Reha & Co.Schlaganfall: Über die Behandlung der Folgen und Rehabilitation

Was erwartet Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben? In den meisten Fällen eine Rehabilitation. Wie sie aussieht und was die Patienten erwartet - ein Interview mit Facharzt Dr. Paulus.

Schlaganfall gilt in Deutschland inzwischen als Volkskrankheit. Rund 270.000 Menschen pro Jahr erleiden hierzulande einen Hirnschlag. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem - neben Krankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose - auch Übergewicht, ungesunde Ernährung und Rauchen. (HIER gibt es mehr Informationen zum Schlaganfall)

Hat man einen Schlaganfall erlitten, folgt häufig eine Operation und eine anschließende Rehabilitation (kurz: Reha), um beispielsweise mögliche Lähmungen oder Sprachstörungen zu vermeiden bzw. auszukurieren.

Doch wann sollte man mit der Reha beginnen? Wer organisiert sie und wer trägt die Kosten? Wie genau eine Reha verläuft und welche Rechte und Pflichten Patienten haben, erklärt Dr. Hermann J. Paulus, ärztlicher Direktor und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie der vita nova Klinik, im Interview.

Dr. med. Hermann J. Paulus Ärztlicher Direktor und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie vita nova Klinik Bad Salzuflen

Dr. med. Hermann J. Paulus ist Ärztlicher Direktor und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in der vita nova Klinik (Bad Salzuflen, NRW)

 

Wer muss nach einem Schlaganfall eine Reha machen, Dr. Paulus?

Keiner muss - aber jeder sollte nach einem Schlaganfall (natürlich abhängig vom Schweregrad) eine Reha machen. Das Ziel sollte letztendlich sein, dass der Schlaganfall-Patient in sein normales Leben zurückkehren kann und mögliche Folgeschäden des Schlaganfalls bestmöglich behoben werden. 

 

Wann sollte man mit einer Reha nach dem Schlaganfall beginnen?

Die Frage ist hier, was man unter einer Reha versteht. Es gibt eine frühe Reha, die direkt in der Akutphase in der Klinik beginnt. Da  geht es darum, den Patienten möglichst früh zu mobilisieren. Denn je früher Betroffene wieder aktiviert werden, umso besser stehen die Chancen der Rehabilitation. Natürlich müssen dann die Umstände passen. Beispielsweise sollte der Patient einen stabilen Kreislauf haben. Die Regel ist: Erst Stabilisierung dann Rehabilitation.

 

Wer ist dafür zuständig, die Reha zu beantragen?

Die Beantragung einer Reha ist immer die Aufgabe des Krankenhausarztes und des Sozialdienstes. Die Ärzte stellen dabei die Anträge und der Sozialdienst vermittelt die entsprechenden Einrichtungen an den Patienten. 

 

Wie lange dauert eine verordnete Reha?

Das ist ganz individuell und abhängig vom Schweregrad des Schlaganfalls beziehungsweise der Schlaganfallfolgen. Eine Reha ist in Phasen unterteilt, die von A-F gestaffelt sind und den Patienten in seiner Selbstständigkeit bewerten. Begibt sich der Patient nach der Akutphase im Krankenhaus in eine weiterführende Reha, nennt sich dies Anschluss-Heil-Behandlung. Der Betroffene befindet sich dann bereits in Phase D der neurologischen Behandlung. In der Regel dauert eine Reha drei Wochen und dann wird je nach Zustand des Patienten entschieden, ob die Reha-Behandlung verlängert wird.

 

Wie oft muss ein Patient zur Reha?

Je nach Zustand des Patienten ist es gerade in der Frühphase der Reha-Behandlung üblich, dass die Maßnahmen mehrmals täglich stattfinden. Für den Patienten muss dabei aber auch gewährleistet sein, dass er an den täglichen Reha-Maßnahmen teilnehmen kann. Deswegen werden gestufte Reha-Programme in Spezialkliniken angeboten. 

 

Unter welchen Umständen wird eine Reha verlängert?

Das hängt immer vom Zustand des Patienten ab. Die Anschluss-Heil-Behandlungen dauern in der Regel drei Wochen und dann muss geschaut werden, inwiefern das Rehabilitationsziel in dieser Zeit erreicht werden konnte. Es gibt Patienten, für die diese drei Wochen ausreichen. Andere Patienten brauchen hingegen Monate für ihre Rehabilitation. Die Rehabilitationsziele werden ganz individuell nach Zustand aber auch nach Alter des Patienten festgelegt. Bei jungen Patienten kommt es häufig darauf an, dass sie wieder in das Arbeitsleben integriert werden. Wohingegen bei älteren Patienten die selbstständige Alltagsbewältigung im Vordergrund steht.

 

Wer bezahlt für die Rehabilitation?

Die Reha-Maßnahme wird vollständig von der Krankenkasse bezahlt. Als Eigenleistung müssen lediglich 10,00 Euro Krankenhausgebühr pro Tag gezahlt werden. Diese Gebühr muss allerdings maximal 42 Tage gezahlt werden.

 

Welche Rechte & Pflichten hat der Patient bei einer Reha?

Der Patient hat grundsätzlich das Recht eine Reha-Maßnahme abzulehnen oder die Reha vorzeitig abzubrechen. Durch die Antragstellung des Arztes hat ein Patient letztendlich ein Anrecht darauf an einer Reha teilzunehmen. Dann hat der Patient aber auch die Pflicht – im Rahmen seiner Möglichkeiten – mitzuwirken, um das Rehabilitationsziel schnellstmöglich zu erreichen. 

 

Kann sich der Patient auf die Reha vorbereiten?

Eine spezielle Vorbereitung auf eine Reha gibt es in dem Sinne nicht. Der Patient wird lediglich vom Arzt darüber informiert, was in der Reha auf ihn zukommt – spezielle Vorbereitungen müssen da nicht getroffen werden. Bei der Reha-Einrichtung selbst kann der Patient sich dann im Falle einer stationären Maßnahme vorab informieren, was er für den Aufenthalt mitbringen muss (zum Beispiel: Sportbekleidung).

 

Wo muss die Reha stattfinden?

Theoretisch kann der Patient die Reha überall machen und Wünsche äußern. Dafür müssen allerdings bestimmte Anträge bei den Versicherungsträgern gestellt werden. In der Regel versucht man dem Wunsch auf eine wohnortnahe Reha nachzukommen. Bei älteren Menschen könnte es dabei allerdings auch eine Rolle spielen, ob der Patient nach der Reha-Maßnahme überhaupt noch selbstständig zu Hause leben kann oder gegebenenfalls in ein Pflegeheim muss. Dann ist eine Reha auch außerhalb des Wohnortes, beispielsweise dann an dem Ort, wo auch das ausgewählte Pflegeheim stationiert ist, denkbar.

 

Gibt es spezielle Reha-Kliniken nur für Schlaganfallpatienten?

Ja, die gibt es. Das Reha-Programm ist dann speziell auf solche Patienten zugeschnitten. Im Internet kann man unter www.schlaganfall-hilfe.de nachschauen in welchen Städten es spezielle Rehakliniken für Schlaganfallpatienten gibt.

 

Wie verläuft eine Reha für Schlaganfall-Patienten?

Die Reha beinhaltet Therapien wie Physio-, Ergo-, und Sprachtherapie. Welche Behandlung für welchen Patienten in Frage kommt, hängt davon ab, welches Organsystem betroffen ist. Dabei geht es auch darum, dem Patienten aufzuzeigen, welche Schutzmaßnahmen er treffen kann, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen. Dazu gehören beispielsweise

  • ausreichend Bewegung
  • eine gesunde Ernährung
  • Verzicht auf Rauchen
  • regelmäßige Folgeuntersuchungen beim Arzt und
  • das Einhalten der Medikamenteneinnahme.
 

Woher weiß der Patient, ob eine stationäre oder eine ambulante Reha für mich besser geeignet ist?

Die Vor- und Nachteile einer stationären beziehungsweise ambulanten Reha können so pauschal gar nicht genannt werden. Letztendlich entscheidet der Zustand des Patienten darüber, welche Art der Reha für seine Genesung am besten geeignet ist.

Eine ambulante Reha kommt zum Beispiel nur für Betroffene in Frage, die soweit mobilisiert sind, dass sie eigenständig beziehungsweise mit Hilfe von Angehörigen zu Hause leben können, aber trotzdem noch Funktionsstörungen vorliegen, die mit Hilfe von Therapeuten behandelt werden müssen. Es gibt aber auch teilstationäre Reha-Behandlungen, bei denen der Patient zwar in einer Einrichtung behandelt wird, aber bereits wieder zu Hause lebt.

 

Was muss der Patient während einer Reha beachten?

Wichtig ist vor allem, dass der Patient motiviert ist beziehungsweise motiviert wird und so aktiv bei der Behandlung und letztendlich beim Rehabilitationsziel mitwirken kann. Motivation ist das A und O, um die Reha schnellstmöglich und erfolgreich abschließen zu können.

 

Soll der Patient während der Reha-Zeit auch zu Hause Übungen machen?

Unbedingt – all das, was ein Patient während seiner Reha gelernt hat, sollte bestmöglich auch zu Hause umgesetzt und weiter trainiert beziehungsweise verbessert werden. Hier lautet das Credo: Je mehr, desto besser! Ein „zu viel“ an Bewegung gibt es nicht. 

 

Wann kann eine Reha auch abgelehnt werden?

Grundsätzlich kann eine Reha selbstverständlich immer vom Patienten abgelehnt werden - für die Genesung des Betroffenen ist das allerdings fatal! Schließlich wird die Reha vom Arzt verordnet, um Funktionsstörungen wie beispielsweise Sprach- oder Gangstörungen zu beheben und den Patienten wieder alltagsfähig zu machen.

 

Was muss ein Patient nach Abschluss der Reha beachten?

Nach der Reha ist es wichtig, dass der Patient weiterhin am Ball bleibt. Dabei kommt es vor allem auf ausreichend Bewegung, eine gesunde Ernährung und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme an. Gerade bei älteren Patienten ist es häufig hilfreich, dass die Einnahme der Medikamente von Außenstehenden kontrolliert wird um sicher zu gehen, dass diese nicht vergessen wird.

 

Welche Reha-Übungen können Schlaganfall-Patienten zu Hause machen?

Alles das, was in der Reha trainiert wurde, sollte auch zu Hause fortgeführt werden. Die Übungen sind dabei ganz individuell auf die jeweiligen Schlaganfallfolgen des Patienten zugeschnitten. Bei vielen Betroffenen sind es vor allem Übungen für die Bewegungsapparate (Arme und Beine) oder auch für die Sprachförderung.

Häufig ist es so, dass Patienten dazu neigen – gerade bei einseitigen Lähmungen – die Übungen mit der gesunden Körperhälfte auszuüben. Dafür gibt es aber einige Tricks wie beispielsweise die Fixierung des gesunden Armes beziehungsweise Beines, um gezielt die beeinträchtigte Körperhälfte zu trainieren. Auch diese Hilfestellungen werden dem Patienten im Rahmen einer Reha mit auf den Weg gegeben, um das Training zu Hause bestmöglich fortzusetzen.

 

Dr. Paulus, vielen Dank für das Gespräch.

Schlaganfall-Patienten können auch zu Hause Reha-Übungen durchführen. Alles, was sie dafür brauchen, ist ein elastisches Gymnastikband (auch Fitness- oder Therapie- oder Theraband genannt). Es besteht in der Regel aus dünnem Latex oder Naturlatex (zwischen ein und drei Meter lang) und wird häufig in der Physiotherapie zum Krafttrining eingesetzt.

Folgende Übungen können Schlaganfall-Patienten zu Hause durchführen:

Übungen mit Gymnastikband
Übungen mit einem elastischen Gymnastikband dienen zur Kräftikung der Muskulatur - z.B. nach einem Schlaganfall.
Foto: Rote Karte dem Schlaganfall
Gymnastikband Übungen 1
Die Kräftigungsübungen lassen sich einfach zu Hause ausführen.
Foto: Rote Karte dem Schlaganfall
Kräftigungsübungen nach Schlaganfall
Schulter, Arme und Hände werden durch die Übungen gezielt angesprochen.
Foto: Rote Karte dem Schlaganfall

Weitere Übungen findest du in der Broschüre von Rote Karte dem Schlaganfall - HIER

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