Interviewshare-Gründerin Iris Braun: „Ganz wenig kann ganz viel bewirken“

Bei Rewe und dm hat es eine neue Marke ins Regal geschafft: Bei share wird mit jedem Produkt an gute Zwecke gespendet – wie das funktioniert und wie man erfährt, wo das Geld landet, verrät Gründerin Iris Braun im Interview mit Wunderweib.

Täglich sterben 4.000 Kinder aufgrund von schlechter Hygiene.

600 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.

800 Millionen Menschen leiden Hunger. 

Aber wie kann man helfen? Einfach, schnell und transparent sollte es gehen. Wie das funktioniert, macht share vor. Die neue Marke will soziale Ungleichheit ein für alle mal bekämpfen. Mit jedem Produkt spendet man automatisch Geld für Hygiene, sauberes Wasser und gegen Hungersnot – ohne dass es teurer als vergleichbare Artikel ist. Auf dem Handy kann man dabei sogar genau sehen, wo das Geld hingeht.

Iris Braun ist eine der vier Gründerinnen der neuen Marke, von der es seit dem 12. März Handseife, Nussriegel und Wasser zu kaufen gibt. Mit uns spricht sie über ihren Weg in die Entwicklungshilfe und wieso auch schon wenige Cents helfen können.

 

share-Gründerin Iris Braun im Interview

Iris Braun ist eine der vier Gründerinnen von share.

Iris Braun ist eine der vier Gründerinnen von share.
Foto: Gene Glover / share

Frau Braun, wie sind Sie persönlich zur Entwicklungshilfe gekommen?

„Meist kommen solche Entscheidungen ja aus einem privaten Moment heraus. Mein Ex-Freund in der Schule war Sozialarbeiter. Über ihn habe ich viel mit Familien und Flüchtlingen zu tun gehabt, bei denen das Leben ganz anders aussieht. Das hat mich sehr berührt. Das sind Themen, die finde ich besonders spannend und ich habe das Gefühl, da gibt es viele offene und schwierige Fragen, die zu beantworten sind und daran würde ich gerne arbeiten.“

Und wie hat sich dann share entwickelt?

„Ich habe viel mit Entwicklungsthemen zu tun gehabt, in die Richtung studiert und geforscht und dann im Privat- und NGO-Sektor gearbeitet. Ich habe eigentlich schon lange danach gesucht, wie ich im Bereich Sozialunternehmertun etwas starten kann.

Mein Mitgründer Sebastian und ich kennen uns jetzt seit sechs Jahren, wir haben uns bei der UN kennen gelernt. Da haben wir schon immer darüber gesprochen, dass man das ganze Spendensystem doch deutlich flexibler, transparenter und einfacher gestalten könnte. Bei einem Frühstück entstand dann die konkrete Idee von share.“

 

„Wir sind ganz klar aus der Idee geboren: Was wäre eigentlich, wenn man was Gutes ganz einfach tun und dabei sogar sehen könnte, was dabei herauskommt?“

 

@share #sharefoods #1plus1 #esgehtumsprinzip

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Wieso tun sich so viele Menschen schwer damit, zu spenden?

„Ich versteh das total: Man denkt ja nicht jeden Tag, 'oh Gott, jetzt hungert da jemand'. Das ist menschlich, dass wir uns eher mit dem beschäftigen, was um uns herum und in der Familie passiert. Aber genau deshalb wollen wir es eben so einfach und transparent machen, dass genug Leute sagen könnten: Warum eigentlich nicht?!“

Sie betonen, dass die Produkte nicht teurer sind als andere Marken – wie finanzieren Sie die Projekte denn dann?

„Es sind zwei Säulen. Zum einen sind viele dieser Spenden vergleichsweise günstig. Ein Tag Mahlzeiten für hungerleidende Menschen in einer Notsituation kann – wenn das im großen Stil organisiert wird – für 40 Cent garantiert werden. Also das ist die eine Säule: Es ist überraschend günstig.

Zum anderen sparen wir das, was andere Firmen für Marketing ausgeben und bieten Kunden einfach nur den Mehrwert zu sagen, dass mit jedem Kauf einer anderen Person geholfen wird.

Und das Kapital sind Privatinvestitionen?

„Wir haben uns auch Lebensmittelexperten als Partner und Investoren gesucht. Es ist für uns aber immer noch wichtig, dass es unser Unternehmen ist. Soziale und wirtschaftliche Ziele stehen nicht immer hundertprozentig im Einklang. Wir glauben aber daran, dass wir ein Unternehmen und Produkte haben, wo man diese Ziele vereinbaren kann. Das wollen wir beschützen.“

Ich kaufe also ein Produkt, scanne den Tracking-Code mit einer App – und was genau sehe ich dann?

„Es gibt natürlich auch eine gewisse Skepsis – was bringt das jetzt, wenn ich das Geld spende?

Deswegen gibt es erstmal eine Karte, wo genau das Geld hingeht. Es wird gezeigt, wie vielen Menschen jetzt mit diesem konkreten Brunnen, dieser konkreten Mahlzeitenverteilung geholfen wird. Man sieht, wann das Projekt losgeht, Fotos und eine Erklärung.

Wie kann jeder seinen Teil dazu beitragen, die Ungleichheit zu bekämpfen?

„Was kaum jemand weiß: Die Welt ist schon so viel besser geworden! In den letzten Jahrzehnten hat sich gerade in den Entwicklungsländern ganz viel getan. Unsere Botschaft ist eine optimistische: Wir glauben, das ist sehr wohl möglich, dass jeder etwas tun kann!

Es geht wirklich um die allerärmsten. Und da kann eben ein kleiner Beitrag – wie bei uns durch den Griff ins Regal oder auch direkt spenden – helfen. Ganz wenig kann ganz viel bewirken.

Die gute Nachricht ist: Wir können das wirklich schaffen!

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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