BewegungSchweden: Sportpflicht für Angestellte!

Immer mehr schwedische Unternehmen verpflichten ihre Angestellten dazu, Sport zu treiben. Wer sich verweigert, hat keine Zukunft in der Firma. Kommt dieser Arbeits-Trend jetzt nach Deutschland?

Inhalt
  1. Darf der Chef Arbeitnehmer zu Sport zwingen?
  2. Sport: Keine Autonomie für Angestellte?
  3. Forscher kritisiert Sport-Pflicht

Würdest du morgens mehr oder weniger motiviert zur Arbeit gehen, wenn du wüsstest, dass dein Chef dich zum Sport zwingt? Wie die Antwort der Deutschen darauf lautet, ist noch nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass es vor wenigen Jahren zu einer bundesweiten Kontroverse führte, als Politiker verpflichtende Veggie Days in deutschen Kantinen einführen wollten. Der Tenor: Wir lassen uns doch nicht vorschreiben, was wir wann zu essen haben!

 

Darf der Chef Arbeitnehmer zu Sport zwingen?

Viele Menschen fassten den Vorschlag als Bevormundung auf. Schließlich will jeder selbst entscheiden, wie er sich ernährt. Das Argument, ein Veggie-Day sei gesund, wurde überlagert.

Nun kommt ein neuer Trend in Unternehmen auf: Statt auf Ernährung setzen Arbeitgeber jetzt auf Bewegung - zumindest in Schweden. Dort verpflichten immer mehr Unternehmen ihre Arbeitnehmer zu gemeinsamem Sport während der Arbeitszeit. Einer der Ersten war der Bekleidungshersteller Björn Borg. In dieser Firma müssen die Angestellten jeden Freitag zusammen sporteln - in der Arbeitszeit. "Wenn man nicht trainieren oder Teil der Unternehmenskultur sein will, muss man gehen", erklärte Firmenchef Henrik Bunge. 

Schweden: Sport wird Pflicht
Arbeit verpflichtet? Immer mehr schwedische Unternehmen setzen Pflicht-Sportübungen auf den Arbeitsplan ihrer Angestellten
Foto: iStock
 

Sport: Keine Autonomie für Angestellte?

Was in Deutschland vermutlich sehr kritisch gesehen wird, ist in Schweden auf Anklang gestoßen: Immer mehr Unternehmen führen verpflichtende Sportstunden bei der Arbeit ein, u.a. auch der städtische Wasserversorger Kalmar Vatten und eine Beratungsfirma. Doch warum tun sie das ihren Mitarbeitern bloß an?

Sport steigert nachweislich die Produktivität. Das heißt: Je fitter die Mitarbeiter, desto mehr Profit verspricht sich der Arbeitnehmer von ihnen. Auch sind sportliche Arbeiter gesünder und fehlen laut einer in Stockholm durchgeführten Studie im Durchschnitt um 22 Prozent seltener, als vor der Pflicht-Sportsession. Ganz nebenbei sollen die gemeinsamen Aktivitäten das Gemeinschaftsgefühl unter den Arbeitnehmern stärken.

 

Forscher kritisiert Sport-Pflicht

Woher kommt aber die Pflicht zum Sport? Den obligatorischen Sportstunden ging ein Trend voraus, der bei uns in Deutschland schon etabliert ist: Einige Unternehmen bezuschussen Sportprogramme für ihre Angestellten. Ob sie sie nutzen oder nicht, entscheidet dabei aber immer noch jeder Arbeitnehmer selbst.

Der Wirtschaftsforscher Carl Cederström der Universität Stockholm sieht die Entwicklung vom freiwilligen zum verpflichtenden Sport kritisch. In seinem Buch "Das Wellness-Syndrom: Die Glücksdoktrin und der perfekte Mensch" befürchtet er auch negative Folgen der Sport-Manie: Körperliche Fitness würde damit gleichgesetzt, ein besserer Mensch zu sein. "Dann kannst du an den Punkt gelangen, an dem Du denkst, dass Menschen, die nicht so gesund leben, die Übergewicht haben oder rauchen, weniger gute Menschen sind."

Man kann den Pflicht-Sport aber auch positiv sehen: Statt für den Sport zu bezahlen, wie in Fitnessstudios üblich, wird man für das Training bezahlt - schließlich findet es während der Arbeitszeit statt. Dass regelmäßige Bewegung gesund ist, ist ohnehin bekannt. Bliebe da nur noch die Frage der Autonomie...

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