RauchenRauchverbot in Schottland: Sitzen im Auto Kinder, darf nicht geraucht werden

In Schottland tritt ein neues Rauchverbot in Kraft: Wenn Kinder im Auto sitzen, darf nicht geraucht werden, sonst droht eine Geldstrafe.

Rauchverbot in Schottland: Sitzen Kinder im Auto, darf nicht geraucht werden
In Anwesenheit von Kindern, darf in schottischen Autos nicht geraucht werden
Foto: iStock
Inhalt
  1. Warum verhängt Schottland ein Rauchverbot im Auto?
  2. In welchen Ländern herrscht Rauchverbot im Auto?
  3. Was sagt die Raucherlobby zum neuen Gesetz?
  4. Kommt das Auto-Rauchverbot auch nach Deutschland?

Am Montag, dem 05. Dezember 2017 heißt es in Schottland: Augen auf beim Autorauch! Wer im Auto raucht während Kinder (damit sind alle Minderjährigen gemeint) anwesend sind, wird zur Kasse gebeten: 100 Pfund (rund 120 Euro) Bußgeld werden fällig. Wird die Geldstrafe vom Täter verweigert und landet so vor Gericht, kann die Strafe sogar auf bis zu 1.000 Pfund (rund 1.180 Euro) ansteigen.

Diese Verschärfung des Rauchverbots hat das schottische Parlament im Dezember 2015 beschlossen. Jetzt tritt es in Kraft.

 

Warum verhängt Schottland ein Rauchverbot im Auto?

Die schottische Gesundheitsministerin Aileen Campbell verweist auf Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die über die schwerwiegenden Risiken vom Passivrauch aufklärt. Campbell erwähnte die gefährliche Menge der Chemikalien, die sich schon bei kurzen Autofahrten im Fahrzeug ansammeln, wenn man raucht. Die Folge sind u.a. erhöhte Risiken von Herzinfarkten und Lungentumoren, und somit jährlich über 600.000 frühzeitigen Todesfälle.

Das Ziel der Schotten: eine "tabakfreie Generation". Bis 2034 soll die Raucherquote in Schottland auf unter fünf Prozent sinken.

Die Anti-Tabak-Verband Ash Scotland sieht das neue Verbot als positives Signal und zieht eine Parallele zur Anschnallpflicht in Autos. Die Vorsitzende von Ash Scotland, Sheila Duffy, weist auch darauf hin, dass selbst, wenn der Zigarettengeruch im Fahrzeug verflogen ist, die Chemikalien und Tabakstoffe immer noch in der Luft und z.B. den Sitzpolstern festsitzen.

 

In welchen Ländern herrscht Rauchverbot im Auto?

In England, Irland, Wales, Italien, Frankreich, Kanada, USA, Australien und Griechenland herrschen bereits ähnliche Rauchverbote. Die in den jeweiligen Ländern herrschenden Gesetze unterscheiden sich dabei in einigen Punkten. In Italien beispielsweisem bezieht sich das Gesetz nicht nur auf anwesende Kinder im Auto, sondern auch auf Schwangere. In England gilt das Auto-Rauchverbot nicht für Cabrios.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat schon 2005 einen Vertrag erstellt ("Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums"), dem sich bis heute 177 Länder angeschlossen haben. Diese Länder halten alle zwei Jahre eine Konferenz ab und verfolgen das Ziel, den Tabakkonsum weltweit zu verringern, indem sie verschiedene Leitlinien verabschieden (u.a. Schutz vor Passivrauch und Schutz der öffentlichen Gesundheit).

 

Was sagt die Raucherlobby zum neuen Gesetz?

Die Raucherlobby zeigt sich empört. Sie hält das verschärfte Gesetz für "unnötig", da ohnehin die meisten Raucher auf das Rauchen im Auto verzichten würden, wenn Kinder anwesend sind. Zudem sei es nicht möglich, Täter auf frischer Tat zu ertappen - es sei wie die Suche nach der "Nadel im Heuhaufen" und ohnehin eine "Bevormundung" der Menschen.

Rauchverbote werden weiter verhängt
Seit einigen Jahren werden Rauchverbote immer öfter verhängt
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Kommt das Auto-Rauchverbot auch nach Deutschland?

Gegen ein Auto-Rauchverbot in Deutschland spricht zum einen, dass der Nichtraucherschutz in Deutschland die Sache der einzelnen Bundesländer ist. Zum anderen gilt das Auto gesetzlich als privater Raum des Besitzers. Wobei: Das Rauchen in der eigenen Wohnung ist allerdings nur dann gestattet, wenn es keine anderen Menschen beeinträchtigt, wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs im Januar 2015 verkündete.

Die Polizei argumentiert, dass sich ein Auto-Rauchverbot nur schwer kontrollieren ließe. Im August kursierte ein Zitat von Arnold Lickert, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, durch die Medien: "Es ist nicht die Aufgabe der Polizei [ein solches Verbot zu kontrollieren]. Wir sind für die öffentliche Sicherheit und nicht für die Gesundheit zuständig."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert dagegen ein äquivalentes Gesetz auch für deutsche Autofahrer. Die Chemikalien aus dem Zigarettenrauch können Lungenkrankheiten wie Asthma, Bronchitis, COPD und Krebs verursachen. Passivrauch sei auch einer der Hauptrisikofaktoren für plötzlichen Kindstod. So kämpft der BKVJ für ein "Recht der Kinder auf Schutz vor Schadstoffen".

Klaus Riddering, Pressesprecher der Deutschen Kinderkrebsstiftung, plädiert ebenfalls für ein ähnliches Gesetz in Deutschland: „Wir unterstützen diese Regelung und sind davon überzeugt, dass man auch in Deutschland über ein solches Gesetz nachdenken sollte.“ 

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erreicht die Schadstoffkonzentration im Auto schon nach einer einzigen Zigarette die Werte einer Raucherkneipe - sogar bei geöffnetem Fenster. Eine Umfrage des DKFZ kam zu dem Ergebnis, dass sich 87 Prozent aller Deutschen für ein Auto-Rauchverbot "zum Schutz der Kinder" aussprechen. Das DKFZ schätzt, dass etwa ein Drittel der Raucher trotz Anwesenheit von Kindern im Auto qualmt.

Auch die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) befürwortet das Auto-Rauchverbot in Anwesenheit von Kindern. Der NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa), dass Kinder besonderen Schutz bräuchten und sich Deutschland ein Beispiel an Schottland nehmen solle.

Trotzdem - oder gerade deswegen - wird ein Rauchverbot in deutschen Autos immer wieder diskutiert. Bislang jedoch ohne Ergebnis.

Neben gesundheitlichen Aspekten wird auch gerne das Ablenkungs-Argument vorgebracht: Wer am Steuer raucht, ist abgelenkt. Für das Nutzen eines Handys am Steuer wird man schließlich aus gerade diesem Grund mit Bußgeld und Flensburg-Punkten bestraft.

In Deutschland gibt es sogar ein Gesetz, das Auto-Rauchern verbietet, die Kippe aus dem Fenster zu werfen. Strafgeld: zwischen 20 und 50 Euro. Grund: Umweltverschmutzung.

Auch der Appetit auf eine Zigarette kann den Rauchern gehörig vergehen, seitdem Schockbilder auf den Schachteln gesetzlich vorgeschrieben sind.

Dass ein Auto-Rauchverbot früher oder später auch in Deutschland beschlossen wird, ist also nur eine Frage der Zeit. Die Bundesärztekammer und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (Marlene Mortler) haben schon 2015 ein Auto-Rauchverbot gefordert, wenn Kinder im Fahrzeug sitzen. Erst im Sommer rief Mortler Eltern dazu auf, Rücksicht auf ihre Kinder zu nehmen: "Selbst rauchen ist das eine, die Gesundheit anderer zu belasten, das andere."

Aber vielleicht wird es bis dahin auch keine Raucher mehr in Deutschland geben. Denn die sind wohl oder übel vom Aussterben bedroht - man möge meinen: Gott sei Dank.

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