NostalgieSofortbildkamera: Der Trend der 1970er ist zurück

Sofortbildkameras waren der Hit in den 1970ern und sind es heute wieder. Sie begeistern nicht nur die ältere Generation, sondern auch die Jugend. Was steckt hinter dem Sofortbildkamera-Trend?

Sofortbildkamera: Polaroids fürs Fotoalbum.
Sofortbildkameras sind perfekt für besondere Familienanlässe.
Foto: iStock/kcslagle
Inhalt
  1. Sofortbildkamera: Warum tauchen sie jetzt überall auf?
  2. Digitalkamera vs. Sofortbildkamera
  3. Erste Schritte mit deiner neuen Sofortbildkamera
  4. Tipps und Tricks rund ums Sofortbild

Ein leicht unhandlicher, etwas klobiger Fotoapparat, bei dem nach einem „Klick“ und etwa einer Minute direkt das Foto aus der Kamera kam. Dann wurde kräftig gewedelt und das Unikat fand anschließend einen Platz an der Wand oder im Familienalbum. Heute in Zeiten von Instagram, Snapchat und Co. gibt es eher eine inflationäre Bilderflut. Ein Schnappschuss hier, ein Bild da. Doch am Ende ist das Einzige was zählt, Perfektion. Dank der Digitalisierung können wir einfach mehrere Fotos machen. Doch nur das Beste wird, nach ordentlicher Bearbeitung, gepostet. Die anderen verschwinden einfach im Daten-Dschungel.  

 

Sofortbildkamera: Warum tauchen sie jetzt überall auf?

In der Social-Media-Welt zählt meist nur Perfektion und Masse. Wenn ich durch meinen Instagram Account scrolle, sehe ich täglich Hunderte von Fotos, aber um ehrlich zu sein würdige ich den Wenigsten einen zweiten Blick. Genau wie den Massen an Fotos, die nach dem Knipsen auf meiner Speicherkarte oder in der Cloud verschwinden. Dabei ist es meist egal, ob es sich um Urlaubs-, Familienfotos oder Fotos vom letzten Mädelsabend handelt. Die wenigsten von ihnen schaffen es noch ins Fotoalbum. So geht es vielen, einer der Gründe, warum die Sofortbildkamera wieder voll im Trend liegt. Endlich hat man wieder etwas in der Hand, ein Unikat, auf dem verwackelte Bewegungen, ausgewaschene Farben und weiche Übergänge auf einmal perfekt wirken.

 

Digitalkamera vs. Sofortbildkamera

Immer wieder fallen mir Sofortbildkameras auf. Bei Geburtstagen oder wenn ich Touristen in der Stadt sehen und ich frage mich: "Was ist so besonders an ihnen?" „Man fotografiert wieder bewusster. Gerade weil ein Foto umgerechnet ca. einen Euro kostet“, erzählt mir Alessa. Sie ist 27 Jahre alt, eine Freundin von mir und sehr aktiv bei Instagram. Doch zu Geburtstagen und Hochzeiten nimmt Alessa lieber ihre Sofortbildkamera mit. Dort entstehen dann zwar nur fünf bis sechs Bilder, aber diese sind dann etwas ganz Besonderes. Auch Lina (20) liebt ihre Sofortbildkamera. In jeden Urlaub kommen diese und ein Film mit. Das sind 20 Bilder für den ganzen Urlaub. Das Motiv ist egal, es muss nur das Foto wert sein. Denn eines weiß sie ganz genau: „Die Bilder schaue ich mir wieder an.“ Handyfotos oder allgemein Digitalbilder verschwinden auch bei ihr in der Regel auf den Geräten und werden vergessen.

Und so geht es nicht nur den beiden. 2015 wurden weltweit rund fünf Millionen dieser Kameras verkauft, mehr als zur Zeit der Analogfotografie. Der Präsident des Branchenverbandes Photoindustrie-Verband (PIV), Führers, sagte zu WELT: „Haptik wird wieder wichtig.“ Der gleichen Meinung ist auch Contanze Clauß (PIV): „Es ist ein anderes Erlebnis, Fotos in der Hand zu halten.“ Eine Erklärung für den Nostalgie-Trend.

Das bewusste Fotografieren, der besondere Moment und die Haptik sind das, was viele junge Leute an den Sofortbildkameras so begeistert. Die Generation davor erfreut sich eher an den nostalgischen Erinnerungen. Wie Alessas Onkel, der sich so über die Kamera gefreut hat, dass er sich sofort gerne freiwillig fotografieren ließ. Denn wie viele andere, kennt auch er die Sofortbildkamera noch aus seiner Kindheit. Schon in den 1970ern kam die Kamera die ihre Bilder selbst entwickelt auf den Markt. Damals wie heute sind die einzelnen Fotos allerdings sehr teuer.

Aber das Angebot ist gewachsen. Es gibt viele verschiedene Sofortbildkameras und das in jedem Preissegment. Drucker, die im Polaroid-Design ausdrucken oder Hybride, wo die Bilder sowohl digital erhalten bleiben, als auch direkt ausgedruckt werden können. Alles blitzschnell, ohne lästiges Wedeln und für den ganz besonderen Moment.

 

Erste Schritte mit deiner neuen Sofortbildkamera

Du hast dir eine Sofortbildkamera gekauft? Dann solltest du Folgendes beachten, bevor du mit dem Fotografieren loslegst.

  • Lese unbedingt die Bedienungsanweisung! In der Regel ist diese bei Sofortbildkameras sehr kurz, dennoch solltest du dich mit allen Einstellungsmöglichkeiten vertraut machen. Denn die Bilder sollen ja von Anfang an gut werden und weder dunkel, noch zu hell sein.
  • Beachte, ob der Blitz dauerhaft angeschaltet ist. Sofortbildkameras benötigen viel Licht, weshalb man bei einigen Modellen den Blitz nicht ausstellen kann. Das kann entscheidend für deine Fotos sein, denn gerade helle Hintergründe reflektieren. Befindet sich dein Motiv zum Beispiel vor einer weißen Wand, in einem Raum mit starker Beleuchtung, läufst du schnell Gefahr dein Foto zu überbelichten. Auch wichtig: Wie weit reicht der Blitz?
  • Der Lichtsensor sollte, genau wie der Blitz, nicht verdeckt oder verschmutzt sein. Denn sonst kann sich die Kamera nicht an die Lichtverhältnisse anpassen.
  • Fotos der Sofortbildkamera können nicht vergrößert werden. Deshalb solltest du den Abstand zu deinem Motiv immer im Blick haben. Du solltest weder zu nah (Mindestabstand siehe Bedienungsanleitung) noch zu weit entfernt stehen, da du auf dem Bild sonst nicht viel erkennen kannst.
  • Fotos weder wedeln noch knicken. Beides verhindert, dass sich die Chemikalien im Fotopapier ordentlich verbinden. Das Bild während des Entwicklungsprozesses einfach ruhig in der Hand halten und anschließend gut verstauen.
 

Tipps und Tricks rund ums Sofortbild

  • Die Filme sind stark lichtempfindlich, deshalb müssen sie dunkel gelagert werden. Auch das fertige Foto sollte nicht in der Sonne liegen, da es sonst verblasst.
  • Sofortbildkameras brauchen viel Licht, weshalb du Fotos in dunklen Räumen und im Schatten vermeiden solltest.
  • Die Lichtquelle sollte sich hinter deinem Rücken befinden, sonst kann es passieren, dass auf deinem Foto ein schwarzer Fleck zu sehen ist. Das gleiche Phänomen tritt auf, wenn man Motive in einem Spiegel fotografiert.
  • Verwackelungen bei bewegten Bildern vermeidest du, wenn du den ISO-Wert deiner Kamera hoch stellst. Denn bei sich bewegenden Motiven, sowie an bewölkten Tagen oder im Schatten benötigst du eine kurze Belichtungszeit.
  • Sofortbilder solltest du in einem Album aufbewahren. Dort sind sie lichtgeschützt und es besteht auch keine Gefahr das sie zerkratzen.

 

Von Lisa Philomena Strietzel

 

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