie - das könnt ihr tun! 

Um möglichst schnell einen Therapieplatz zu bekommen, sollten psychisch erkrankte Personen eine Reihe von Therapeuten abtelefonieren. Nicht, weil das die Chance auf einen freien Psychotherapeuten signifikant erhöht, sondern, um sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Wer sechs Absagen von einer kassenärztlich zugelassenen Praxis erhalten hat, darf sich auch in einer Privatpraxis behandeln lassen. Hier gibt es in der Regel immer einige freie Plätze. Die Krankenkasse muss dann die Behandlung zahlen

Die Abweisungen müssen dafür bei der Krankenkasse in einem Antrag dokumentiert werden. Ebenfalls einzureichen ist die Bescheinigung des Hausarztes oder eines Psychiaters, dass eine Therapie notwendig ist. Liegen diese vor, kann ein Privattherapeut aufgesucht werden, der bescheinigen muss, dass er in einem der drei zulässigen Therapieverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Therapie) staatlich geprüft wurde. 

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Wenn die schriftliche Zusage der Krankenkasse über die Kostenübernahme vorliegt, kann die Therapie losgehen. Die Behandlung muss erst mal selbst bezahlt werden, wird aber wiedererstattet.

Die Wartezeit kann zudem durch kurzfristige Einzelgespräche mit kirchlichen Beratungsstellen oder Verbänden wir pro familia überbrückt werden. Hier lässt sich im Notfall (vergleichsweise) schnell ein Termin zu einem Einzelgeserpäch finden. Ein solches Gespräch ersetzt jedoch keine Therapie. Auch Online-Psychologen (zum Beispiel my Online Therapy) oder das webbasiertes Portal Selfapy können kurzfristige Hilfe leisten. 

 

 

 

 

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