Paracetamol, Ibuprofen & Co.Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Was ist erlaubt?

Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft nicht wahllos eingenommen werden.
Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft nicht wahllos eingenommen werden.
Foto: iStock

Darf ich in der Schwangerschaft eigentlich Schmerzmittel nehmen? Und wenn ja, welche? Was werdende Mütter über Paracetamol, Ibuprofen und Co. wissen müssen.

Schmerzmittel sind keine Bonbons. In der Schwangerschaft sollten wir jedoch besonders aufpassen, ob und welche Medikamente wir zu uns nehmen.

Viele werdende Mütter verzichten prinzipiell auf Schmerzmittel, um ihrem Kind nicht zu schaden. Das ist auch gut so – doch wenn die Schmerzen zu stark werden, darf sogar zu Medikamenten gegriffen werden. Schließlich leidet das Kind mit. Doch hier kommt es auf das Schmerzmittel und die Dosierung an.

 

Schmerzmittel in der Schwangerschaft? Das sagt der Experte

Wir haben bei Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, nachgefragt:

"Schmerzen haben in aller Regel eine Ursache. Kopfschmerzen in der Schwangerschaft können durch Eisenmangel und Blutarmut, zu niedrigen oder zu hohen Blutdruck, Erschöpfung und vieles mehr verursacht werden, auch durch Zahnentzündungen oder schwere Nackenverspannungen. Schmerz hat jedenfalls eine Signalfunktion und sollte dazu veranlassen, die Schmerz-Ursache so schnell wie möglich zu beseitigen.

Auf der anderen Seite verursacht Schmerz Stress, und es ist bekannt, dass anhaltender (!!) Stress das Risiko für vorzeitige Wehen und Frühgeburten erhöht. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass ein Teil der Stresshormone und die Neurotransmitter, die der mütterliche Organismus bei Schmerz und Stress ausschüttet, auch zum Kind gelangen können.

Deshalb sollten die Ursachen für Schmerzen wenn irgendmöglich behoben werden. Wenn das nicht schnell genug möglich ist, oder wenn eine chronische Krankheit vorliegt, die mit Schmerzen verbunden ist, dann sollte in engmaschiger Betreuung mit dem Frauenarzt und den anderen zuständigen Fachärzten eine Schmerztherapie gewählt werden, die so effektiv wie möglich, so kurzzeitig wie möglich und so niedrig dosiert wie möglich sein sollte, und die der Schwangeren und dem Kind keinen Schaden zufügt.

Bei kurzzeitiger Verwendung ist Paracetamol nach wie vor ein geeignetes Medikament. Eine über Wochen hinweg gehende, hoch dosierte Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft kann in erster Linie die Leber der Schwangeren erheblich schädigen bis hin zum Leberversagen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Arzneimittel bei einer Dauereinnahme auch Veränderungen beim Embryo verursacht."

9 Krankheiten, die durch eine Schwangerschaft geheilt werden können

 

Welche Schmerzmittel dürfen Schwangere nehmen? Welche schaden?

Auf dem Portal embryotox können sich Frauen über 800 weitere Medikamente und ihre Wirkung auf das Baby informieren. Das ist zu den gängigsten Schmerzmitteln bekannt:

Paracetamol

Paracetamol hat keinen allzu guten Ruf. Zwar ist es ein beliebtes Schmerzmittel, wo eine Wirkung ist, existiert allerdings oft auch eine Nebenwirkung. Paracetamol steht beispielsweise unter anderen in Verdacht, die Leber zu schädigen. In der Schwangerschaft ist es aber bisher die erste Wahl. Es besteht kein Risiko für Fehlbildungen.

Trotzdem steht Paracetamol im Verdacht, ADHS und Asthma auszulösen. Über die Zusammenhänge streiten sich Mediziner allerdings, bisherige Studien wurden in ihrer Methodik kritisiert. Auch hier kommt es vor allem auf die Dosierung an. 

Parcetamol gilt immer noch als vorzuziehendes Medikament in der Schwangerschaft. Trotzdem sollte es bestenfalls nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Es kann im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln auch im letzten Schwangerschaftsdrittel noch verwendet werden.

Im Video: Ist Sex während der Schwangerschaft schädlich?

 

Ibuprofen

Ibuprofen darf nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Danach wird das Schmerzmittel zur Gefahr für das ungeborene Kind. Es kann zum Gefäßverschluss und Nierenproblemen kommen.

Aus diesem Grund sollte strikt darauf geachtet werden, Ibuprofen nicht zu lange und keinesfalls im letzten Schwangerschaftsdrittel einzunehmen.

Diclofenac

Dasselbe gilt für Disclofenac, das wie Ibuprofen zu den NSAR (Nichtsteroidalen Antirheumatika) gehört. Auch dieses Schmerzmittel sollte lediglich in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln eingenommen werden.

ASS

Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure, wie Aspirin, sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Aufgrund seiner blutverdünnenden Wirkung erhöht Aspirin das Risiko für innere Blutungen. Gleichzeitig kann es zu einem Gefäßverschluss in der Herzgegend kommen.

Sumatriptan

Gute Nachrichten für Migräne-Patienten. Obwohl Migräne manchmal sogar durch die Schwangerschaft geheilt wird, dürfen Frauen, sollten die Kopfschmerzattacken doch auftreten, zu Sumatriptan greifen. Erfahrungen zufolge ist das Risiko für Fehlbildungen nicht erhöht.

Stattdessen kann man es aber auch erst einmal mit Entspannung versuchen: Yoga Nidra: Die beste 20-Minuten-Übung gegen Migräne

Wie so oft gilt also: Auf die Dosierung kommt es an. Trotzdem sollte jede Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft dokumentiert und bestenfalls mit einem Arzt abgesprochen werden.

Manchmal hilft auch die Natur: Globuli oder Kräuter? 56 natürliche Schmerzmittel

(ww4)

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