Erst die Kinder, dann ichSo schwer haben es alleinerziehende Mütter und Väter in Deutschland

Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 2,7 Millionen Alleinerziehende. Wie hart das Leben der Mütter und Väter wirklich ist, beleuchtet die "37 Grad"-Dokumentation "Erst die Kinder, dann ich - Alleinerziehende am Limit". Sie begleitet drei Alleinerziehende und ihre Kinder in ihrem Alltag zwischen Existenzangst und Überforderung, auf der Suche nach Unterstützung.

Inhalt
  1. Stefanie lebt finanziell immer am Limit
  2. Manuel fühlt sich ausgegrenzt 
  3. Christiane ist überfordert und chronisch krank 
  4. Die Dokumentation soll Betroffenen eine Stimme geben

In Deutschland leben cirka 409.000 alleinerziehende Väter und 2.331000 Mütter. Viele von ihnen fühlen sich überfordert und allein gelassen, weil sie keine Entlastung finden. Die "37 Grad"-Dokumentation hat ein halbes Jahr drei Alleinerziehende mit ihren Kinder begleitet und zeigt, wie schwer es Single-Eltern in Deutschland immer noch haben. Sie leben fünf Mal häufiger in Armut als Paarhaushalte. Nur die Hälfte von ihnen erhält Unterhalt.

 

Stefanie lebt finanziell immer am Limit

Für ihre sechsjährige Tochter Lea würde Stefanie alles tun. Sie ist alleinerziehend, lebt nach dem sie nach einer Borreliose-Erkrankung ihren 450-Euro-Job in einer Verwaltung verlor, von Hartz IV. Das Geld ist knapp, jeden Monat. Wenn eine außerplanmäßige Rechnung kommt, muss sich die 30-Jährige dafür Geld von Freunden leihen.

Um zumindest die benötigten Lebensmittel für ihre Tochter und sich kaufen zu können, räumt sie schon am Monatsanfang das Konto leer, um Lastschriften zuvorzukommen, die das Konto schröpfen. Doch mit den Außenständen, die sie nicht begleichen kann, wächst auch der Schuldendruck. Für Stefanie wird es immer schwerer, den Boden unter den Füßen zu behalten und sich eine gesicherte Zukunft jenseits von Hartz IV aufzubauen. 

Mittlerweile hat sie eine Teilzeitstelle als Verkäuferin gefunden. Die finanzielle Situation von ihr und Tochter Lea hat sich damit kaum entspannt, denn sie verdient kaum mehr als vorher mit Hartz IV und ist immer noch auf die Bezüge des Amts angewiesen, weil das Gehalt einfach nicht zum Leben reicht. Und damit ist Stefanie nicht allein: 30 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland müssen trotz Vollzeitjob mit Hartz IV aufstocken!

 

Manuel fühlt sich ausgegrenzt 

Nach der Scheidung lebt Manuel alleine mit seinen drei Söhnen in einer viel zu kleinen Wohnung auf dem Land im Schwarzwald. Seinen Job als Metzger verlor er, weil er niemanden hatte, der seine Kinder betreute, wenn sie krank waren und er deshalb nicht zur Arbeit kommen konnte. Seitdem findet er keinen neuen Job mehr, zum einen, weil es auf dem Land kaum Arbeit gibt und in die Stadt kann er nicht ziehen, weil es dort keinen bezahlbaren Wohnraum gibt. Es ist ein Teufelskreis.

Besonders zu schaffen macht dem 48-Jährigen die Ausgrenzung. Sobald er bei einem potenziellen Vermieter oder neuen Arbeitgeber durchsickern lässt, dass er alleinerziehender Vater von drei Söhnen ist, wiegeln die meisten sofort ab. "Man wird behandelt wie Ungeziefer", sagt er bitter. Auch seine Söhne spüren die Stigmatisierung in der Schule ganz deutlich und werden gemoppt: "Wir werden als Opfer beschimpft, weil wir von Hartz IV leben müssen", erzählt der 12-jährige Sohn. 

Manuel würde gerne in Teilzeit arbeiten, um Job und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Doch vielen Arbeitgebern sind Alleinerziehende ein Dorn im Auge. Sie gelten als nicht flexibel genug. Der Weg aus der Hartz IV-Spirale ist also auch hier alles andere als einfach! 

 

Christiane ist überfordert und chronisch krank 

Christiane ist alleinerziehende Mutter von neun Monate alten Zwillingen. Der Kindsvater verließ sie noch in der Schwangerschaft. Er besucht seine Söhne nur unregelmäßig, ist für die 42-Jährige also keine Entlastung. Sie leidet unter dauerhaften, starken Rückenschmerzen und ist durch die Doppelbelastung ständig übermüdet. Um zumindest einmal kurz durchatmen zu können, hat Christiane eine Mutter-Kind-Kur beantragt. 

Doch wie geht es danach für die Sozialarbeiterin weiter, wenn sie wieder Vollzeit in einem Kinderheim arbeitet? Wer wird sie dann unterstützen? Und wird sie es schaffen, ihren Alltag alleine und ohne Hilfe mit Job und zwei Kindern stemmen zu können. 

 

Die Dokumentation soll Betroffenen eine Stimme geben

"Schon für Eltern, die sich den ganz normalen Erziehungswahnsinn teilen können, kann der stressige Alltag manchmal schnell zum Limit führen. Wie doppelt erschöpfend ist der Zustand für die, die ganz allein für alles verantwortlich sind und sich dem nicht mal für einen Moment entziehen können? Wenn dann auch noch die existentielle Angst vor Armut, Jobverlust, die fehlende Unterstützung bei der Versorgung und Erziehung der Kinder hinzukommt, ist die Belastungsgrenze weit überspannt, und das betrifft alle Protagonisten meines Films", sagt Regisseurin Katrin Wegner über ihre Dokumentation. "Ich danke Stefanie, Manuel, Christiane und ihren Kindern für ihr Vertrauen und dafür, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, um anderen Betroffenen eine Stimme zu verleihen. Ich bin beeindruckt, mit welchem Einsatz, welchem Engagement, welcher Kreativität und Leidenschaft diese drei Elternteile ihre Kinder allein aufziehen."

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