Vor den Ferien in den Urlaub Schulschwänzer: Was Eltern erwartet, wenn sie ihre Kinder früher aus der Schule nehmen

In Deutschland gilt die Schulpflicht. Wer sein Kind also vor den Ferien unentschuldigt früher aus der Schule nimmt, macht sich strafbar. Die Polizei soll jetzt sogar gezielt Schulschwänzer jagen.

Inhalt
  1. Schule schwänzen: Was sagt das Gesetz?
  2. Die Polizei greif immer härter durch
  3. Offizielle Beurlaubung vom Unterricht: Geht das? 
  4. Müssen die Schulschwänzer-Razzien wirklich sein? 

Weniger Verkehr, günstigere Flüge und Hotels. Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt, trotzdem verlängern immer mehr Eltern die Schulferien ihrer Kinder, ohne die Schule um Erlaubnis zu fragen. Sicherlich auch um das ein oder andere Reiseschnäppchen zu machen, denn sobald die Schulferien beginnen, steigen auch die Preise. Wer beim Familienurlaub also eh jeden Cent zweimal umdrehen muss, greift zu dieser Maßnahme und nimmt sein Kind einfach ein paar Tage früher aus der Schule. 

In Bayern und Baden-Würtemberg haben gerade die Pfingstferien begonnen. Die Polizei hat hier bereits in den Tagen vor Pfingsten gezielt jagd auf Schulschwänzer gemacht. Allein im Flughafen Memmingen haben die Beamten mehr als 20 Eltern beim zuständigen Landesamt angezeigt, weil sie ihre Kinder zu früh aus der Schule genommen haben. 

 

Schule schwänzen: Was sagt das Gesetz?

In Deutschland gilt die allgemeine Schulpflicht seit 1919. Eine bundesweite Regelung gibt es allerdings nicht, denn der staatliche Erziehungsauftrag findet sich zwar im Gesetzbuch, Details sind aber Ländersache. Dauer und Inhalt der Schulpflicht regelt also jedes Bundesland selbst, genauso wie die Strafen und Sanktionen die gegen Schulschwänzer und ihre Eltern verhängt werden. 

Bleiben die Kinder dem Unterricht ohne Zustimmung der Schule fern, drohen den Eltern Verwarn- oder Bußgelder. Die Höhe der Strafen legen die Kommunen selbst fest. Das beginnt bei wenigen Euro pro Tag und kann in Berlin zum Beispiel bis zu 2.500 Euro kosten. 2013 wurde in der Hauptstadt eine Mutter sogar zu 9 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Allerdings hatte ihr Sohn auch fast 1.000 Tage die Schule geschwänzt. 

 

Die Polizei greif immer härter durch

Die Zahl der Schulschwänzer steigt und daher greift auch die Polizei immer härter durch. In Berlin wurden im Schuljahr 2016/17 in mehr als 860 Fällen Bußgelder gegen die Eltern verhängt. Bevor das Bußgeld verhängt wird, gehen Gespräche mit den Eltern voraus. Doch wenn diese erfolglos bleiben, flattert der Bescheid ins Haus. Nicht selten bemühen sich die Vollzugsbeamten vergeblich, das Bußgeld bei den Familien einzutreiben. Nicht selten sind die Familien zu arm, um die Strafe begleichen zu können.

Denn auch wenn sich die Vergehen in der Zeit vor den Ferien häufen, eine Vielzahl der Schulschwänzer sind Kinder aus bildungsfernen Schichten, die dem Unterricht fernbleiben. 

 

Offizielle Beurlaubung vom Unterricht: Geht das? 

Im Hamburger Schulgesetz regelt der Paragraf 28 zum Beispiel, dass Kinder bis zu sechs Wochen vom Unterricht beurlaubt werden können, wenn sie "einen wichtigen Grund" haben. In Thüringen und Bayern wird dieser Sonderurlaub nur genehmigt, wenn es sich um einen "dringenden" oder "begründeten Ausfall" handelt.

Eltern können dieses Schlupfloch also nutzen und offiziell die Schule um Erlaubnis bitten, beispielsweise, wenn die Eltern nur außerhalb der Ferien Urlaub bekommen, es sich um einen Bildungsurlaub handelt oder Ähnliches. Die Aussichten auf Erfolg hängen sowohl von der Schule als auch von der zuständigen Kommune ab. Nach einem Gespräch mit den Lehrern und der Schulleitung wird der Fall von der Schulbehörde geprüft. Geben die grünes Licht, steht dem Urlaub nichts im Weg. 

 

Müssen die Schulschwänzer-Razzien wirklich sein? 

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt über 22 Millionen Überstunden. Kein Grund für die Kommunen ihre Beamten nicht an den Flughafen nach Schulschwänzern Ausschau zu halten. Nun kann man natürlich zu Recht sagen, dass die Polizei doch eigentlich Besseres zu tun hat. Statt Schulschwänzer sollten sie lieber Drogen-Dealer vor Schulen dingfest machen, werden viele sagen. Andere finden die Aktion wichtig. Denn schließlich macht die allgemeine Schulpflicht nur Sinn, wenn sich alle daran halten. Und was sind Eltern für Vorbilder für ihre Kinder, wenn sie mit einem falschen Arzt-Attest betrügen, nur um günstiger in den Urlaub fahren zu können? 

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