ArbeitslosigkeitSo werden Hartz-IV-Empfänger im Steuersystem der GroKo benachteiligt

Die GroKo (SPD und Union) haben bekannt gegeben, mehr Kindergeld, ein neues Baukindergeld und kostenlose Kitas umsetzen zu wollen, damit Familien entlastet werden. Doch für Hartz-IV-Empfänger ändert sich dadurch nichts.

In Deutschland beziehen laut aktuellen Zahlen von Statista 4.268.861 Menschen Hartz-IV. Sie alle dürfen sich zusätzlich zu ihrem jeweiligen Beitrag mit einem Nebenjob etwas dazuverdienen. Doch dieses Geld dürfen Arbeitslosengeld II-Bezieher nicht einfach behalten. Die ersten 100 Euro gelten noch als Freibetrag, danach müssen über 100 Euro bis 1000 Euro mit 20 % angerechnet werden. Wer also einen Mini-Job hat und 400 Euro verdient, hat am Ende trotz voll geleisteter Stunden nur 160 Euro mehr auf dem Konto.

Wird nun das Kindergeld erhöht, muss auch das angerechnet werden. Baukindergeld nützt Hartz-IV-Empfängern ebenfalls nichts, da sie sich den Bau eines Hauses ohnehin nicht leisten können. Zudem sind die meisten Kita-Plätze heute für Arbeitslosengeld II-Bezieher kostenlos. 

Hartz-IV: So werden Hartz-IV-Empfänger im Steuersystem benachteiligtiStock

 

Eine Studie belegt: Es müssen Arbeitsanreize für Hartz-IV-Bezieher geschaffen werden

Da wundert es nicht, dass eine Studie des Wirtschaftsinstituts Ifo nun herausfand, dass es einkommensschwachen Familien vor allem an Arbeitsanreizen mangelt. Dies gelte vor allem für Alleinerziehende oder Geringverdiener mit Kindern. „Wer seine Arbeitszeit ausweitet oder eine Lohnerhöhung erhält, hat oft netto sogar deutlich weniger als vorher in der Tasche“, erklärt der Sozialexperte des Ifo-Instituts Andreas Peichl. Steigt das Haushaltseinkommen, verpufft das zuverdiente Geld quasi in der Luft. Hartz-IV-Empfänger profitieren von einem Zuverdienst nur, wenn sie maximal 200 Euro im Monat dazuverdienen. Beim Kindergeldzuschlag liegt die Grenze bei 50 %. 

Bei Paaren mit Kindern sieht die Sache ähnlich düster aus. Lediglich für alleinstehende Bezieher von Arbeitslosengeld II macht es Sinn, ihre Arbeitsstunden auszuweiten, da beispielsweise das Kindergeld wegfällt. 

Andreas Peichl von der Ifo fordert deshalb: „Man sollte Mehrarbeit nicht finanziell bestrafen." Außerdem sei Peichl für eine Reform des Steuer- und Abgabensystems für Hartz-IV-Bezieher, die eben dieses Problem löst. Leider hat die GroKo derartige Pläne im Koalitionsvertrag bisher nicht berücksichtigt... 

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