Um Abschied zu nehmenRussell Davison schläft sechs Tage in einem Zimmer mit seiner toten Ehefrau

Russell Davison schläft sechs Tage neben seiner toten Ehefrau
Aus Liebe zu ihr, schlief Russell Davison auch noch sechs Tage nach ihrem Tod noch neben ihr in einem Zimmer.
Foto: Facebook/ Russell Davison
Inhalt
  1. Die Geschichte von Russell Davison und seiner Frau Wendy
  2. Der unkonventionelle Abschied von seiner Ehefrau
  3. Doch ist diese Art Abschied zu nehmen legal?

Ende April verstirbt Russell Davisons Ehefrau Wendy an Gebärmutterhalskrebs. Um sich von ihr zu verabschieden, schläft Russell noch sechs Tage nach ihrem Tod mit ihr in einem Raum.

Zuerst klingt es vielleicht etwas befremdlich, davon zu hören, dass ein Ehemann sechs Tage lang mit seiner verstorbenen Frau in einem Zimmer schläft. Doch wer sich die Geschichte von Russell Davison und seiner Frau Wendy aus seiner Sicht hört, kann ihn vielleicht verstehen.

In einem Interview mit dem britischen Radiosender BBC Radio 4 schildert Russell Davison ganz genau, wie es zu der Entscheidung kam, sich nicht sofort nach ihrem Tod von seiner Frau zu trennen.

 

Die Geschichte von Russell Davison und seiner Frau Wendy

Wendy und Russell sind 12 Jahre alt, als sich ihre Wege zum ersten Mal kreuzen. Von da an ist es erst einmal ein ständiges Auf und Ab. Die beiden trennen und versöhnen sich wiederholt. "Beim vierten Mal stellten wir dann jedoch fest, dass wir Seelenverwandte sind und eine wirklich außergewöhnliche Beziehung hatten", sagt Russell im Radio-Interview. Das Paar zieht schließlich zusammen ins britische Derby und bekommt zwei Söhne. Doch kurz nach Wendys 40. Geburtstag im Jahr 2006 ändert sich alles für die Familie.

Ein von ihrem Arzt durchgeführter Abstrich zeigt, dass Wendy einige auffällige Zellen hat. Kurze Zeit darauf erhält Russells Ehefrau die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. "Es waren katastrophale Neuigkeiten für uns", erklärt der Ehemann. Schon Wendys Mutter verstarb aufgrund einer Gebärmutterhalskrebserkrankung - zu diesem Zeitpunkt war Wendy gerade 18 Jahre alt.

Wendy reagierte auf diese Diagnose "mit einer unglaublichen Energie". Es folgen harte Jahre, in denen Wendy unermüdlich gegen den Krebs kämpft. Sie unterzieht sich sich mehreren Chemotherapien, nimmt unzählige Medikamente und krempelt ihr gesamtes Leben um. Jahrelang verzichtet sie auf Zucker, Alkohol, auf eigentlich alles, was ihrem Körper schaden könnte. Russell ist dabei immer an ihrer Seite und macht jede Umstellung mit, um seiner Frau eine Stütze zu sein. "Sechs Jahre lang lebten wir quasi wie Mönche", sagt Russell. Die ganze Zeit über hatte Wendy keine Angst davor zu sterben, obwohl der Krebs sich nicht besiegen lässt.

Dann kommt leider der schicksalshafte Tag: Drei Jahre nach ihrer nun mehr zweiten Krebsdiagnose - inzwischen ist Wendy seit 7-8 Jahren in Behandlung - teilen ihr ihre Ärzte mit, dass sie nur noch sechs Monate zu leben hat. Zu diesem Zeitpunkt ändert sich etwas Entscheidendes für Wendy. "Sie kam an den Punkt, an dem sie sich dachte 'Ich möchte mich auf mein Leben und nicht mehr auf den Krebs konzentrieren'", sagt ihr Ehemann.

Das Ehepaar bricht zu einer Europareise auf. Diese müssen sie allerdings im September letzten Jahres vorzeitig abbrechen, da Wendy inzwischen zu sehr auf ärztliche Hilfe angewiesen ist. Sie benötigt Medikamente, um die Schmerzen noch unter Kontrolle zu haben. Darum wird sie ins Royal Derby Hospital eingewiesen. Doch für Wendy steht fest, dass sie hier nicht sterben möchte. Sie entlässt sich also selbst und begibt sich in die Obhut ihrer Familie.

24 Stunden am Tag muss sie umsorgt werden und es geht ihr fortwährend schlechter. Am 21. April verstirbt Wendy schließlich im Alter von 50 Jahren und nach einem jahrelangen harten Kampf gegen den Krebs in den Armen ihres Mannes.

 

Der unkonventionelle Abschied von seiner Ehefrau

Ab diesem Moment nimmt alles einen anderen Lauf, als es normalerweise der Fall ist. Anstatt sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen und den Todesfall zu melden, kontaktiert Russell den Hausarzt der Familie, der den Tod seiner Frau ordnungsgemäß feststellt. Daraufhin wäscht und kleidet der Ehemann selbst seine Frau liebevoll. Ein Bestatter wird nicht verständigt.

Die Familie bettet Wendy in einen bereits vor Monaten zusammen mit ihr ausgesuchten Sarg. Sechs Tage lang liegt sie nun noch in ihrem eigenen Schlafzimmer, das sie mit ihrem Mann Russell so viele Jahre teilte. Auch nach ihrem Tod schläft er weiterhin mit seiner Frau in einem Raum.

Russell ist sich natürlich bewusst, dass dies auf viele Menschen mehr als merkwürdig wirkt. "Abgesehen davon, dass ich trauerte, war für mich nichts komisch daran", erklärt Russell. Für ihn und seine Familie war es genau der richtige Weg, um sich von Wendy zu verabschieden. In den sechs Tagen wurden auch viele andere Familienmitglieder und Freunde eingeladen, die ebenfalls die Möglichkeit hatten, Wendy so noch ein letztes Mal zu sehen.

 

Doch ist diese Art Abschied zu nehmen legal?

Russell sagt es im Interview ganz deutlich: "Wir wollten nicht, dass Wendys Körper in eine Leichenhalle gebracht wird und wir wollten nicht, dass der Leichenbeschauer involviert ist." Doch dies ist eigentlich der übliche Weg.

Dennoch setzte sich die Familie nicht über die Gesetzte und Regeln hinweg. Es mussten allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden. Da es notwendig ist, dass ein Arzt den Tod feststellt, setzte sich die Familie mit einem Doktor in Verbindung, der Wendy kannte und zu ihr kommen konnte. Auch mit dem Krankenhaus wurde abgesprochen, dass Wendy, in dem Fall, dass sie doch dort versterben sollte, auf jeden Fall nicht in die Leichenhalle gebracht wird.

Grundsätzlich ist es in Großbritannien nicht illegal, den Körper eines verstorbenen Menschen in seinem eigenen Haus zu verwahren.

Wendy wurde schließlich nach sechs Tagen verbrannt und im Rahmen einer intimen Zeremonie bestattet.

Für den Fall, dass er selbst sterben sollte, wünscht sich Russell, dass seine Liebenden sich genauso von ihm verabschieden werden, wie er sich von seiner Frau Wendy verabschiedet hat.

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(ww8)

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