Unterwegs mit KindernTipps für entspanntes Reisen mit Kindern

Mit einem vergnügten Kind, reist es sich wesentlich stressfreier.
Mit einem vergnügten Kind, reist es sich wesentlich stressfreier.
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Die Sommerferien neigen sich dem Ende und viele Eltern werden es wieder einmal erlebt haben: stundenlange Quengelei auf der Reise. Laut einer forsa-Umfrage der Deutschen Bahn ist das für Mütter und Väter der größte Stressfaktor, wenn es ums Reisen geht. Mit den Tipps für entspanntes Reisen mit Kindern von Kinder- und Jugendpsychologin Oggi Enderlein und Familienexpertin Cornelia Gaumann, startet der nächste Urlaub garantiert entspannt.

Eltern, die mit ihrem Nachwuchs verreisen, werden ein Lied davon singen können, dass die lieben Kleinen nach einiger Zeit dann doch etwas laut und unruhig werden. Sie zappeln und quengeln was das Zeug hält, was auf Dauer sehr anstregend sein kann und auch unangenehm, weil sich die genervten Blicke der Sitznachbarn wie Pfeile anfühlen, die es von allen Seiten hagelt. Schnell kommt es zu Reibungen und bereits bevor das Urlaubsziel erreicht ist, hängt der Haussegen schief. Was Eltern nicht verstehen ist, dass das Gequengel der Kinder kein Ausdruck von Ungeduld ist, sondern vielmehr von echtem Stress.

Platzmangel bedeutet für Kinder puren Stress

Auf Reisen in Bus, Bahn oder im Flugzeug, haben Kindern nicht viele Möglichkeiten, um sich zu bewegen - so, wie sie es ansonsten gerne und viel tun. Bewegung spielt für Kinder eine ganz besonders große Rolle. "Sind sie stundenlang auf ihrem Sitz festgeschnallt, suchen sie zwangsläufig Ventile", so Kinder- und Jugendpsychologin Oggi Enderlein.

Erwachsene können dieses Verhalten nur bedingt nachvollziehen und reagieren schnell gereizt. Dabei vergessen sie, dass "Bewegung in vielfältiger Weise ein wichtiger Motor für die kindliche Entwicklung" ist, wie Enderlein erklärt. Kinder erkunden ihren Körper und ihre Umwelt durch Bewegung und erwerben dadurch Wissen und setzen sich mit ihren Mitmenschen auseinander.

"Bewegung baut Stress ab und ist somit ein Schlüssel für entspannte Familienreisen. Als Verkehrsmittel eignet sich die Bahn daher besser als etwa das Auto oder der Flieger, denn sie bietet mehr Raum, um der kindlichen Energie freien Lauf zu lassen", erläutert Enderlein.

Bewegungsdrang im Zug ausleben: Wie soll das gehen?

Das Zugfahren hat einen großen Vorteil gegenüber anderen Transportmitteln: Kinder müssen nicht über Stunden mit einem Gurt an ihren Sitz gefesselt stillsitzen, "sondern (können) sich frei zu bewegen - ob beim Spieln im Abteil oder einer Entdeckungstour durch den Zug." Um zu vermeiden, dass sich anderen Fahrgäste gestört fühlen, sollten Eltern allerdings immer ein Auge auf den Geräuschpegel haben und ihren Kindern erklären, dass Rücksicht notwendig ist.

Damit es gar nicht erst zu unentspannten Situationen mit anderen Mitreisenden kommt, gibt es in Zügen für ganz junge Gäste mittlerweile auch ausgewiesene Familienbereiche oder sogar abgetrennte Kleinkindabteile, in denen die jungen Wilden bedenkenlos ihren Bewegungsdrang nachgehen und mit Altersgenossen spielen können.

Auch größere Kinder brauchen auf Reisen eine Beschäftigung

Auch ältere Kinder wünschen sich auf Reisen eine Beschäftigung.
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Oggi Enderlein weißt in ihrem Buch "Große Kinder" darauf hin, dass Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren einen noch ausgesprägteren Bewegungsdrang haben als Kleinkinder. "Sind Mädchen und Jungen mit der Bahn unterwegs, haben sie die Gelegenheit, von Wagon zu Wagon zu streifen. Im Alleingang können sie die „Welt im Zug“ erkunden – das fördert Eigeninitiative und Verantwortung", erläutert Enderlein. Ein weiterer Vorteil bei einer Zugreise ist, dass die Kinder durch die Abfolge der unterschiedlichen Bahn-Stationen ein geografisches Verständnis entwicklen. Außerdem lernen Kinder durch das Laufen durch einen sich bewegenden Zug ihre Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit zu verbessern.

"Der Zug eignet sich ideal für kleine Entdeckungsreisen. Denn die Gefahr, sich zu verlaufen, ist ausgeschlossen. Jeder Weg führt früher oder später wieder am eigenen Sitzplatz vorbei (...)", weiß Familienexpertin Cornelia Gaumann und geht damit auf die Sorge vieler Eltern ein, dass die Kinder im Zug "verloren gehen" könnten.

Durch den Kontakt mit anderen, ihnen fremden Menschen auf Reisen verbessert sich auch die soziale Kompetenz der kleinen und großen Kinder. Treffen sie auf fremde Personen übt das Selbstbeherrschung und fördert die Menschenkenntnis. Nicht zuletzt sensibilisiert sich dadurch auch das Gefühl für Situationen in denen Rücksicht gefragt ist.

"Und während die Kleinen vor lauter Action das Quengeln vergessen, beginnt für die Großen der Urlaub", so Gaumann.

 

5 Tipps für kinderfreundliches Reisen im Überblick

  1. Bewegungsfreiheit ist wichtig: Bei größeren Entfernungen und, wenn die Verbindung es in Hinblick auf die Zeit zulässt, eignet sich eine Zugfahrt. Sie bietet im Gegensatz zu Auto und Flieger ausreichend Platz und KIndern müssen nicht über Stunden angeschnallt auf ihrem Platz sitzen.
  2. Sinne aktivieren: Bei der Zugreise können Familien genau verfolgen, wo die Reise hingeht. Mit ausgewählten Spielen schärfen Kinder ihren Blick für Landschaften auf spielerische Weise.
  3. Ob ein Spaziergang durch die Waggons oder bloßes Strecken am Sitzplatz: Mit Bewegung verarbeiten Kinder Reisestress.
  4. Hier darf es etwas wilder werden: Privatsphäre unter Gleichgesinnten gibt es im Kleinkindabteil oder Familienbereich. Toiletten und Bistro sind praktischerweise gleich nebenan.
  5. Spielspaß für Kinder, Auszeit für Eltern: Auf ausgewählten Strecken fahren Kinderbetreuer in den Zügen mit, um mit Mini-Passagieren zu spielen, basteln und lachen.

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