Ruthenium-106Russland: Atomunfall für erhöhte Radioaktivität in Europa verantwortlich?

Zwischen Ende September und Anfang Oktober wurden in Europa erhöhte Werte des radioaktiven Ruthenium-106 gemessen. Ist ein Atomunfall in Russland dafür verantwortlich?

In mehreren europäischen Ländern wurde zwischen Ende September und Anfang Oktober 2017 eine erhöhte Radioaktivität festgestellt. Grund dafür waren vorübergehend angestiegene Werte des radioaktiven Isotops Ruthenium-106. Auch in Deutschland - genauer im sächsischen Görlitz an der Grenze zu Polen- wurden höhere Werte gemessen. Eine gesundheitliche Gefahr bestand aber nach Aussage von Forschern nicht, da die Werte dafür zu niedrig waren. 

Russland: Atomunfall für erhöhte Radioaktivität verantwortlich?
Ist ein Atomunfall in Russland für die erhöhten Ruthenium-106-Werte verantwortlich?
Foto: iStock

Wie das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bereits Anfang Oktober mitteilte, befand sich die Quelle der erhöhten Werte "mit hoher Wahrscheinlichkeit" in einem Gebiet im südlichen Ural. Lange gab es für diese Vermutung jedoch keine Bestätigung - bis jetzt.

Nun hat der russische Wetterdienst die Theorie der Experten untermauert und bestätigt, dass Ende September in Regionen des Landes eine "äußerst hohe" Konzentration des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 gemessen wurde. Sie soll in dem betroffenen Teil das bis zu 1000-fache des in Russland erlaubten Wertes erreicht haben. Der höchste Wert wurde nach Berichten des russischen Wetterdienstes in der Messstation Argajasch festgestellt. Das Dorf liegt in der Region Tscheljabinsk im südlichen Ural.

Wäre es zu einem vergleichbaren Vorfall mit erhöhter Radioaktivität in Mitteleuropa gekommen, hätte dies eine Evakuierung von mehreren Kilometern im Umkreis der Strahlungsquelle nach sich gezogen. 

Ursprung solch hoher Werte könnte zum Beispiel ein Atomunfall in der Wiederaufbereitungsanlage Mayak sein. Aber auch das Forschungszentrum für Atomreaktoren (RIAR) in Dimitrowgrad kommt als Quelle infrage.

Die russische Atomaufsichtsbehörde Rosatom streitet aber, dass ein Atomunfall in Russland für die erhöhte Ruthenium-106-Konzentration verantwortlich ist. "Es gab keinerlei Zwischenfälle innerhalb der nuklearen Infrastruktur Russlands", so ein Rosatom-Vertreter gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Doch das besänftigt nicht den russischen Greenpeace-Ableger. Man wolle nun von der Staatsanwaltschaft verlangen "Ermittlungen über die mögliche Verschleierung eines Atomunfalls einzuleiten", so heißt es nach Angaben der Organisation.

Rosatom hatte noch Mitte Oktober behauptet, dass zwischen dem 25. September und 7. Oktober 2017 kein Ruthenium-106 gemessen werden konnte. Nur in St. Petersburg seien die Werte leicht erhöht gewesen. Dies widerlegte nun der Bericht des russischen Wetterdienstes. 

(ww8)

 

Kategorien: