Silvester in BerlinSchutzzonen am Brandenburger Tor - und für wen genau?

Am Brandenburger Tor gibt's in der Silvesternacht eine Women's Safety Area. Geht's noch? 

Schutzzonen am Brandenburger Tor - und für wen genau?
Foto: Nikada / iStock

KOMMENTAR

In Berlin soll bei der Silvesterfeier am Brandenburger Tor eine Schutzzone für Frauen errichtet werden. In der sogenannten Women's Safety Area können sich Frauen einfinden, die sexuell belästigt wurden oder Schutz suchen.

Ich finde die Idee absurd. Zunächst mal ganz praktisch: Werde ich in dieser Nacht angegriffen oder bedroht, halte ich also am besten kurz inne, orientiere mich, suche nach der Safety Area und mache mich auf den Weg durch das zu erwartende Gewühle, um dort vorstellig zu werden? Logistisch stelle ich mir die Umsetzung der Idee also schon mal schwierig vor ... Muss ich dort angekommen wohl eine Nummer ziehen oder wird man ähnlich wie in einer Notfall-Ambulanz nach Dringlichkeit aufgerufen?

Schwarzer Humor beiseite, was für mich noch dringender ist: Was bitte ist das für ein Signal? Ich kann verstehen, dass man sich nach den Übergriffen im vergangenen Jahr Sorgen um die Sicherheit und die damit einhergehende Feierlaune der Berliner und ihrer Gäste macht. Was ich nicht verstehe, ist der Aktionismus und die damit einhergehende Herangehensweise an das Problem. Ist es utopisch von mir mir zu wünschen, nicht von den potentiellen Opfern etwas zu erwarten, sondern im Vorfeld nach bestem Wissen und Gewissen für den Schutz aller Teilnehmer zu sorgen? Für mich klingt die Idee einer Schutzzone für Frauen nach Kapitulation: "Wir gehen davon aus, dass es Übergriffe geben wird, aber hey, hier warten Menschen darauf, dir danach Beistand zu leisten!" 

Möchte ich an einem Ort Silvester feiern, an dem schon einkalkuliert wird, dass man dort für meine Sicherheit nicht garantieren kann? Ich denke nicht. Vielleicht gehört es heutzutage ja einfach dazu, dass man an großen öffentlichen Orten ein gewisses Risiko eingeht. Aber wenn ich dieses Risiko eingehe und dann etwas passiert, möchte ich nicht mit Sicherheit nicht hören: "Aber wenigstens haben wir uns um dich gekümmert." Für mich lädt die Women's Safety Area dazu ein, Verantwortung abzugeben. Verantwortung, die dann leider zu schnell doch auch wieder bei den Opfern landet - und das will doch wohl niemand. 

Für den Fall der Fälle: 

 
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