"Unmenschlich"Silvester-Angriffe auf Einsatzkräfte: Notarzt macht seinem Ärger Luft

In der Silversternacht kam es in Deutschland vermehrt zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Ein Notarzt äußerte sich nun mit sehr offenen Worten...

Während die meisten Deutschen das neue Jahr mit Sekt und Raketen begrüßten, mussten Einsatzkräfte helfen - und wurden teilweise angegriffen. So kam es in mehreren Städten zu Gewalt gegen Polizisten und Notärzte.

Einem 30-Jähriger Rettungshelfer reichte es nun: Er machte seinem Ärger via Twitter an Neujahr Luft, nachdem er von mehreren gewalttätigen Vorfällen auf Notarztfahrzeuge in der Nacht zum 1. Januar 2019 las. Seinen mehrteiligen Tweet richtet der Nutzer, der sich "Flow" nennt, vor allem an "Betrunkene (und sonstige) Gewalttätige": "Langsam hab ich wegen euch echt die Schnauze voll! Man fährt nachts bei Wind und Wetter raus um euch zu helfen (...). Wir sind die, die euch aus dem Dreck ziehen egal wie besoffen und vollgekotzt ihr seid." Und weiter: "Wir sind die, denen ihr das Leben verdankt, wenn ihr am eigenen Erbrochenen erstickt oder euch versehentlich oder absichtlich eine falsche Menge der falschen Drogen eingeschmissen habt. Wir sind die, die euch versorgen, wenn ihr euch in Rausch oder Selbstüberschätzung verletzt habt. Wir sind das Personal, das wegen euch gebunden ist und bei der Versorgung von anderen Patienten fehlt." 

 

Dankbarkeit? Fehlanzeige!

Weiter schreibt der Notarzthelfer, der in Süddeutschland tätig ist, dass es normal sei, für die Hilfe keine Dankbarkeit zu bekommen, sondern Beleidigungen: "Wenn ihr aber anfangt Einsatzkräfte anzugreifen reißt mir endgültig der Geduldsfaden. Wenn man als Arzt, Pfleger, Sanitäter oder Feuerwehrmann Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man versucht euch zu helfen, dann läuft irgendetwas gewaltig schief", schreibt der 30-Jährige in seinem Tweet. "Ob die Gründe an der Verrohung der Gesellschaft oder anderswo liegen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wird das Klima von Jahr zu Jahr unmenschlicher und gewalttätiger und zwar von allen Seiten."

Dem Stern erzählte Flow, dass es beispielsweise einmal zu einem Angriff gekommen sei, als er und seine Kollegen einem Mann helfen wollten, der neben einem brennenden Auto lag. Der Mann sei erst ruhig geblieben, habe dann aber plötzlich angefangen um sich zu treten. "Er versuchte gezielt, eine Kollegin mit Faustschlägen zu attackieren", so der Rettungshelfer. 

 

"Helft euch gegenseitig"

In seinem Tweet appelliert er an alle, sich gegenseitig zu helfen und den Helfern wiederrum ihre Arbeit machen zu lassen. "Jeder kann sich engagieren: Durch Zivilcourage, Deeskalation oder einfach dadurch, dass er sich nicht aufführt wie ein Vollidiot." 

Am Ende räumt Flow ein, dass die Mehrheit der Menschen, denen er und seine Kollegen hilft, friedlich seien. Zudem bedankt er sich für die zahlreichen positiven Reaktionen und freut sich, mit seinem Worten eine "wichtige Diskussion angestoßen" zu haben

Bleibt zu hoffen, dass die Botschaft bei all denen ankommt, die nicht zu den friedlichen Partygängern gehören.

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