Neue VerordnungSituation freiberuflicher Hebammen verschlechtert sich

Eine neue Verordnung soll laut Krankenkassen eine bessere Qualität der Betreuung bringen. Hebammen sehen hingegen das Wohl von schwangeren Frauen gefährdet.

Die Krankenkassen habe eine neue Verordnung etabliert, die sich an Beleghebammen - also freiberufliche Hebammen - richtet. Die meisten freiberuflichen Hebammen sind in kleinen bis mittelgroßen Krankenhäusern angesiedelt, ihre Leistungen üben sie allerdings freiberuflich aus und rechnen diese entsprechend mit den Krankenkassen ab.

 

Betreuung von ausschließlich 2 Frauen

Die neue Verordnung sieht nun vor, dass freiberufliche Hebammen nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Das soll sich am Ende positiv auf die Qualität der Betreuung auswirken.

Hebammen sehen das allerdings vollkommen anders und protestieren gegen die neue Verordnung. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens wollen sie selber entscheiden, wie viel sie leisten können, und zweitens gibt es sowieso schon zu wenig Hebammen.

Deswegen sehen Hebammen durch die Verordnung in erster Linie das Wohl der schwangeren Frauen und ihrer Babys gefährdet.

 

Betreuung mehrerer Frauen durch eine Hebamme nicht ungewöhnlich

In Krankenhäusern ist es nichts Ungewöhnliches, dass Hebammen mehrere Frauen gleichzeitig betreuen. Nach einem Kaiserschnitt wird eine Frau im Zuge der Operation z. B. meistens noch einige Stunden überwacht. In dieser Zeit ist es einer Hebamme durchaus möglich, bei anderen Frauen die Wehen zu kontrollieren, oder den Bauch abzutasten.

Nach der neuen Verordnung müsste die Hebamme eine dritte Frau jedoch vertrösten, wenn diese z. B. Wehen hat. Sonst dürfte die Hebamme die Leistung nicht abrechnen. 

Anders als fest angestellte Hebammen bekommen freiberufliche Hebammen nämlich kein festes Gehalt, sondern müssen jede erbrachte Leistung mit den Krankenkassen abrechnen. Die Verordnung zwingt Beleghebammen also quasi dazu Frauen abzuweisen oder aber die Behandlung umsonst durchzuführen.

 

Zunehmende Verschlechterung der Situation von Hebammen

Die neue Verordnung der Krankenkassen ist nur ein weiteres von vielen Problemen, mit denen sich Hebammen konfrontiert sehen. Hohe Versicherungsbeiträge machen ihnen das Leben schwer und seit dem 01. Januar 2018 dürfen sie die Fahrten zum Krankenhaus nicht mehr als Kosten einreichen.

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