SchulprogrammRoots of Empathy: Sind Babys die Lehrer von morgen?

Von Kindern kann man viel lernen – sogar dann, wenn man selbst noch eines ist. Das zeigt das Schulprogramm "Roots of Empathy". Hier sind Babys die Lehrer.

Strampler, Stoppersocken, Schnuller – so sieht wohl kaum das typische Bild eines Lehrers aus. Und doch fühlen sich die Protagonisten des Programms „Roots of Empathy“ damit pudelwohl. Sie sind in einem Alter, in dem Aussehen noch keine besonders große Rolle spielt – womit wir bereits beim ersten Grund angekommen sind, wieso man von diesen besonderen Lehrern am meisten lernen kann.

Die kanadische Organisation "Roots of Empathy" arbeitet mit Babys. Die fungieren in ihrem Konzept als Lehrer, die den Schülern das Bewusstsein für das Miteinander zurückbringen sollen. Das Schulprogramm ist mittlerweile in 11 Ländern weltweit etabliert, darunter seit 2013 auch Deutschland.

Das Prinzip der Organisation ist simpel: Babys sind unschuldig. Sie sind noch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, vertrauen, wecken vor allem Gefühle: Selbst Kinder spüren und entdecken ihren Beschützerinstinkt, wenn sie in die großen Augen eines Säuglings blicken.

Leider geht diese Art Empathie im Laufe des Lebens schnell verloren. Denn Kinder können in ihrer schonungslosen Ehrlichkeit auch sehr gemein werden – selbst im Grundschulalter kommt es immer wieder zu Mobbing-Fällen. Mitschüler werden gehänselt, ausgeschlossen, psychisch oder physisch misshandelt.

Jetzt sollen ausgerechnet Babys als Vernunftperson fungieren. Das schaffen sie tatsächlich allein durch ihre Präsenz: Indem Schulkinder mit Säuglingen in Kontakt kommen, spielen und Verantwortung übernehmen, soll ihre soziale Kompetenz gestärkt werden.

Mittlerweile ist es sogar wissenschaftlich erwiesen, dass der Umgang mit Babys das Aggressionspotenzial senken, dafür die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden, stärken kann.

Empathie ist nicht nur der Schlüssel für einen Schulalltag ohne Mobbing, sondern eine Kompetenz, die das ganze Leben über von Bedeutung ist. Das Konzept der Baby-Lehrer setzt bereits früh an und kann bestenfalls zu einer Gesellschaft mit mehr Mitgefühl verhelfen.

„Roots of Empathy“ wurde bereits 1996 von Mary Gordon in Toronto gegründet – heute ist das Konzept bereits weit über die Grenzen Kanadas verbreitet.

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