Bitte, WAS?!

Sexueller Übergriff bei Princess Charming: Empörende Reaktion der Produktion

2021 gab es noch den Fernsehpreis, jetzt stehen die Macher einer deutschen Datingshow unter schwerem Beschuss. Es geht um einen sexuellen Übergriff während des Drehs.

Frau weint im Dunkeln
Foto: slkoceva/iStock
Triggerwarnung

Dieser Text thematisiert und beschreibt sexualisierte Gewalt. Bitte sei achtsam, wenn dich das Thema betrifft und lies den Text gegebenenfalls nicht oder nicht allein.

Der Skandal um die erste Staffel "Princess Charming" schlägt extrem hohe Wellen: Wie kann es sein, dass sowohl Opfer als auch Täterin von einem sexuellen Übergriff am Set der Datingshow berichten, Sender und Produktionsfirma diesen aber als "Einvernehmlichkeit" abtun? Kritiker*innen sind fassungslos und sprechen von Gaslighting und Täter-Opfer-Umkehr.

Mehr Themen:

Sexueller Übergriff: Keine Vorwürfe, sondern Fakten

Am 14. November lud die ehemalige "Princess Charming"-Teilnehmerin Johanna (28) ein Video auf Instagram hoch, in dem sie von einem sexuellen Übergriff am Set der ersten Staffel berichtet. Ihre Mitkandidatin Wiki (28), mit der sie sich während des Drehs auf Kreta zeitweise ein Doppelbett teilte, hat sie in einer Nacht sexuell belästigt.

Die Schilderungen fallen Jo sichtlich schwer und lassen keinen Zweifel daran, wie traumatisierend das Erlebte gewesen ist:

Einen Tag später veröffentlichte auch Wiki ein Video auf Instagram und bestätigte Jos Darstellung der Geschehnisse. "Hört auf über Vorwürfe zu sprechen, denn das sind keine Vorwürfe", betont Wiki vor laufender Kamera. "Was Johanna sagt, ist wahr und es ist passiert." Der Account der Influencerin, die in ihren Beiträgen und Videos vor allem auf das Thema Konsens setzte, liegt seitdem brach.

RTL entsetzt mit empathielosem Statement

Die erste Staffel "Princess Charming" hatte während ihrer Ausstrahlung im Sommer 2021 für Begeisterung gesorgt und schlussendlich sogar den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Unterhaltung Reality" gewonnen. Die Erwartungshaltung war dementsprechend groß: Wie würden die Verantwortlichen mit den Schilderungen umgehen?

Statt sich verantwortungsbewusst mit dem sexuellen Übergriff am Set von "Princess Charming" auseinanderzusetzen, sorgen der Sender RTL, der die queere Datingshow ausstrahlt, und die Produktionsfirma SeaPoint mit ihrer Reaktion auf Johannas Tatsachenbericht für pures Entsetzen. In einem auf Instagram veröffentlichten Statement schreiben die Verantwortlichen:

"Ein unabhängiger Anwalt ist jetzt – nach Überprüfung des kompletten Rohmaterials inklusive des Interviews vom nächsten Tag – in einem Gutachten zu der Auffassung gekommen, dass das Bildmaterial 'eindeutig für eine Einvernehmlichkeit spricht' und 'eine strafbare (ggf. versuchte) sexuelle Nötigung (…) bzw. eine sexuelle Belästigung (…) nicht belegbar sind'. Wir bedauern sehr, dass Jo die Situation anders empfindet (…)."

Community reagiert fassungslos

Während Jo auf Instagram Empathie, Liebe und vor allem lautstarke Unterstützung entgegenschlägt, rücken RTL und SeaPoint in das Zentrum eines Shitstorms. Die Vorwürfe sind so massiv wie berechtigt.

Einen Gutachter heranzuziehen, der anhand von Videoaufnahmen – also von außen draufblickend – darüber urteilt, ob Einvernehmlichkeit vorliegt oder nicht, sei eine Farce.

Victim Blaming und Gaslighting

Durch eine andere (falsche) Darstellung des Geschehenen wird aus dem Opfer ein Täter gemacht – klassisches Victim Blaming, zu Deutsch Täter-Opfer-Umkehr.

"Wie genau soll bitte eine außenstehende Person die Einvernehmlichkeit bestätigen?" fragt die österreichische Feministin und Rapperin Schwesta Ebra in den Kommentaren. Ihre Partnerin Julia, die sich auf Instagram ebenfalls für Frauenrechte einsetzt, betont: "Das ist der Grund, wieso sich so viele Betroffene nichts sagen trauen. Das ist der Grund, wieso viele lieber schweigen, anstatt zu sagen, was passiert ist."

Auch der Vorwurf des Gaslighting fällt mehrfach. RTL und SeaPoint wird eine vorsätzliche emotionale Manipulation des Opfers vorgeworfen. Aaron Königs, der 2019 als Kandidat bei "Prince Charming" dabei war, betonte, dass Einvernehmlichkeit nicht daran bemessen werden könne, ob jemand "hilferufend um sich schlägt" oder nicht. Der Reality-TV-Star kritisierte: "Wieso wird hier dem Opfer fortwährend der Wahrheitsgehalt abgesprochen? Ist euch bewusst, was das mit einer betroffenen Person machen kann???"

RTL hat auf die Flut der Vorwürfe bisher nicht reagiert. Was bleibt, ist der Mut des Opfers, das Erlebte laut auszusprechen. Unter dem Hashtag #ichhörezu erreichen Jo zigtausende Nachrichten, die ihr den Rücken stärken.

Im Video erfährst du mehr über das Handzeichen, das als Hilferuf bei häuslicher Gewalt gilt, und wie man darauf reagieren sollte!

JW Video Platzhalter
Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Artikelbild & Social Media: slkoceva/iStock

*Affiliate-Link